Schachtelhalm – Die stille Pflanze, die Wunden heilt

 

Schachtelhalm (Equisetum arvense)

Schachtelhalm – Die stille Pflanze, die Wunden heilt

Ein Streifzug durch die Klostermedizin und das alte Wissen des Dioskurides

Es gibt Pflanzen, die laut schreien – mit Farben, Düften und prunkvollen Blüten. Und es gibt Pflanzen wie den Schachtelhalm (Equisetum arvense) – unscheinbar, fast vergesslich, aber mit einer Kraft, die durch Jahrtausende getragen wurde.

Als ich zum ersten Mal über Schachtelhalm las, war ich überrascht: So eine einfache Pflanze – und doch war sie einst Teil der medizinischen Grundausstattung römischer Feldärzte und späterer Klostergärten.

Und der erste, der sie in Worte fasste, war kein geringerer als Dioskurides.

Dioskurides – der erste Pflanzenchronist

Im ersten Jahrhundert nach Christus reiste Pedanios Dioskurides, ein griechischer Arzt im Dienst der römischen Armee, durch weite Teile des Mittelmeerraums. Überall sammelte er Wissen über Heilpflanzen – nicht aus Neugier, sondern aus Notwendigkeit. In seinem Werk „De Materia Medica“, das später in den Klöstern kopiert, übersetzt und weitergegeben wurde, beschreibt er auch den Schachtelhalm.

Er nannte ihn „Hippuris“ – Pferdeschwanz – und setzte ihn bei:

  • blutenden Wunden,

  • schwierigen Harnlassen,

  • Entzündungen und Geschwüren ein.

Er empfahl, die Pflanze zu trocknen, zu pulverisieren und äußerlich auf Wunden zu streuen. In seinen Augen war sie ein Mittel, das still heilt – ohne Aufsehen, aber mit Wirkung.

Im Mittelalter – eine Pflanze der Armen, aber voller Macht

In der Klostermedizin war Schachtelhalm keine „edle“ Pflanze. Er wurde nicht wie Rose oder Salbei verehrt. Und doch: Die Nonnen und Mönche kannten seinen Wert.

Hildegard von Bingen erwähnte ihn nicht direkt, aber in den Klosterhandschriften taucht er immer wieder auf – als Zutat in Wundsalben, in Heilbädern für erschöpfte Körper, als Diuretikum bei Wassereinlagerungen und sogar zur Stärkung des Bindegewebes.

Er war da – in der Stille. Verlässlich.

Warum ich ihn heute schätze

Wenn ich heute durch den Wald gehe und am Bachufer Schachtelhalm entdecke, sehe ich keine „Unkrautpflanze“.
Ich sehe eine uralte Verbindung – zu Mönchen und Nonnen, zu weisen Frauen, zu Dioskurides.
Ich sehe Hände, die heilten. Geduld, die pflegte. Hoffnung, die wartete.

Schachtelhalm wächst dort, wo Wasser fließt – wie das Wissen, das durch die Zeiten rinnt.
Still, hartnäckig, heilend.
Ein grüner Faden zwischen dem Gestern und dem Heute.

Ich trockne ihn, mische ihn in Bäder bei Rückenschmerzen, nutze ihn für Haarspülungen bei Haarausfall oder trinke einen leichten Aufguss bei Blasenbeschwerden.

Er erinnert mich daran: Heilung ist oft leise. Und Pflanzen wie der Schachtelhalm sind ihre treuen Begleiter.


Quelleninspiration:

  • De Materia Medica, Dioskurides

  • Klosterhandschriften, Übersetzungen aus dem 12. Jh.

  • Eigene Beobachtungen und Anwendungen


Gewöhnliches Hirtentäschel – Zartes Frauenkraut mit großer Geschichte

 

Gewöhnliches Hirtentäschel

Zart, unscheinbar – und doch so stark.
Wie könnte ich jemals diese winzigen, herzförmigen Blätter vergessen?

Sie erinnern mich an barfuß durch Wiesen laufen, an staubige Feldwege, an die Magie der Kindheit.
Und doch ist diese Pflanze nicht nur Poesie – sie ist auch Medizin.

Eine Pflanze mit Geschichte

Das Gewöhnliche Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) gehört zu den Wildkräutern, die leicht übersehen werden – dabei war sie über Jahrhunderte hinweg ein fester Bestandteil der traditionellen Heilkunde. Schon im 16. Jahrhundert erwähnte Paracelsus diese Pflanze in seinen Schriften.

Er glaubte an das, was man heute als Signaturenlehre bezeichnet: Dass die äußere Form einer Pflanze Hinweise auf ihre Wirkung im menschlichen Körper gibt. Die kleinen herzförmigen Blätter und die kapselartigen Samenstände des Hirtentäschels – wie winzige Säckchen – ließen ihn an den Uterus, an das Blut, an das Weibliche denken.

Kein Wunder also, dass das Hirtentäschel seitdem als blutstillendes Kraut eingesetzt wurde – bei starken Monatsblutungen, nach Geburten oder bei offenen Wunden.

Heilpflanze der Frauen

Besonders in der Volksmedizin wurde Hirtentäschel zur Stärkung des weiblichen Körpers eingesetzt – sanft, aber wirkungsvoll. Noch heute kennt man es in der Phytotherapie als Mittel zur Regulierung des Zyklus, zur Linderung bei Wechseljahresbeschwerden und zur Förderung der Durchblutung.

Auch in den alten Kräuterbüchern findet sich diese kleine Pflanze. So beschrieb bereits Dioscurides – der berühmte griechische Arzt des 1. Jahrhunderts – in seinem Werk De Materia Medica ein Kraut mit ähnlicher Wirkung, das sehr wahrscheinlich das Hirtentäschel gewesen sein könnte. Er empfahl es bei inneren Blutungen und zur Förderung der Wundheilung.

Im Mittelalter griff auch Hildegard von Bingen in ihrer Naturheilkunde auf ein Kraut zurück, das dem Hirtentäschel stark ähnelt. Obwohl sie es nicht namentlich wie wir heute bezeichnete, legte sie besonderen Wert auf Pflanzen, die „vom Weiblichen sprechen“ – und deren Form oder Wuchs auf ihre Kraft im Bereich der Frauenheilkunde hinweist.

Ich finde es faszinierend, dass eine so kleine, zarte Pflanze so viel Kraft in sich trägt. Und dass ihr „unscheinbares“ Dasein sie nicht weniger wertvoll macht – im Gegenteil.

Eine Kindheitserinnerung

Vielleicht ist es genau das, was mich heute so berührt hat.
Dass ich sie fast übersehen hätte.
Dass sie „nur“ eine Wiesenpflanze ist – und doch so viel Bedeutung trägt.
Dass ich als Kind neben ihr saß, ohne zu wissen, dass sie einmal in meine Arbeit als Pflanzenfrau, als Sammlerin alter Weisheiten, zurückkehren würde.


Und du? Gibt es eine Pflanze, die dich an deine Kindheit erinnert?
Schreib sie mir gern in die Kommentare – ich liebe es, eure Geschichten zu lesen.

Weinraute – Die starke Pflanze mit zarter Seele

Weinraute (Ruta graveolens)

Es gibt Pflanzen, die einem schon beim ersten Kontakt das Gefühl geben, dass sie mehr sind als nur Kräuter im Garten. Für mich ist die Weinraute (Ruta graveolens) genau so eine Pflanze. Stark im Duft, fast schroff im Wesen – und doch eine alte Heilerin mit einer tiefen, schützenden Energie.

Schon in der Antike wurde sie von Dioskurides beschrieben – als eine Pflanze mit großem Heilpotenzial. Ihr bitterer Geschmack und ihr intensives Aroma täuschen nicht: Diese Pflanze will nicht jedem gefallen. Aber wer sich auf sie einlässt, spürt schnell ihre Wirkung.

