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Schafgarbe – Die verborgene Heilpflanze der Mönche und ihr spirituelles Geheimnis

 

Achillea millefolium

Ich möchte euch heute eine Pflanze vorstellen, die für mich etwas ganz Besonderes ist.
Sie wächst leise und bescheiden am Wegesrand, an sonnigen Waldrändern und auf wilden Sommerwiesen. Man übersieht sie leicht – und doch war sie einst ein Schatz in den Händen klösterlicher Heiler. Die Rede ist von der Schafgarbe (Achillea millefolium) – einer Pflanze, die in sich Jahrhunderte von Heilwissen, Schutz und spiritueller Kraft trägt.

Schon Hildegard von Bingen lobte die Schafgarbe als Pflanze, die „das blut reinigt, das Herz klärt und der Seele Frieden bringt“. Und auch heute spüre ich diese stille, fast unsichtbare Kraft, wenn ich mit ihr arbeite.

Wie die Mönche Schafgarbe nutzten

In den mittelalterlichen Klostergärten war die Schafgarbe eine der wichtigsten Pflanzen für die Reinigung des Blutes, für die Frauenheilkunde und für die Behandlung von inneren Verletzungen – seelisch wie körperlich.
Sie wurde in Weine eingelegt, als Wundauflage genutzt, oder in Form von Tees zur Linderung von Bauchkrämpfen und Unruhezuständen getrunken.

Die Mönche sprachen oft ein stilles Gebet, wenn sie Heilpflanzen zubereiteten. Nicht aus Aberglaube, sondern weil sie wussten: Eine Pflanze heilt tiefer, wenn sie mit Bewusstsein, Dankbarkeit und Gebet eingenommen wird.

Ein Rezept nach Hildegard von Bingen

Schafgarben-Wein gegen Unruhe und Herzbeschwerden

Zutaten:

  • 1 Liter Weißwein

  • 1 Handvoll getrocknete Schafgarbenblüten

  • 1 Prise Muskatnuss

Zubereitung:
Die Schafgarbe zusammen mit einer Prise Muskatnuss in den Wein geben und 3 Tage an einem sonnigen Ort ziehen lassen. Anschließend abseihen und kühl lagern.

Anwendung:
1 kleines Gläschen vor dem Schlafengehen trinken – am besten in Stille und mit einem Moment der inneren Einkehr.


Ein altes Gebet, das beim Trinken gesprochen wurde:

„Heilige Schöpferkraft in jeder Pflanze,
durchströme mich mit deinem Licht.
Schafgarbe, du zarte Kriegerin des Lebens,
heile, was in mir verborgen blutet.
Stärke mein Herz und meine Grenzen –
im Namen des göttlichen Ursprungs.“


Schafgarbe ist nicht nur eine Pflanze der alten Zeit – sie ist aktueller denn je. In einer Welt voller Reize, Reizbarkeit und Unsicherheit brauchen wir die Qualität dieser Pflanze: Grenzen setzen, innere Verletzungen erkennen und sanft heilen.

Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, wo wir uns erinnern dürfen:
Nicht jede Heilung kommt aus der Apotheke.
Manche beginnt mit einem Kraut, einem Gebet – und einem Moment echter Achtsamkeit.

Weiterführende Inhalte & PDF-Heft
Wenn du tiefer in das klösterliche Pflanzenwissen eintauchen möchtest, findest du in meinem PDF-Heft „Heilpflanzen gegen Stress – Klosterwissen für Körper und Seele“ weitere Gebete, Anwendungen und Rituale:
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Johanniskraut im Mittelalter – Heilkraft & Klosterwissen

 

Johanniskraut

Wenn ich Johanniskraut im goldenen Licht des Sommers erblühen sehe, erkenne ich mehr als nur eine Heilpflanze – ich spüre den Hauch vergangener Zeiten, eine stille Verbindung zu altem Wissen.

Zu den Händen der heilkundigen Frauen, zu den stillen Gängen der Mönche, zu den uralten Gärten der Klöster.

1. Für die Wunden des Körpers
Im Mittelalter war Johanniskraut ein wertvoller Helfer bei äußeren Verletzungen.
Mönche sammelten die gelben Blüten am Johannistag, trockneten sie oder setzten sie in Öl an.
Dieses „Johanniskrautöl“ – tiefrot gefärbt durch das Hypericin – wurde auf Schnitte, Verbrennungen, Insektenstiche und Entzündungen aufgetragen.
Es wurde gesagt: „Es zieht den Schmerz heraus und bringt das Gewebe zur Ruhe.“

2. Für das Dunkel der Seele
Wenn Menschen im Dorf unter tiefer Traurigkeit oder Angst litten, wandten sie sich oft an Klöster oder weise Frauen.
Johanniskraut galt als Pflanze des Lichts – sie brachte Sonne ins Herz.
Getrocknete Blüten wurden zu Tee oder Tinkturen verarbeitet, um das Gemüt zu stärken, die Lebensfreude zurückzubringen und den Schlaf zu fördern.

