Posts mit dem Label Tinktur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tinktur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Andorn – Der bittere Freund mit heilender Seele

Andorn (Marrubium vulgare)

Nicht jede Pflanze schmeckt süß oder verströmt einen angenehmen Duft. Manche, wie der Andorn, sind durch ihre Bitterkeit besonders wertvoll. Schon seit vielen Jahrhunderten wird der Andorn wegen seiner starken Wirkung für Körper und Geist geschätzt.

Geschichte und Nutzung in der Heilkunst

Der Andorn ist eine alte Heilpflanze, die bereits im Mittelalter in den Klostergärten der Benediktiner angebaut wurde. Diese Klostergärten waren Orte, an denen Heilkräuter gepflegt und erforscht wurden. Hildegard von Bingen, eine berühmte Heilerin und Mystikerin, empfahl den Andorn besonders gegen Husten, zur Förderung der Verdauung und zur inneren Reinigung.

Auch in der Volksmedizin wurde der Andorn bei Erkältungen, Magenbeschwerden und zur Beruhigung eingesetzt. Seine bittere Wirkung regt den Stoffwechsel an und hilft, körperliche und seelische Belastungen abzubauen.

Spirituelle Bedeutung des Andorns

Der Andorn wird in der Pflanzen-Spiritualität als Kräuterwesen der Wahrheit angesehen. Seine Bitterkeit steht dafür, unangenehme Wahrheiten anzunehmen und sich von alten Mustern zu befreien. Er hilft dabei, seelischen Ballast loszulassen und den eigenen Weg bewusster zu gehen.

Wichtige Bedeutungen sind:

  • Reinigung von alten Emotionen

  • Stärkung der inneren Wahrheit

  • Begleitung bei Veränderungen und Neuanfängen

  • Förderung geistiger Klarheit und Entgiftung

Andorn-Tinktur nach Hildegard von Bingen – einfach selber machen

Du brauchst:

  • 1 Handvoll frischen oder getrockneten Andorn (Blätter und Blüten)

  • Ca. 100 ml klaren Alkohol (mindestens 40 %, z. B. Korn oder Wodka)

  • Ein Schraubglas

  • Eine dunkle Flasche zur Aufbewahrung

So funktioniert es:

  1. Andorn in das Schraubglas geben.

  2. Mit Alkohol übergießen, bis alles bedeckt ist.

  3. Glas verschließen und 3–4 Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen.

  4. Täglich leicht schütteln.

  5. Nach der Ziehzeit abseihen und in die dunkle Flasche füllen.

Anwendung:

  • Innerlich: 10–15 Tropfen vor dem Essen mit Wasser zur Unterstützung der Verdauung und Reinigung.

  • Spirituell: 1 Tropfen abends unter die Zunge für mehr seelische Klarheit.

Affirmation: „Ich lasse los, was mir nicht mehr dient.“

Ein letzter Gedanke:
Der Andorn ist wie ein ehrlicher Freund – er schmeckt bitter, sagt aber die Wahrheit. Manchmal braucht es genau diese Bitterkeit, um Heilung zu finden. In seiner Kraft öffnet sich der süße Weg der Seele, wie Hildegard von Bingen es beschrieben hat.

Quellen:

  • Hildegard von Bingen: Physica

  • Dioskurides: De Materia Medica

  • Maria Treben: Heilpflanzenbuch

  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen

  • Universität Würzburg – Kräuterdatenbank


Myrrhe, das heilige Harz


Ein Schatz aus der Wüste, getragen durch die Jahrhunderte

Myrrhe ist mehr als nur ein duftendes Harz. Für mich ist sie wie ein altes, stilles Geheimnis der Erde – ein Geschenk, das uns Menschen seit Jahrtausenden begleitet. Bereits in der Antike galt sie als kostbar, wurde in Tempeln geopfert, in Salbungen verwendet und als Medizin verehrt. Und im Mittelalter, hinter den dicken Mauern der Klöster, fand sie ihren festen Platz in der Heilkunde der Mönche und Nonnen.

Was genau ist Myrrhe?

Myrrhe stammt von den Bäumen der Gattung Commiphora, die vor allem in trockenen Regionen wie Somalia oder dem Jemen wachsen. Wenn man die Rinde vorsichtig einritzt, tritt ein dicker, milchiger Saft aus, der an der Luft zu einem goldbraunen, manchmal rötlichen Harz erstarrt. Der Duft ist würzig, balsamisch, fast mystisch – wie ein Hauch von Wüste, Geschichte und heiliger Stille.

Wie wirkte Myrrhe – und warum?

Die Menschen damals wussten nicht, was ein „antibakteriell“ oder „antimykotisch“ bedeutet – aber sie beobachteten genau. Wenn sie das Harz auf entzündete Wunden auftrugen, heilten diese schneller. Bei Mundgeschwüren wirkte eine Spülung mit Myrrhetinktur beruhigend und schmerzlindernd. Bei Pilzinfektionen zeigte sich, dass sie das Wachstum hemmte. Und wer in ihrer Nähe räucherte, fühlte sich oft ruhiger, gesammelt, fast wie gereinigt.

Die heilenden Eigenschaften der Myrrhe entfalteten sich auf vielen Ebenen – äußerlich auf Haut und Schleimhäuten, innerlich auf den Verdauungstrakt, und geistig durch ihre aromatische Tiefe.