 Wofür wurde Weinraute früher verwendet?

In De Materia Medica schreibt Dioskurides, dass Weinraute vielseitig einsetzbar ist:

  • Sie stärkt das Herz und beruhigt die Nerven

  • Fördert die Verdauung

  • Hilft bei Menstruationsbeschwerden

  • Gilt als Gegengift bei Schlangenbissen

  • Wurde sogar zur Stärkung der Sehkraft empfohlen

Auch in Klostergärten war sie beliebt – nicht zuletzt, weil man glaubte, sie könne negative Einflüsse fernhalten. Manche trugen sie als Schutz-Amulett.

Persönliche Verbindung

Ich habe die Weinraute vor Jahren in einem alten Garten entdeckt. Ihr Geruch war mir erst fremd – fast unangenehm. Doch ich habe gelernt, dass genau darin ihre Kraft liegt: Sie zeigt klar ihre Grenzen und wirkt doch heilend, wenn man sie mit Respekt behandelt. Eine Pflanze für Menschen, die lernen, ihre eigene Stärke zu achten.

Ein Hauch Magie

In der Volksmagie galt die Weinraute als schützende Pflanze – gegen den „bösen Blick“ und andere energetische Störungen. Vielleicht liegt ihre Wirkung weniger im Physischen und mehr im Seelischen?

 Fazit

Die Weinraute ist keine Pflanze für jedermann. Aber für jene, die bereit sind, ihr zuzuhören, kann sie eine tiefgreifende Begleiterin sein. Eine Grenzgängerin zwischen Heilung und Schutz – genau wie viele Frauen in der Pflanzenheilkunde früherer Zeiten.

Lindenbaum – Heilpflanze, Herztröster und Symbol der Gemeinschaft

 

Lindenbaum


Es gibt Bäume, an denen geht man nicht einfach vorbei. Sie halten einen irgendwie fest – mit ihrer Präsenz, ihrem Duft, ihrer stillen Würde. Für mich ist der Lindenbaum so ein Baum. Wenn ich an ihm vorbeigehe, spüre ich eine Art Geborgenheit. Als würde er etwas wissen, was wir vergessen haben.

Der Teebaum – oder Lindenbaum, wie wir ihn nennen – ist in Mitteleuropa seit Jahrhunderten ein treuer Begleiter des Menschen. Oft stand er in der Mitte von Dörfern, als Gerichtsbaum, Tanzbaum oder Schutzbaum. Unter seinen Ästen wurde gefeiert, geheiratet, getrauert. Kein Wunder, dass man ihm so viel Bedeutung zugemessen hat – sein Duft allein berührt etwas Tiefes in uns.

Heilkräfte, die das Herz ansprechen

Die Blüten des Lindenbaums sind mehr als nur schön – sie sind ein Geschenk. In meiner Kindheit war Lindenblütentee das Mittel meiner Mutter gegen jede Erkältung. Sanft schweißtreibend, beruhigend, schleimlösend. Damals wusste ich noch nicht, dass diese zarten Blüten auch das Herz beruhigen können – auf eine feine, fast seelische Weise. In stressigen Zeiten ist ein Tee aus Lindenblüten für mich wie eine Umarmung.

Die Rinde und das Holz des Lindenbaums wurden früher ebenfalls genutzt – sei es für Schnitzarbeiten oder in der Volksmedizin als Umschläge bei Entzündungen. Der Baum schenkt also auf vielen Ebenen – und das ohne große Ansprüche zu stellen.

Ein Baum der Gemeinschaft

Was mich am Lindenbaum am meisten berührt, ist seine Verbindung zum Miteinander. In alten Zeiten pflanzte man oft eine Linde zur Geburt eines Kindes oder zum Gedenken an Verstorbene. Sie war ein Symbol für das Leben selbst – mit all seinen Zyklen. Und ich frage mich oft, ob wir heute wieder mehr solche lebendigen Zeichen brauchen.

Wenn ich durch den Wald gehe und wir an einer alten Linde stehenbleiben, erzähle ich ihm diese Geschichten. Dass Bäume früher Freunde waren. Dass sie nicht nur Schatten geben, sondern auch Schutz, Trost und manchmal sogar Antworten.

Fazit

Der Lindenbaum ist für mich nicht nur eine Heilpflanze – er ist ein Lehrer. Einer, der leise spricht, aber tief wirkt. Vielleicht erinnert er uns daran, langsamer zu gehen, tiefer zu atmen und uns wieder zu verbinden – mit uns selbst, mit anderen, mit der Natur.

Avicenna (Ibn Sina) – Die Weisheit des Ostens in Europas Klostermedizin

 

Avicenna (Ibn Sina)

Heilpflanzen im Licht des „Kanon der Medizin“

Im Schatten der mittelalterlichen Klostermauern Europas flüsterten nicht nur lateinische Manuskripte – auch die Weisheit des Orients fand ihren Weg in die Heilkunst. Einer ihrer größten Übermittler war Avicenna, bekannt auch als Ibn Sina, ein persischer Arzt, Philosoph und Universalgelehrter des 11. Jahrhunderts.

Der „Kanon der Medizin“ – Ein Brückenschlag zwischen Welten

Avicennas Hauptwerk, der „Kanon der Medizin“ (al-Qānūn fī aṭ-Ṭibb), wurde im 12. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt und avancierte zum Standardwerk der europäischen Medizinuniversitäten – sogar bis ins 17. Jahrhundert.

Doch was ihn so besonders macht, ist nicht nur das medizinische Wissen, sondern die Verbindung von griechischer, römischer, arabischer und persischer Heilkunde, durchdrungen von einer tiefen spirituellen Dimension.

Pflanzen als Mittler zwischen Körper und Seele

In Avicennas Sicht waren Pflanzen nicht nur stoffliche Heilmittel, sondern Ausdruck einer kosmischen Ordnung. Jede Pflanze hatte einen Platz, eine Aufgabe – und eine innere Qualität. Besonders geschätzt wurden:

  • Rosenblüten (Rosa damascena) – für Herz, Nerven und das Gemüt

  • Myrrhe (Commiphora myrrha) – als Reinigungsmittel für Wunden und Seele

  • Süßholz (Glycyrrhiza glabra) – zur Linderung innerer Hitze und seelischer Spannungen

  • Kümmel und Schwarzkümmel – zur Stärkung des „inneren Feuers“ (Verdauung & Lebensgeist)

🜂 Die Elemente & die Pflanzennatur

Wie auch Hildegard von Bingen unterschied Avicenna zwischen Temperamenten und Elementen (Feuer, Wasser, Luft, Erde). Jede Pflanze hatte eine Qualität – warm, kalt, trocken oder feucht – und wurde entsprechend zur Harmonisierung der Körpersäfte eingesetzt.

Erbe für die Klostergärten

Obwohl Avicenna aus dem islamischen Raum stammte, war sein Einfluss in christlichen Klöstern tiefgreifend. Mönche und Nonnen studierten seine Werke, kopierten seine Erkenntnisse, und viele seiner Empfehlungen fanden Eingang in die klösterlichen Herbarien und Gärten.

Eine Brücke der Heilung

Avicenna steht heute für eine Medizin, die weit über Symptome hinausblickt – sie sucht Gleichgewicht, Sinn und Ganzheit. Seine Heilkunde verbindet Himmel und Erde, Wissenschaft und Mystik, Blatt und Gebet.