3. Für den Schutz vor dem Bösen
In der Johannisnacht wurde Johanniskraut über Haustüren gehängt oder in das Herdfeuer geworfen, um böse Geister und dunkle Einflüsse fernzuhalten.
In manchen Regionen trugen die Menschen ein Bündel der Pflanze bei sich – als schützendes Amulett gegen Unglück und Krankheit.

4. Für die Träume der Nacht
Ein kleines Bündel Johanniskraut unter dem Kopfkissen sollte Alpträume vertreiben und friedliche Träume schenken.
Man glaubte, wer von der Blume träumt, dem wird das Herz geheilt.


Tinktur aus Johanniskraut – altes Rezept

Zutaten:

  • Frische Johanniskrautblüten (idealerweise rund um den 24. Juni gesammelt)

  • Klarer Alkohol (z. B. Wodka oder Korn, 40–50 %)

Zubereitung:

  1. Ein Schraubglas zur Hälfte mit frischen Blüten füllen.

  2. Mit Alkohol auffüllen, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind.

  3. Gut verschließen und 4–6 Wochen an einem sonnigen Ort ziehen lassen.

  4. Täglich sanft schütteln.

  5. Anschließend durch ein feines Sieb abseihen und in dunkle Fläschchen füllen.

Anwendung (traditionell):

  • 10–20 Tropfen mit etwas Wasser, bis zu 3× täglich bei Nervosität, Unruhe oder melancholischer Stimmung.
    (Hinweis: Bei innerlicher Anwendung Rücksprache mit einem Heilpraktiker oder Arzt – Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich.)

Wie De Materia Medica die Klostermedizin prägte

 


Vom antiken Wissen zur klösterlichen Heilkunst

Die Klostermedizin des Mittelalters war weit mehr als ein spiritueller Akt der Nächstenliebe. Sie beruhte auf sorgfältig überliefertem medizinischem Wissen – und eines der wichtigsten Werke dabei war die De Materia Medica des griechischen Arztes Dioskurides.

Dioskurides und sein Erbe

De Materia Medica, im 1. Jahrhundert n. Chr. verfasst, wurde über 1.500 Jahre lang in Europa und dem Nahen Osten als medizinisches Standardwerk genutzt. Durch die Übersetzungen ins Lateinische und Arabische fand es den Weg in die Klöster.

Die Benediktinermönche – vor allem im 8. und 9. Jahrhundert – kopierten, kommentierten und erweiterten dieses Wissen in ihren Skriptorien.

Die Klöster als medizinische Zentren

In einer Zeit, in der es kaum Ärzte außerhalb der Städte gab, waren Klöster Orte der Heilung. Mönche und Nonnen kümmerten sich um Kranke, sammelten Kräuter, legten Gärten an und stellten Arzneien her.

Zentrale Elemente der Klostermedizin:

  • Heilpflanzengärten nach Vorbild von Dioskurides

  • Herstellung von Salben, Tees und Tinkturen

  • Schulung im Lesen medizinischer Texte, vor allem De Materia Medica

Heilpflanzen nach Dioskurides in der Klostermedizin

Viele in Klöstern verwendete Pflanzen stammen direkt aus De Materia Medica, darunter:

  • Salbei (Salvia officinalis): zur Stärkung und gegen Halsschmerzen

  • Melisse (Melissa officinalis): bei Schlaflosigkeit und nervösen Zuständen

  • Lavendel (Lavandula angustifolia): als Beruhigungsmittel und zur Wundpflege

  • Thymian (Thymus vulgaris): bei Husten und Infektionen

Die Weitergabe des Wissens

Mittelalterliche Handschriften wie der Lorscher Arzneibuch oder die Werke von Hildegard von Bingen zeigen eine deutliche Linie von Dioskurides’ Werk zur christlich-monastischen Heilkunst. Viele Klosterapotheken arbeiteten bis in die frühe Neuzeit nach Rezepten, die ursprünglich auf De Materia Medica basierten.

Spiritualität trifft Wissenschaft

Für Mönche war Heilung eine geistige und körperliche Aufgabe. Die Pflanzenmedizin diente nicht nur dem Körper, sondern auch dem Seelenheil. Die Kombination aus Gebet, Wissen und Pflanzenkraft macht die Klostermedizin bis heute einzigartig.

 Ein antikes Werk als Fundament christlicher Heilkunde

De Materia Medica war das Rückgrat der klösterlichen Heilpraxis. Ohne dieses antike Wissen wäre die europäische Pflanzenheilkunde ärmer – es bildete die Brücke zwischen Antike und Mittelalter.


Die Pflanze hinter dem Bier, die unsere Nerven versteht

Humulus Lupulus Ich bin keine Biertrinkerin. Das war ich nie, aber wenn es draußen sehr heiß ist, trinke ich gern ein kleines Bier auf ex. ....