Myrrhe im Mittelalter

In der Welt der Klostermedizin war Myrrhe ein fester Bestandteil der Heilmittel. Mönche wie Hildegard von Bingen schätzten ihre Wirkung gegen Entzündungen und Hautkrankheiten.

Sie stellten Tinkturen her, mit denen man entzündetes Zahnfleisch oder Aphthen behandeln konnte.
Salben mit Myrrhe wurden bei Ekzemen, Hämorrhoiden oder Pilzerkrankungen wie Nagelpilz verwendet.
Auch als Räucherwerk hatte sie ihren Platz – sie reinigte nicht nur Räume, sondern auch die Gedanken.

Für viele war sie nicht nur ein Heilmittel, sondern auch ein spiritueller Schutz.

Und heute?

Auch heute noch ist Myrrhe ein wertvoller Bestandteil der Naturheilkunde. In Reformhäusern und Apotheken findet man sie in verschiedenen Formen:

  • Als ätherisches Öl für die Duftlampe oder zur Hautpflege

  • Als Tinktur zur Mundspülung oder äußerlichen Anwendung

  • Als Bestandteil von Salben bei Hautproblemen

  • In Kapselform zur Unterstützung bei Darmentzündungen

Ein paar Hinweise zur Anwendung

Wichtig ist: Ätherisches Myrrheöl sollte nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden.
In der Schwangerschaft sollte man auf Myrrhe verzichten oder sie nur nach Rücksprache mit einem Arzt verwenden.
Auch bei innerlicher Anwendung ist Vorsicht geboten – hier empfiehlt sich immer eine fachliche Beratung.

Fazit

Myrrhe ist für mich wie ein leiser Begleiter durch die Zeiten. Ein Geschenk der Erde, das uns daran erinnert, wie viel Weisheit in der Natur liegt. Ob im Kloster des Mittelalters oder im modernen Alltag – sie heilt, beruhigt und verbindet uns mit einer tieferen Ebene des Seins.

Wermut – Das bittere Gold der Klostermedizin

Wermut (Artemisia absinthium)


Wermut (Artemisia absinthium) gehört zu den ältesten Heilpflanzen Europas. In der klösterlichen Heilkunde galt er als „bittere Medizin der Reinheit“ – geschätzt wegen seiner reinigenden, stärkenden und schützenden Wirkung.

Wermut im Mittelalter

Im Mittelalter wurde Wermut besonders in Klöstern wie St. Gallen, Reichenau oder von Heilkundigen wie Hildegard von Bingen verwendet.

🔸 Verdauung: Wermut galt als bitteres Tonikum für Magen, Leber und Galle.
🔸 Parasiten: Ein Mittel gegen Darmwürmer und andere „körperliche Unreinheiten“.
🔸 Klarheit: Man glaubte, dass Wermut den Geist schärft und depressive Stimmungen vertreibt.
🔸 Reinigungsrituale: Als Räucherwerk zur Reinigung von Räumen und Schutz vor Dämonen.

Spiritueller und magischer Gebrauch

In Ritualen wurde Wermut zum Schutz vor negativen Energien eingesetzt. Er wurde auch in Wein eingelegt – das berühmte „Wermutwein“ (Vinum absinthii), der vor Mahlzeiten getrunken wurde, um Körper und Seele zu stärken.

Moderne Phytotherapie

Heute ist bekannt, dass Wermut:

  • Bitterstoffe (Absinthin) enthält → verdauungsfördernd

  • antimikrobiell wirkt

  • gegen Appetitlosigkeit und Völlegefühl hilft

  • als Basis für den Absinth verwendet wurde (im 18./19. Jh.)

⚠️ Vorsicht: Wermut nur in kleinen Mengen einnehmen. In hohen Dosen ist er giftig!

Rezept: Wermut-Tinktur selbst gemacht

Zutaten:

  • 20 g getrocknete Wermutblätter

  • 200 ml 40% Alkohol (z. B. Korn oder Wodka)

Zubereitung:

  • Blätter in ein Glas geben, Alkohol darüber

  • 2–3 Wochen ziehen lassen, täglich schütteln

  • Abseihen und in dunkle Tropfflasche füllen

Anwendung: 5–10 Tropfen vor dem Essen zur Verdauungsförderung (nicht länger als 2 Wochen!).

Wermutwein – Ein Rezept aus alten Zeiten

Zutaten:
– 1 Liter trockener Weißwein
– 1 EL getrockneter Wermut
– Optional: etwas Honig zur Milderung der Bitterkeit

Zubereitung:
Den Wermut in den Wein geben und 3–5 Tage ziehen lassen. Dann abseihen und in eine dunkle Flasche füllen. Kühl lagern. 1 kleines Glas vor dem Essen stärkt die Verdauung.

Vorsicht bei der Anwendung

Aufgrund des Thujon-Gehalts sollte Wermut nicht in großen Mengen oder über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Schwangere, Stillende und Menschen mit Epilepsie sollten auf die Einnahme verzichten.

Fazit

Wermut ist mehr als nur eine bittere Pflanze – er ist ein Symbol für Reinigung, Willenskraft und geistige Klarheit. Im Mittelalter war er ein geschätzter Bestandteil jeder Klosterapotheke – ein Erbe, das wir heute wiederentdecken dürfen.

Die Pflanze hinter dem Bier, die unsere Nerven versteht

Humulus Lupulus Ich bin keine Biertrinkerin. Das war ich nie, aber wenn es draußen sehr heiß ist, trinke ich gern ein kleines Bier auf ex. ....