Eberraute (Artemisia abrotanum) – Ein Hauch von Sommerweisheit

An einem stillen Sommertag im Kräutergarten eines alten Klosters bewegt sich eine zarte Pflanze im Wind. Die Eberraute – heute fast vergessen – war einst ein treuer Begleiter der klösterlichen Heilkunst. Ihr lateinischer Name, Artemisia abrotanum, klingt nach antiker Weisheit und erinnert an Zeiten, in denen Pflanzen nicht nur zur Heilung, sondern auch zur geistigen Klärung dienten.

Eine Pflanze mit Wurzeln in der Antike

Bereits die alten Griechen kannten sie unter dem Namen Abrotonon. Die Römer verwendeten sie bei Reinigungsritualen und als Mittel gegen Melancholie. Im Mittelalter wurde sie Teil der klösterlichen Heilkunde. Hildegard von Bingen empfahl sie zur Stärkung des Körpers und zur Reinigung des Geistes. In vielen Kräuterbüchern jener Zeit wird sie als Pflanze beschrieben, die sowohl auf den Körper als auch auf die Seele wirkt.

Symbolik der Eberraute

  • Sie galt als Schutzpflanze gegen böse Geister, schlechte Träume und seelische Unruhe.
  • In ihrer bitteren Note sah man ein Symbol für Selbstdisziplin und Mäßigung.
  • Ihre Klarheit und Stärke standen für geistige Entschlossenheit, besonders im männlichen Prinzip.
  • Als Sommerpflanze symbolisierte sie Reife, Vollendung und das innere Erblühen.

Anwendung in der Klostermedizin

Getrocknete Eberraute wurde in kleinen Säckchen mitgeführt, um negative Einflüsse fernzuhalten. Ihr Duft wurde genutzt, um Räume zu reinigen – sowohl physisch als auch energetisch. Die Pflanze fand Anwendung bei Verdauungsproblemen, zur Stärkung des Immunsystems und zur Beruhigung des Gemüts.

Eine fast vergessene Begleiterin

Heute findet man die Eberraute nur noch selten in Gärten. Doch in jedem ihrer feinen, gefiederten Blätter lebt ein Stück vergangener Zeit. Wer sie wiederentdeckt, findet nicht nur ein Heilkraut, sondern einen stillen Begleiter – eine Gnade des alten Sommers.

Quellen

Andorn – Der bittere Freund mit heilender Seele

Andorn (Marrubium vulgare)

Nicht jede Pflanze schmeckt süß oder verströmt einen angenehmen Duft. Manche, wie der Andorn, sind durch ihre Bitterkeit besonders wertvoll. Schon seit vielen Jahrhunderten wird der Andorn wegen seiner starken Wirkung für Körper und Geist geschätzt.

Geschichte und Nutzung in der Heilkunst

Der Andorn ist eine alte Heilpflanze, die bereits im Mittelalter in den Klostergärten der Benediktiner angebaut wurde. Diese Klostergärten waren Orte, an denen Heilkräuter gepflegt und erforscht wurden. Hildegard von Bingen, eine berühmte Heilerin und Mystikerin, empfahl den Andorn besonders gegen Husten, zur Förderung der Verdauung und zur inneren Reinigung.

Auch in der Volksmedizin wurde der Andorn bei Erkältungen, Magenbeschwerden und zur Beruhigung eingesetzt. Seine bittere Wirkung regt den Stoffwechsel an und hilft, körperliche und seelische Belastungen abzubauen.

Spirituelle Bedeutung des Andorns

Der Andorn wird in der Pflanzen-Spiritualität als Kräuterwesen der Wahrheit angesehen. Seine Bitterkeit steht dafür, unangenehme Wahrheiten anzunehmen und sich von alten Mustern zu befreien. Er hilft dabei, seelischen Ballast loszulassen und den eigenen Weg bewusster zu gehen.

Wichtige Bedeutungen sind:

  • Reinigung von alten Emotionen

  • Stärkung der inneren Wahrheit

  • Begleitung bei Veränderungen und Neuanfängen

  • Förderung geistiger Klarheit und Entgiftung

Andorn-Tinktur nach Hildegard von Bingen – einfach selber machen

Du brauchst:

  • 1 Handvoll frischen oder getrockneten Andorn (Blätter und Blüten)

  • Ca. 100 ml klaren Alkohol (mindestens 40 %, z. B. Korn oder Wodka)

  • Ein Schraubglas

  • Eine dunkle Flasche zur Aufbewahrung

So funktioniert es:

  1. Andorn in das Schraubglas geben.

  2. Mit Alkohol übergießen, bis alles bedeckt ist.

  3. Glas verschließen und 3–4 Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen.

  4. Täglich leicht schütteln.

  5. Nach der Ziehzeit abseihen und in die dunkle Flasche füllen.

Anwendung:

  • Innerlich: 10–15 Tropfen vor dem Essen mit Wasser zur Unterstützung der Verdauung und Reinigung.

  • Spirituell: 1 Tropfen abends unter die Zunge für mehr seelische Klarheit.

Affirmation: „Ich lasse los, was mir nicht mehr dient.“

Ein letzter Gedanke:
Der Andorn ist wie ein ehrlicher Freund – er schmeckt bitter, sagt aber die Wahrheit. Manchmal braucht es genau diese Bitterkeit, um Heilung zu finden. In seiner Kraft öffnet sich der süße Weg der Seele, wie Hildegard von Bingen es beschrieben hat.

Quellen:

  • Hildegard von Bingen: Physica

  • Dioskurides: De Materia Medica

  • Maria Treben: Heilpflanzenbuch

  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen

  • Universität Würzburg – Kräuterdatenbank


Anti-Falten-Rezepte von Hildegard von Bingen

Geheimnis für ein strahlendes Gesicht


Hildegard von Bingen (1098–1179), Benediktinerin, Heilerin und Visionärin, war überzeugt: Wahre Schönheit beginnt im Inneren. In ihren medizinischen und spirituellen Schriften finden wir zahlreiche Hinweise auf Heilpflanzen und Anwendungen, die nicht nur Gesundheit, sondern auch jugendliche Ausstrahlung fördern sollen – ganz ohne künstliche Zusätze.

In diesem Artikel werfe ich einen Blick auf ihre natürlichen Schönheitsgeheimnisse – mit Fokus auf Hautpflege und Faltenvorbeugung.

1. Blütenmazerat für ein strahlendes Gesicht

„Die Blüten, die sich dem Licht öffnen, geben auch dem Antlitz Licht.“ – Hildegard von Bingen

Zutaten:

  • 1 EL getrocknete Lavendelblüten

  • 1 EL Kamille

  • 1 EL Rosmarin

  • 200 ml Apfelessig (naturtrüb) oder Weißwein

  • 1 TL roher Honig

Zubereitung:
Die getrockneten Blüten in ein Glasgefäß geben und mit dem leicht erwärmten Essig oder Wein übergießen. 7–10 Tage an einem hellen Ort ziehen lassen, täglich schütteln. Danach abseihen und den Honig einrühren. Kühl lagern.

Anwendung:
Morgens und abends mit einem Wattepad auf die gereinigte Haut auftragen. Dieses Tonikum wirkt klärend, beruhigend und fördert die Durchblutung – ideal zur Vorbeugung feiner Linien.

2. Entgiftungstee für innere und äußere Reinheit

„Ein reines Blut bringt ein reines Antlitz.“

Zutaten:

  • 1 TL Brennnesselblätter

  • 1 TL Löwenzahnwurzel

  • 1 TL Pfefferminze

  • ½ TL Fenchel

Zubereitung:
Die Kräuter mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 1–2 Tassen täglich über 2–3 Wochen trinken.

Wirkung:
Dieser Tee unterstützt Leber und Nieren, reinigt das Blut und kann Hautunreinheiten und Müdigkeitserscheinungen mildern.

