Eine Pflanze mit Wurzeln in der Antike
Bereits die alten Griechen kannten sie unter dem Namen Abrotonon. Die Römer verwendeten sie bei Reinigungsritualen und als Mittel gegen Melancholie. Im Mittelalter wurde sie Teil der klösterlichen Heilkunde. Hildegard von Bingen empfahl sie zur Stärkung des Körpers und zur Reinigung des Geistes. In vielen Kräuterbüchern jener Zeit wird sie als Pflanze beschrieben, die sowohl auf den Körper als auch auf die Seele wirkt.
Symbolik der Eberraute
- Sie galt als Schutzpflanze gegen böse Geister, schlechte Träume und seelische Unruhe.
- In ihrer bitteren Note sah man ein Symbol für Selbstdisziplin und Mäßigung.
- Ihre Klarheit und Stärke standen für geistige Entschlossenheit, besonders im männlichen Prinzip.
- Als Sommerpflanze symbolisierte sie Reife, Vollendung und das innere Erblühen.
Anwendung in der Klostermedizin
Getrocknete Eberraute wurde in kleinen Säckchen mitgeführt, um negative Einflüsse fernzuhalten. Ihr Duft wurde genutzt, um Räume zu reinigen – sowohl physisch als auch energetisch. Die Pflanze fand Anwendung bei Verdauungsproblemen, zur Stärkung des Immunsystems und zur Beruhigung des Gemüts.
Eine fast vergessene Begleiterin
Heute findet man die Eberraute nur noch selten in Gärten. Doch in jedem ihrer feinen, gefiederten Blätter lebt ein Stück vergangener Zeit. Wer sie wiederentdeckt, findet nicht nur ein Heilkraut, sondern einen stillen Begleiter – eine Gnade des alten Sommers.
Quellen
- Hildegard von Bingen: Physica
- Dioskurides: De Materia Medica
- Hieronymus Bock: Kreutterbuch (1539)
- Online-Datenbank der Universität Würzburg: https://www.uni-wuerzburg.de/zentrale-einrichtungen/botanischer-garten
- Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen (Kosmos Verlag)
