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Augentrost (Euphrasia officinalis) – Klosterwissen für Augen, Wahrnehmung und innere Klarheit

Euphrasia officinalis


Der Augentrost (Euphrasia officinalis) trägt in seinem Namen ein Versprechen, das Jahrtausende alt ist. Seine Bezeichnung wird mit Euphrosyne in Verbindung gebracht, einer der drei Chariten der griechischen Mythologie – Sinnbild für Freude, Klarheit und seelisches Wohlbefinden. Man schrieb ihr die Fähigkeit zu, den Blick zu öffnen, nicht nur für das Auge, sondern auch für den Geist. So wurde der Augentrost zu einer Pflanze, die Klarheit schenkt – körperlich wie seelisch.

Seine zarten Blüten mit ihrer feinen Zeichnung erinnern an Augen, umrahmt von Wimpern. Diese Ähnlichkeit blieb in der Antike und im Mittelalter nicht unbeachtet und wurde im Sinne der Signaturenlehre gedeutet: Gott habe jeder Pflanze ein Zeichen ihres Wirkens mitgegeben. Was dem Auge ähnelt, diene auch dem Auge.

Bereits in der Spätantike wurde der Augentrost bei „Schwäche des Sehens“ und bei Zuständen empfohlen, in denen der Blick trüb wurde – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. In mittelalterlichen Heilkundeschriften erscheint die Pflanze häufig als Mittel gegen Augenleiden, aber auch bei geistiger Erschöpfung, Melancholie und innerer Verwirrung. In den Klöstern galt sie als Kraut, das die „Sicht des Herzens“ klärt.

Im Mittelalter fand der Augentrost vor allem Anwendung bei Augenentzündungen wie Bindehautentzündungen sowie zur Linderung von Brennen, Jucken und Reizungen durch Rauch, Staub, Zugluft oder Pollen. Mönche und Kräuterkundige empfahlen ihn auch jenen, die lange bei schwachem Licht arbeiteten oder stundenlang Manuskripte kopierten – eine frühe Form der heutigen visuellen Überlastung.

Bemerkenswert ist, dass der Augentrost nicht nur als Augenheilmittel galt. In der Volksheilkunde wurde er auch als Umstimmungsmittel geschätzt – als Pflanze, die die innere Verfassung ausgleicht. Man setzte ihn bei Kindern und Erwachsenen ein, die empfindlich waren, sich leicht erkälteten und bereits bei geringster Zugluft mit tränenden Augen und allgemeiner Schwäche reagierten. In solchen Fällen betraf die Wirkung nicht nur die Augen, sondern den gesamten Organismus.

Der Augentrost wurde sowohl äußerlich, in Form von Umschlägen oder Augenwaschungen, als auch innerlich, als Tee, angewendet. In der klösterlichen Heilkunde galt der Tee als sanfte Unterstützung für den ganzen Menschen – besonders dann, wenn die Schwäche der Augen mit Erschöpfung, häufiger Erkältung oder erhöhter Reizempfindlichkeit verbunden war.

So bleibt der Augentrost bis heute eine Pflanze der Klarheit: für die Augen, für die Wahrnehmung und für die Fähigkeit, die Dinge so zu sehen, wie sie sind – mit klarem Blick und ruhigem Geist.

Gewöhnliches Hirtentäschel – Zartes Frauenkraut mit großer Geschichte

 

Gewöhnliches Hirtentäschel

Zart, unscheinbar – und doch so stark.
Wie könnte ich jemals diese winzigen, herzförmigen Blätter vergessen?

Sie erinnern mich an barfuß durch Wiesen laufen, an staubige Feldwege, an die Magie der Kindheit.
Und doch ist diese Pflanze nicht nur Poesie – sie ist auch Medizin.

Eine Pflanze mit Geschichte

Das Gewöhnliche Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) gehört zu den Wildkräutern, die leicht übersehen werden – dabei war sie über Jahrhunderte hinweg ein fester Bestandteil der traditionellen Heilkunde. Schon im 16. Jahrhundert erwähnte Paracelsus diese Pflanze in seinen Schriften.

Er glaubte an das, was man heute als Signaturenlehre bezeichnet: Dass die äußere Form einer Pflanze Hinweise auf ihre Wirkung im menschlichen Körper gibt. Die kleinen herzförmigen Blätter und die kapselartigen Samenstände des Hirtentäschels – wie winzige Säckchen – ließen ihn an den Uterus, an das Blut, an das Weibliche denken.

Kein Wunder also, dass das Hirtentäschel seitdem als blutstillendes Kraut eingesetzt wurde – bei starken Monatsblutungen, nach Geburten oder bei offenen Wunden.

Heilpflanze der Frauen

Besonders in der Volksmedizin wurde Hirtentäschel zur Stärkung des weiblichen Körpers eingesetzt – sanft, aber wirkungsvoll. Noch heute kennt man es in der Phytotherapie als Mittel zur Regulierung des Zyklus, zur Linderung bei Wechseljahresbeschwerden und zur Förderung der Durchblutung.

Auch in den alten Kräuterbüchern findet sich diese kleine Pflanze. So beschrieb bereits Dioscurides – der berühmte griechische Arzt des 1. Jahrhunderts – in seinem Werk De Materia Medica ein Kraut mit ähnlicher Wirkung, das sehr wahrscheinlich das Hirtentäschel gewesen sein könnte. Er empfahl es bei inneren Blutungen und zur Förderung der Wundheilung.

Im Mittelalter griff auch Hildegard von Bingen in ihrer Naturheilkunde auf ein Kraut zurück, das dem Hirtentäschel stark ähnelt. Obwohl sie es nicht namentlich wie wir heute bezeichnete, legte sie besonderen Wert auf Pflanzen, die „vom Weiblichen sprechen“ – und deren Form oder Wuchs auf ihre Kraft im Bereich der Frauenheilkunde hinweist.

Ich finde es faszinierend, dass eine so kleine, zarte Pflanze so viel Kraft in sich trägt. Und dass ihr „unscheinbares“ Dasein sie nicht weniger wertvoll macht – im Gegenteil.

Eine Kindheitserinnerung

Vielleicht ist es genau das, was mich heute so berührt hat.
Dass ich sie fast übersehen hätte.
Dass sie „nur“ eine Wiesenpflanze ist – und doch so viel Bedeutung trägt.
Dass ich als Kind neben ihr saß, ohne zu wissen, dass sie einmal in meine Arbeit als Pflanzenfrau, als Sammlerin alter Weisheiten, zurückkehren würde.


Und du? Gibt es eine Pflanze, die dich an deine Kindheit erinnert?
Schreib sie mir gern in die Kommentare – ich liebe es, eure Geschichten zu lesen.

Die Pflanze hinter dem Bier, die unsere Nerven versteht

Humulus Lupulus Ich bin keine Biertrinkerin. Das war ich nie, aber wenn es draußen sehr heiß ist, trinke ich gern ein kleines Bier auf ex. ....