3. Faltenbalsam mit Weizenkeimöl und Bienenwachs

„Weizen nährt nicht nur den Leib, sondern auch die Haut.“

Zutaten:

  • 2 EL Weizenkeimöl

  • 1 TL Bienenwachs

  • 1 Tropfen Rosenöl (ätherisch)

Zubereitung:
Im Wasserbad das Öl mit dem Bienenwachs langsam schmelzen. Vom Herd nehmen, das Rosenöl zugeben und in ein kleines Tiegelchen abfüllen.

Anwendung:
Abends sanft auf Fältchen um Augen und Mund auftragen. Regt die Zellerneuerung an, pflegt intensiv und duftet himmlisch.

4. Schönheit durch innere Balance

Für Hildegard war Schönheit mehr als äußere Pflege – sie war Ausdruck einer harmonischen Seele:

  • Ernährung mit Dinkel, Kräutern und mäßigem Weinkonsum

  • Regelmäßige geistige Einkehr und Naturverbundenheit

  • Mäßigung statt Überfluss – auch bei der Körperpflege

Fazit

Die Schönheitstipps von Hildegard von Bingen sind ein Spiegel ihrer Philosophie: Ganzheitlich, naturverbunden, spirituell. Ihre Rezepte erinnern uns daran, dass wahre Hautpflege nicht aus der Tube kommt, sondern aus der Kraft der Pflanzen und einem achtsamen Leben.

Gefleckter Schierling – Die tödliche Schönheit der Antike

 

Gefleckter Schierling-Conium maculatum


Lateinischer Name: Conium maculatum
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

Manche Pflanzen erzählen Geschichten, die einen schaudern lassen – und der Gefleckte Schierling ist eine davon. Schon beim Namen spüre ich Ehrfurcht: Diese Pflanze steht für eine dunkle Seite der Natur, eine stille, giftige Kraft, die im Verborgenen wächst.

Was ist Gefleckter Schierling?

Der Gefleckte Schierling ist eine wildwachsende Pflanze, die an Wegrändern, Böschungen oder auf Brachflächen gedeiht. Ihre Stängel sind violett gefleckt – ein Merkmal, das ihr den Namen gab. Sie verströmt einen auffallend unangenehmen, petersilienähnlichen Geruch, der erfahrene Sammler sofort aufhorchen lässt. Ihre Blätter erinnern auf erschreckende Weise an Petersilie oder Kerbel – genau das hat in der Vergangenheit zu gefährlichen Verwechslungen geführt.

Ursprünglich stammt die Pflanze aus Europa, Nordafrika und Westasien. Heute findet man sie auch in vielen anderen Regionen – meist unbeachtet, doch nicht ungefährlich.

Warum ist sie so gefährlich?

Der Schierling enthält starke Alkaloide, allen voran Coniin und γ-Conicein. Diese Stoffe greifen das zentrale Nervensystem an und können schon in kleinsten Mengen zu schwerwiegenden Vergiftungen führen. Erste Symptome wie Schwindel, Kribbeln und Muskelschwäche treten oft innerhalb von 30 bis 60 Minuten auf. Ohne rasche medizinische Hilfe kann es zu Lähmungen und schließlich zu Atemstillstand kommen.

Ein Blick in die Geschichte

Der bekannteste Fall einer Schierling-Vergiftung ist der Tod des griechischen Philosophen Sokrates. Ihm wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. ein Trank aus Schierling als Hinrichtung verabreicht – ein „milder“ Tod, wie es damals hieß.

Im Mittelalter war die Pflanze vor allem gefürchtet. Zwar wurde sie in einigen medizinischen Handschriften erwähnt, doch nur äußerst selten verwendet – zu groß war das Risiko. In der Volksmagie dagegen galt sie als Pflanze des Saturns, oft mit düsteren Schutzritualen verbunden. Das zeigt, wie tief der Respekt (und die Angst) vor dieser Pflanze saß.

Was sagt die moderne Wissenschaft?

Heute wird der Gefleckte Schierling in der Pflanzenheilkunde nicht mehr genutzt. Er ist zu giftig, seine Risiken zu hoch. In der pharmazeutischen Forschung allerdings wird untersucht, ob sich bestimmte Wirkstoffe – in synthetisierter, kontrollierter Form – eventuell in der Krebstherapie einsetzen lassen könnten. Diese Studien finden jedoch ausschließlich unter strengsten Bedingungen statt.

Wichtiger Hinweis zur Verwechslungsgefahr

Ein besonders heikles Thema ist die Ähnlichkeit des Schierlings mit essbaren Wildkräutern. Gerade junge Pflanzen können leicht mit Petersilie, Wiesen-Kerbel oder Wiesen-Kümmel verwechselt werden. Das kann tragisch enden – deshalb gilt: Nur sammeln, was du absolut sicher erkennst. Im Zweifel lieber verzichten.

Fazit

Der Gefleckte Schierling ist für mich ein Beispiel für die Kraft – und die Grenzen – der Naturheilkunde. Er zeigt, wie wichtig Wissen, Erfahrung und Vorsicht im Umgang mit Wildpflanzen sind.

Seine Geschichte erinnert uns daran, dass nicht jede Pflanze, die unscheinbar am Wegesrand wächst, harmlos ist. Und dass Heilung immer auch mit Verantwortung beginnt.

Myrrhe, das heilige Harz


Ein Schatz aus der Wüste, getragen durch die Jahrhunderte

Myrrhe ist mehr als nur ein duftendes Harz. Für mich ist sie wie ein altes, stilles Geheimnis der Erde – ein Geschenk, das uns Menschen seit Jahrtausenden begleitet. Bereits in der Antike galt sie als kostbar, wurde in Tempeln geopfert, in Salbungen verwendet und als Medizin verehrt. Und im Mittelalter, hinter den dicken Mauern der Klöster, fand sie ihren festen Platz in der Heilkunde der Mönche und Nonnen.

Was genau ist Myrrhe?

Myrrhe stammt von den Bäumen der Gattung Commiphora, die vor allem in trockenen Regionen wie Somalia oder dem Jemen wachsen. Wenn man die Rinde vorsichtig einritzt, tritt ein dicker, milchiger Saft aus, der an der Luft zu einem goldbraunen, manchmal rötlichen Harz erstarrt. Der Duft ist würzig, balsamisch, fast mystisch – wie ein Hauch von Wüste, Geschichte und heiliger Stille.

Wie wirkte Myrrhe – und warum?

Die Menschen damals wussten nicht, was ein „antibakteriell“ oder „antimykotisch“ bedeutet – aber sie beobachteten genau. Wenn sie das Harz auf entzündete Wunden auftrugen, heilten diese schneller. Bei Mundgeschwüren wirkte eine Spülung mit Myrrhetinktur beruhigend und schmerzlindernd. Bei Pilzinfektionen zeigte sich, dass sie das Wachstum hemmte. Und wer in ihrer Nähe räucherte, fühlte sich oft ruhiger, gesammelt, fast wie gereinigt.

Die heilenden Eigenschaften der Myrrhe entfalteten sich auf vielen Ebenen – äußerlich auf Haut und Schleimhäuten, innerlich auf den Verdauungstrakt, und geistig durch ihre aromatische Tiefe.

Myrrhe im Mittelalter

In der Welt der Klostermedizin war Myrrhe ein fester Bestandteil der Heilmittel. Mönche wie Hildegard von Bingen schätzten ihre Wirkung gegen Entzündungen und Hautkrankheiten.

Sie stellten Tinkturen her, mit denen man entzündetes Zahnfleisch oder Aphthen behandeln konnte.
Salben mit Myrrhe wurden bei Ekzemen, Hämorrhoiden oder Pilzerkrankungen wie Nagelpilz verwendet.
Auch als Räucherwerk hatte sie ihren Platz – sie reinigte nicht nur Räume, sondern auch die Gedanken.

Für viele war sie nicht nur ein Heilmittel, sondern auch ein spiritueller Schutz.

Und heute?

Auch heute noch ist Myrrhe ein wertvoller Bestandteil der Naturheilkunde. In Reformhäusern und Apotheken findet man sie in verschiedenen Formen:

  • Als ätherisches Öl für die Duftlampe oder zur Hautpflege

  • Als Tinktur zur Mundspülung oder äußerlichen Anwendung

  • Als Bestandteil von Salben bei Hautproblemen

  • In Kapselform zur Unterstützung bei Darmentzündungen

Ein paar Hinweise zur Anwendung

Wichtig ist: Ätherisches Myrrheöl sollte nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden.
In der Schwangerschaft sollte man auf Myrrhe verzichten oder sie nur nach Rücksprache mit einem Arzt verwenden.
Auch bei innerlicher Anwendung ist Vorsicht geboten – hier empfiehlt sich immer eine fachliche Beratung.

Fazit

Myrrhe ist für mich wie ein leiser Begleiter durch die Zeiten. Ein Geschenk der Erde, das uns daran erinnert, wie viel Weisheit in der Natur liegt. Ob im Kloster des Mittelalters oder im modernen Alltag – sie heilt, beruhigt und verbindet uns mit einer tieferen Ebene des Seins.

Mittelalterliche Hildegard-Tinktur und Pilzpulver gegen Nagelpilz

Pear-Tree Mushroom


Im Mittelalter galt Nagelpilz (Onychomykose) als hartnäckiges Leiden. Hildegard von Bingen beschrieb einen ungewöhnlichen, aber wirkungsvollen Klostertrank: eine Kombination aus Birkenrinden-Tinktur und einem Pilz, der auf Birnenbäumen wuchs („Pear-Tree Mushroom“). In diesem Artikel stellen wir dir das originale Rezept vor und erläutern die Zubereitung und Anwendung beider Heilmittel.

Zutaten und ihre Wirkung

  1. Birkenrinde (Betula pendula)

    • Wirkstoffe: Betulin, Betulinsäure – wirken entzündungshemmend und pilzhemmend.

    • Mittelalterlicher Gebrauch: Sammeln junger Rindenstücke im Frühling.

  2. Ox-Galle (Bovis fel)

    • Traditionelle Rolle: Förderte die Durchfeuchtung der Pilzzubereitung und half, die Wirkstoffe zu aktivieren.

  3. „Pear-Tree Mushroom”

    • Ein holzbewohnender Pilz, der an abgestorbenen Birnenbaumzweigen wuchs.

    • Anwendung: Trocknen und zerkleinern zu Pulver; in Ox-Galle getränkt, zur lokalen Nagelbehandlung.

Birkenrinden-Tinktur

Zutaten

  • 50 g getrocknete Birkenrinde (klein geschnitten)

  • 250 ml Weingeist (mind. 60 % Alkohol)

Zubereitung

  1. Die Rindenstücke in ein Glasgefäß geben.

  2. Mit Weingeist bedecken und verschließen.

  3. 4–6 Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen, täglich leicht schütteln.

  4. Durch ein feines Sieb oder Tuch abseihen und in einer dunklen Flasche aufbewahren.

Anwendung

  • Täglich 2 × mit einem Wattestäbchen sparsam auf die gereinigte Nageloberfläche auftragen.

  • Auch als Fußbad (30 ml Tinktur auf 1 l warmes Wasser) für 15 Minuten geeignet.

Hildegards Pilz-„Elixier”

Zutaten

  • Ein Pilzstück („Pear-Tree Mushroom”) so breit wie der betroffene Nagel

  • 1 TL Ox-Galle

Zubereitung & Anwendung

  1. Pilzstück in Ox-Galle einweichen, bis es gut durchfeuchtet ist.

  2. Auf den gereinigten Nagel auflegen und mit einem Pflaster fixieren.

  3. Nach 24 Stunden abnehmen, Pilz erneut in Galle tauchen und nochmals auflegen.

  4. Wiederhole den Vorgang 2–3 Tage hintereinander.

Historischer Hintergrund

Hildegard von Bingen (1098–1179) erfasste in ihren Schriften das Wissen um Kräuter und Pilze. Sie empfahl speziell die Kombination aus galleraktiviertem Pilz und Birkenrinde gegen hartnäckige Pilzinfektionen. Klöster wurden so zu wichtigen Zentren der Kräuterheilkunde und legten Grundsteine für die spätere Phytotherapie.

Fazit

Die mittelalterlichen Klostermediziner kannten erstaunlich wirkungsvolle Rezepte gegen Nagelpilz. Mit der Birkenrinden-Tinktur und dem Pear-Tree Mushroom-Pulver kannst du heute noch auf diese jahrhundertealte Tradition zurückgreifen. Probiere die Tinktur als Fußbad und die Pilz-Anwendung direkt auf dem Nagel – und erlebe die Kraft der Klostergärten!


Zubereitung von Robinienblüten – Tee und Klostergebäck

 


Die duftenden Blüten der Robinie (Robinia pseudoacacia) bergen eine stille Kraft in sich – heilend und nährend zugleich. In der klösterlichen Pflanzenheilkunde wurden sie nicht nur medizinisch verwendet, sondern auch als milde Speise zur seelischen Erbauung. Nachfolgend findest du zwei bewährte Arten, diese Blüten in deinen Alltag zu integrieren.


1. Robinienblütentee gegen Reizhusten und innere Unruhe

Dieser Tee war besonders in den Benediktinerinnenklöstern verbreitet und wurde bei trockenem Husten, nervösem Magen und Schlafstörungen empfohlen. Er wirkt reizlindernd, beruhigend und leicht krampflösend.

Zutaten:

  • 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Robinienblüten

  • 250 ml heißes (nicht kochendes) Wasser

Zubereitung:

  1. Die getrockneten Blüten in eine Tasse geben.

  2. Mit heißem Wasser übergießen und 8–10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.

  3. Abseihen und schluckweise trinken – am besten am Abend.

Optional kann der Tee mit einem Löffel Lindenhonig verfeinert werden. Bei Reizhusten empfiehlt es sich, 2–3 Tassen täglich zu trinken, über maximal 7 Tage.


2. Frittierte Robinienblüten – Frühlingsgebäck aus der Klosterküche

Diese besondere Speise wurde traditionell im Mai zur Feier der ersten Ernten serviert. In alten Klosterküchen galten solche Gerichte als Ausdruck von Dankbarkeit und göttlicher Fülle.

Zutaten:

  • Frisch gepflückte, ungewaschene Robinienblüten (nur die offenen, intakten Dolden)

  • 100 g Mehl

  • 1 Ei

  • 150 ml Milch oder Wasser

  • 1 Prise Salz

  • Butterschmalz oder Öl zum Ausbacken

  • Puderzucker oder Honig zum Bestreuen

Zubereitung:

  1. Mehl, Ei, Milch und Salz zu einem glatten Teig verrühren.

  2. Die Blütendolden durch den Teig ziehen, bis sie vollständig umhüllt sind.

  3. In heißem Fett goldgelb ausbacken, dann auf Küchenpapier abtropfen lassen.

  4. Mit Puderzucker bestäuben oder mit etwas warmem Honig beträufeln.

Diese Blütenküchlein werden am besten frisch serviert – als süßer Abschluss eines einfachen Mahls oder als besondere Gabe zum Nachmittagstee.


Hinweis zur Sicherheit

Die Blätter, Rinde und Samen der Robinie sind giftig. Nur die frischen oder getrockneten Blüten dürfen verwendet werden, und auch diese sollten nicht über längere Zeit oder in großen Mengen konsumiert werden. Schwangere, Stillende und kleine Kinder sollten vorher Rücksprache mit einer Fachperson halten.


„Das einfache Brot des Tages wird durch die Blüte veredelt, wenn sie mit Achtsamkeit gereicht wird.“
– Aus der Hausordnung eines Augustinerinnenklosters, 16. Jh.

Der Duft des Salbaumes – Heilkraft und Geschichte der Robinie

Wenn der Salbaum, den man botanisch Robinia pseudoacacia nennt, im späten Frühjahr seine weißen Blütentrauben zeigt, liegt ein ganz besonderer Duft in der Luft – süß und sanft. Diese Pflanze, die wir oft „falsche Akazie“ nennen, ist für mich viel mehr als nur ein hübsches Frühlingszeichen. In der Klostermedizin wurde sie schon vor Jahrhunderten für ihre sanfte, aber erstaunlich wirksame Heilwirkung geschätzt.


Woher kommt die Robinie und was bedeutete sie den Mönchen?

Die Robinie stammt eigentlich aus Nordamerika, doch schon im 18. Jahrhundert brachten sie Mönche in ihre Gärten hier bei uns in Europa. Besonders in Süddeutschland, Ungarn und Österreich hat man sie angepflanzt – nicht nur wegen der Schönheit, sondern vor allem wegen ihrer Heilkräfte. In den alten Klosterschriften liest man, dass die Robinie für Demut, Reinheit und Sanftmut steht. Ihre hängenden weißen Blüten waren für die Mönche ein Bild für Rückzug und innere Einkehr.


Wie haben die Klöster die Blüten genutzt?

Früh morgens bei trockenem Wetter wurden die Blüten gesammelt und vorsichtig getrocknet. Sie kamen vor allem bei diesen Beschwerden zum Einsatz:

  • Reizhusten und Heiserkeit: Die ätherischen Öle in den Blüten wirken sanft schleimlösend und lindern den Husten. Ein Aufguss war besonders wohltuend, wenn der Hals trocken und gereizt war.

  • Nervöse Unruhe und Schlafprobleme: Der Duft der Blüten wirkt beruhigend, ohne müde zu machen – gerade wenn die Gedanken nicht zur Ruhe kommen wollten, half ein Tee aus Robinienblüten.

  • Magenbeschwerden: Bei nervöser Übersäuerung und leichten Krämpfen wurde die Robinie oft mit Kamille oder Melisse kombiniert – so half sie, den Magen zu entspannen.

  • Herzstärkung: In der Volksmedizin galt sie auch als wohltuend für das Herz, besonders bei älteren Menschen, die nervös waren.


Alte Rezepte und Rituale

In einem alten Rezept aus einem Benediktinerkloster habe ich gelesen, dass man aus Robinienblüten, Honig und Zitronenschale einen Sirup herstellte, der bei Frühjahrshusten half. Die getrockneten Blüten wurden auch als Räucherwerk genutzt, um die Luft zu reinigen und trübe Gedanken zu vertreiben.


Warum ich die Robinie so besonders finde

Heute kennt kaum noch jemand die Heilwirkung dieser Pflanze, obwohl sie fast überall wächst – am Wegesrand, in Gärten oder Parks. Für mich ist das ein wunderbarer Schatz, der zeigt, wie viel Wissen unsere Vorfahren hatten. Sie wussten, dass sanfte Pflanzen Zeit brauchen, aber dafür umso tiefer wirken.


Im nächsten Beitrag möchte ich dir zwei alte Anwendungen vorstellen: ein Rezept für einen klösterlichen Blütentee gegen Husten und ein traditionelles Rezept für süße Blütenküchlein, wie sie früher in Klöstern im Frühling serviert wurden.


         „Der Mensch braucht nicht nur Brot, sondern auch die Düfte und Bitterkeiten der Natur.“
         – aus einer Schrift des Klosters Melk, 17. Jahrhundert

 


Pflanzliche Auszüge richtig herstellen – Praktisches Rezeptblatt

 

Apotheke des Mittelalters

1. Alkoholauszug (Tinktur)

✔️ Für innerliche (mit Vorsicht!) oder äußerliche Anwendung; stark, wirksam, lange haltbar.

Zutaten:

  • Getrocknete oder frische Pflanze (zerkleinert)

  • Alkohol mit 40–70 % (z. B. Korn, Doppelkorn, Weingeist)

  • Schraubglas, braune Tropfflasche zur Aufbewahrung

Zubereitung:

  1. Pflanzenteile in ein Glas geben.

  2. Mit Alkohol bedecken:
     • Frische Pflanze: 1 Teil Pflanze : 2 Teile Alkohol
     • Getrocknete Pflanze: 1 Teil Pflanze : 5 Teile Alkohol

  3. 2–6 Wochen an einem dunklen, kühlen Ort ziehen lassen.

  4. Täglich schütteln.

  5. Abseihen, in braune Flasche füllen.

  6. Beschriften mit Pflanzenname und Datum.
    ✅ Haltbarkeit: bis zu 2 Jahre

2. Ölauszug (Ölmazerat)

✔️ Für Hautpflege, Massagen, Salben oder lokale Behandlungen.

Zutaten:

  • Getrocknete Pflanze (nicht frisch!)

  • Pflanzliches Öl (z. B. Oliven-, Sonnenblumen- oder Mandelöl)

  • Glas mit Deckel

Zubereitung:

  1. Glas zu 2/3 mit Pflanze füllen.

  2. Komplett mit Öl bedecken.

  3. 3–6 Wochen an einem warmen Ort (nicht direkte Sonne) ziehen lassen.

  4. Abseihen, in dunkle Flasche füllen.
    ✅ Haltbarkeit: 6–12 Monate

 3. Glyzerinauszug

✔️ Mild und sanft – geeignet für empfindliche Haut, Kinder und kosmetische Zwecke.

Zutaten:

  • Getrocknete Pflanze

  • Glycerin (pflanzlich) + Wasser (Verhältnis 3:1)

  • Glas mit Deckel

Zubereitung:

  1. Pflanze zerkleinern und in ein Glas geben.

  2. Mit Glycerin-Wasser-Mischung bedecken.

  3. 3–4 Wochen dunkel und kühl stehen lassen.

  4. Täglich leicht schütteln.

  5. Abseihen, in dunkle Tropfflasche füllen.
    ✅ Haltbarkeit: ca. 1 Jahr

 Hinweise:

  • Alle Auszüge kühl und lichtgeschützt lagern.

  • Immer mit Pflanzenname, Auszugsart und Datum beschriften.

  • Anwendung und Dosierung richten sich nach der jeweiligen Pflanze.

Diese einfachen, traditionellen Methoden wurden über Jahrhunderte hinweg verwendet – bewahre sie, teile sie weiter und nutze sie mit Respekt vor der Heilkraft der Natur.

Die Alraune in der Klostermedizin

Kaum eine andere Pflanze hat die Vorstellungskraft der Menschen so sehr beflügelt wie die Alraune (Mandragora officinarum). Ihre Wurzel, die angeblich die Gestalt eines Menschen trägt, inspirierte Mönche, Heiler, Alchemisten und Hexen gleichermaßen. Zwischen heiliger Klostermedizin und dunklem Aberglauben nimmt sie einen besonderen Platz im Kräuterwissen des Mittelalters ein.

Die Gestalt der Alraune – Menschlich und unheimlich

Die Alraunenwurzel wird oft als menschenähnlich beschrieben – mit angedeuteten Armen und Beinen. Diese Form verstärkte den Glauben, dass es sich um eine lebendige, beseelte Pflanze handelt. In der Volksüberlieferung hieß es, dass sie beim Ausgraben einen markerschütternden Schrei von sich gibt, der den Menschen töten könne. Deshalb wurde sie mit Ritualen, Zaubersprüchen oder mithilfe eines Hundes aus der Erde geholt.

Die Alraune in der Klostermedizin

In den medizinischen Schriften der Klöster des Mittelalters wird die Alraune vorsichtig als Narkotikum, Schmerzmittel und Schlafhilfe erwähnt. Ihre stark wirkenden Inhaltsstoffe – insbesondere Scopolamin und Hyoscyamin – beeinflussen das zentrale Nervensystem. Sie wurde in geringen Mengen bei Operationen, zur Beruhigung oder als Bestandteil von Betäubungstränken verwendet.

Die berühmte Äbtissin Hildegard von Bingen erwähnte zwar nicht direkt die Alraune, doch ähnliche Nachtschattengewächse mit psychoaktiven Wirkungen fanden Eingang in ihre Heilpraktiken.

Mythische Bedeutung und magischer Gebrauch

In der Magie galt die Alraune als äußerst kraftvoll. Sie wurde getragen als Schutzamulett gegen böse Geister, als Liebeszauber oder zur Förderung der Fruchtbarkeit. Oft wurden Alraunenwurzeln in feine Tücher gewickelt, in kleine Särge gelegt und täglich mit Milch oder Wein "gefüttert", um ihre Kräfte zu aktivieren.

In Hexenprozessen wurde der Besitz einer Alraune oft als Beweis für „Zauberei“ ausgelegt – ihre Verbindung zur Welt der Hexen machte sie zur gefürchteten wie verehrten Pflanze.

Gefahr und Verantwortung

Vorsicht: Die Alraune ist hochgiftig. Schon kleine Mengen können Halluzinationen, Atemnot oder Bewusstlosigkeit verursachen. Ihre medizinische Anwendung ist in der heutigen Zeit nahezu vollständig verboten – sie gehört in die Hände von Experten und nicht in die Hausapotheke.

Fazit

Die Alraune ist mehr als eine Pflanze – sie ist Symbol für die geheimnisvolle Verbindung von Mensch und Natur. Zwischen Klosterwissen, Volksmagie und Legende bleibt sie bis heute eine der faszinierendsten Vertreterinnen der mittelalterlichen Kräuterkunde.


Bilsenkraut – Die dunkle Heilpflanze der Hexen und Heiler

 

Bilsenkraut (lat. Hyoscyamus niger)

Wissenschaftlicher Name: Hyoscyamus niger

Volksnamen: Tollkraut, Hexenkraut, Schwarzes Bilsenkraut

Das Bilsenkraut ist eine der mysteriösesten und am meisten gefürchteten Heilpflanzen des Mittelalters. Seine stark halluzinogenen und krampflösenden Eigenschaften machten es sowohl zum Werkzeug von Heilern als auch zur Pflanze der Hexen. Es ist ein typisches Beispiel dafür, wie Heilung und Gefahr oft dicht beieinander liegen.

Erkennungsmerkmale

  • Wuchshöhe: 30–100 cm
  • Blätter: groß, behaart, klebrig, stark riechend
  • Blüten: gelblich mit dunklen Adern, trichterförmig, erscheinen von Mai bis September
  • Standort: nährstoffreiche Böden, häufig an Wegrändern, Ruinen, Schuttplätzen

Wirkstoffe und medizinische Nutzung

Die Pflanze enthält hochwirksame Alkaloide, insbesondere Hyoscyamin, Scopolamin und Atropin. Diese beeinflussen das zentrale Nervensystem stark und wirken:

  • krampflösend (spasmolytisch)
  • schmerzstillend
  • beruhigend
  • halluzinogen

Traditionelle Anwendungen (historisch!)

Im Mittelalter wurde Bilsenkraut äußerlich gegen Zahnschmerzen verwendet – z. B. durch das Kauen von Bilsensamen oder das Auflegen von Blättern. Es fand außerdem Verwendung bei:

  • Epilepsie
  • Asthma (Rauch aus getrocknetem Bilsenkraut wurde inhaliert)
  • Operationsvorbereitung (als Betäubungsmittel in der Klostermedizin)

Spirituelle und magische Bedeutung

Bilsenkraut war fester Bestandteil der sogenannten „Hexensalben“, die angeblich Flüge auf dem Besen ermöglichten. Die halluzinogene Wirkung spielte eine Rolle bei Trancezuständen und Visionsarbeit. In Klöstern wurde die Pflanze jedoch mit großer Vorsicht behandelt und nur unter strengen Regeln eingesetzt.

Warnhinweis – Hochgiftig!

Alle Teile der Pflanze sind stark giftig. Bereits kleine Mengen können zu schweren Vergiftungen führen: trockener Mund, Sehstörungen, Delirium, Herzrasen bis hin zum Tod. Der Gebrauch in der modernen Pflanzenheilkunde ist daher obsolet und nur durch speziell ausgebildete Fachpersonen in homöopathischer Dosierung denkbar.

Bilsenkraut in der Klostermedizin

Hildegard von Bingen erwähnte das Bilsenkraut nur indirekt und mit großer Vorsicht. In den Klostergärten wurde es entweder gemieden oder als kontrolliertes Betäubungsmittel eingesetzt. Auch im „Herbarium Apuleii“ und bei Dioskurides wird das Kraut als „zweiseitig“ bezeichnet – heilend oder tödlich, je nach Anwendung.

Fazit

Das Bilsenkraut ist ein faszinierendes Beispiel für die Grenze zwischen Medizin und Gift. Seine Wirkung war im Mittelalter sowohl gefürchtet als auch geschätzt – ein „Hexenkraut“, das mit großem Wissen und Verantwortungsgefühl eingesetzt wurde. Heute dient es uns vor allem als Erinnerung an das alte Wissen der Heilpflanzen und ihre ambivalente Kraft.

Hinweis: Dieser Artikel dient nur zur historischen und botanischen Information. Bilsenkraut darf auf keinen Fall in Eigenanwendung verwendet werden.

Silphion – Das verlorene Heilmittel der Antike

Silphion, auch bekannt als Laserpitium, war eine hochgeschätzte Heilpflanze der Antike. Dioskurides beschreibt sie in seinem Werk De Materia Medica als eines der vielseitigsten natürlichen Heilmittel seiner Zeit. Heute gilt sie als ausgestorben, doch ihre Geschichte lebt in der medizinischen Literatur weiter.

 Dioskurides über Silphion

„Silphion ist warm und trocken. Sein Saft, das sogenannte Laser, ist besonders nützlich. Eingenommen mit Wein hilft er bei Magen- und Darmbeschwerden, Koliken und Blähungen. Er lindert chronischen Husten, unterstützt die Menstruation und heilt Gebärmutterleiden. Auch gegen Bisse giftiger Tiere ist er wirksam. Die Blätter können äußerlich auf Geschwüre und Wunden gelegt werden.”
Pedanios Dioskurides, De Materia Medica

 Heilwirkungen

  • Krampflösend: Lindert Magen- und Darmkoliken
  • Auswurffördernd: Bei Husten und Lungenerkrankungen
  • Menstruationsfördernd: Unterstützt die Monatsblutung
  • Entgiftend: Bei Vergiftungen und Tierbissen
  • Wundheilend: Für äußere Verletzungen und Entzündungen

 Historische Bedeutung

Silphion war so wertvoll, dass es auf Münzen aus Kyrene abgebildet wurde. Die letzte bekannte Pflanze soll dem römischen Kaiser Nero als Geschenk überreicht worden sein. Danach verschwand Silphion spurlos – möglicherweise durch Überernte.

Botanische Spurensuche

Bis heute gibt es keine eindeutige Identifikation der Pflanze. Einige Botaniker vermuten, dass es sich um eine Verwandte der Gattung Ferula handeln könnte, insbesondere um Ferula tingitana, ein Doldenblütler, ähnlich dem wilden Fenchel.

 Fazit

Silphion bleibt ein Mysterium – ein Symbol für das verloren gegangene Wissen antiker Heilkunst. Seine Erwähnung durch Dioskurides zeigt, wie tiefgreifend die Beobachtungen antiker Heiler waren. Auch wenn die Pflanze selbst nicht mehr existiert, inspiriert ihre Geschichte moderne Kräuterkundige und Historiker gleichermaßen.


Heilpflanzen für einen gesunden Magen – Natürliche Hilfe aus Klostertradition und moderner Pflanzenkunde

 

Schafgarbe (Achillea millefolium)

Der Magen – Sitz unserer Intuition und oft auch Spiegel unseres inneren Gleichgewichts. Viele Menschen leiden heute unter Magenbeschwerden: Stress, ungesunde Ernährung oder einfach eine sensible Verdauung können Auslöser sein.

Doch schon im Mittelalter wussten Mönche und Kräuterkundige um die Kraft der Heilpflanzen. Sie kombinierten Wissen, Erfahrung und Beobachtung, um aus Kräutern wahre Wohltäter für den Magen zu gewinnen. Heute kehren wir zu diesen natürlichen Helfern zurück – und verbinden das alte Wissen mit modernen Erkenntnissen der Pflanzenheilkunde.

Hier stelle ich dir eine Auswahl an bewährten Heilpflanzen vor, die deinen Magen auf natürliche Weise stärken, beruhigen und schützen können.

Kamille (Matricaria chamomilla)

Die Kamille gilt als Königin der Magenkräuter. Ihre entzündungshemmenden und beruhigenden Eigenschaften machen sie zum Klassiker bei Magenkrämpfen, Völlegefühl und leichter Gastritis.

💡 Besonders wirksam als Tee, heiß aufgebrüht und schluckweise getrunken.

„Hier findest du [Kamillentee von Sonnentor] – 100 % Bio & klösterlich inspiriert.“

Melisse (Melissa officinalis)

Auch bekannt als „Herzkraut der Mönche“, wirkt Melisse entspannend und ausgleichend. Bei nervösen Magenbeschwerden – etwa vor Prüfungen oder bei emotionalem Stress – hilft sie sanft und zuverlässig.

💡 Ideal als Tee oder in Mischung mit Lavendel bei Magen-Unruhe.

„Entdecke [Melissenblätter bei Herbathek] – sanft zur Seele und zum Magen.“

Pfefferminze (Mentha × piperita)

Pfefferminze ist krampflösend, kühlend und besonders hilfreich bei Übelkeit, Völlegefühl oder Reizmagen.

💡 Achtung bei Magengeschwüren – hier besser auf Kamille oder Leinsamen zurückgreifen.

„Minzig frisch: [Pfefferminztee von Sonnentor]“

Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra)

Sie schützt die Magenschleimhaut und unterstützt die Heilung bei Reizungen. In der Klosterheilkunde wurde sie als natürliches „Schutzschild“ des Magens verehrt.

💡 In Maßen verwenden, da sie den Blutdruck beeinflussen kann.

„Süßholzraspeln – im besten Sinn: [Süßholzwurzel geschnitten bei Herbathek]“

Schafgarbe (Achillea millefolium)

Ein uraltes Frauenkraut, das auch bei Magenproblemen wunderbare Dienste leistet. Sie wirkt verdauungsfördernd, entzündungshemmend und entblähend.

💡 Besonders hilfreich bei Völlegefühl und Verdauungsschwäche.

„Entdecke die Kraft der Schafgarbe – wie bei den Benediktinern.“

Leinsamen (Linum usitatissimum)

Die Schleimstoffe der Leinsamen legen sich wie ein beruhigender Film auf die Magenschleimhaut. Sie lindern Reizungen und fördern eine gesunde Verdauung.

💡 Am besten frisch geschrotet und mit Wasser oder Joghurt eingenommen.

„Schutz von innen: Bio-Leinsamen für deinen Magen.“

Engelwurz (Angelica archangelica)

Eine kraftvolle, alte Klosterpflanze. Sie stärkt den gesamten Verdauungstrakt, vertreibt Blähungen und regt die Magensäfte an. Engelwurz galt im Mittelalter als heilige Pflanze gegen „Verdauungsdämonen“.

💡 In Teemischungen oder als Tinktur erhältlich.

„Engelwurz – die heilende Kraft aus den Alpenklöstern.“

Fazit

Heilpflanzen für den Magen sind mehr als alte Hausmittel – sie verbinden uns mit einem tiefen Wissen, das über Jahrhunderte gepflegt wurde. Ob als Tee, Tinktur oder Gewürz – jede Pflanze erzählt ihre eigene Geschichte und bringt eine besondere Wirkung mit sich.

Indem wir sie bewusst nutzen, schenken wir unserem Magen nicht nur Linderung, sondern auch Aufmerksamkeit und Fürsorge. Vielleicht ist das der wahre Anfang von Heilung – innen wie außen.

Das Lorscher Arzneibuch – Ein Schatz frühmittelalterlicher Klostermedizin


Im Schatten der mächtigen Mauern des Klosters Lorsch, einem Zentrum des geistigen Lebens im 8. Jahrhundert, entstand ein Werk, das bis heute als eines der ältesten medizinischen Bücher Europas gilt: das Lorscher Arzneibuch. Es ist nicht nur ein medizinisches Dokument, sondern ein lebendiges Zeugnis der Verbindung zwischen Naturheilkunde, klösterlicher Lebensweise und frühmittelalterlichem Heilwissen.

Heilpflanzen und göttliches Wirken

Das Lorscher Arzneibuch vereint antikes Wissen mit christlicher Spiritualität. Die Benediktinermönche sahen die Natur als göttliche Schöpfung – jede Pflanze, jede Wurzel war ein Geschenk Gottes zur Linderung menschlichen Leids. Dieses Denken durchdringt das gesamte Werk, das Heilpflanzen wie Fenchel, Salbei und Wermut ebenso beschreibt wie Anwendungen von Mineralien und Tierprodukten.

Inhalt und Aufbau

Das Buch enthält über 500 Heilmittelrezepte – teils aus römisch-griechischer Überlieferung, teils auf Beobachtungen der Mönche selbst beruhend. Es beschreibt Zubereitungen, Dosierungen und spirituelle Empfehlungen zur Anwendung. Besonders bemerkenswert ist die enge Verflechtung von medizinischem Wissen und Gebet, was zeigt, dass Heilung im Mittelalter sowohl körperlich als auch seelisch verstanden wurde.

Bedeutung für die Medizin- und Kulturgeschichte

Das Lorscher Arzneibuch wurde 2013 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen – ein Zeichen für seinen unschätzbaren Wert. Es ist ein Beweis dafür, wie früh Klöster als Bewahrer und Entwickler von Wissen wirkten, Jahrhunderte vor der Gründung moderner Universitäten.

„Was du isst, kann heilen – was du weißt, kann retten.”
– Aus der Denkweise klösterlicher Heilkunde

Fazit

Das Lorscher Arzneibuch zeigt uns, dass Heilung mehr ist als Wissenschaft – sie ist ein Zusammenspiel von Natur, Glaube und Beobachtung. Wer sich für Heilpflanzen interessiert, sollte dieses Werk als Wurzel unserer heutigen Phytotherapie kennen und würdigen.


Die Pflanze hinter dem Bier, die unsere Nerven versteht

Humulus Lupulus Ich bin keine Biertrinkerin. Das war ich nie, aber wenn es draußen sehr heiß ist, trinke ich gern ein kleines Bier auf ex. ....