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Berufkraut war einst eine treue Begleiterin in Klostergärten und Frauenheilkunst

Berufskraut


Wenn ich heute durch Waldwege oder verwilderte Gärten streife, springt mir zwischen Gräsern und Brennnesseln oft ein unscheinbares Pflänzchen ins Auge – das Berufkraut.

Kein Star unter den Heilpflanzen, und doch war es einst eine treue Begleiterin in der Klostermedizin.
Sie wächst dort, wo sie niemand gepflanzt hat – als hätte sie beschlossen, von sich aus zu helfen.

In früheren Jahrhunderten war sie weit mehr als „Beikraut“. Für Mönche, heilkundige Frauen und Hebammen war sie eine Pflanze mit feinem Gespür – für Entzündungen, für Frauenleiden, für Unruhe und Reinigung.

Wie wurde Berufkraut im Mittelalter verwendet?

1. Bei Frauenleiden

Berufkraut galt als sanfte Helferin bei Menstruationsbeschwerden, zu starker oder unregelmäßiger Blutung.
Die Heilerinnen nutzten einen Aufguss oder eine Tinktur, um den Unterleib zu entspannen und Krämpfe zu lösen.
Es hieß: „Es bringt Ordnung in den Fluss des Lebens.“

2. Zur Wundheilung

Die antiseptischen Eigenschaften machten sie zu einem beliebten Mittel bei äußeren Verletzungen.
Die Blätter wurden zerdrückt und als Breiumschlag verwendet.
In Klöstern stellte man ein einfaches Öl her: frisches Kraut in Olivenöl ausgezogen – ideal bei Insektenstichen und kleinen Wunden.

3. Für Magen und Darm

Ein Tee aus Berufkraut wurde bei Durchfall, Blähungen und leichten Magenentzündungen verabreicht.
Er wirkte beruhigend und antibakteriell. Besonders beliebt war er in Kombination mit Kamille.

4. Als „Reinigungspflanze“

Früher sprach man vom „inneren Reinigen“. Berufkraut wurde zum Ausleiten von „schlechten Säften“ verwendet.
Oft als Frühjahrskur oder nach Krankheiten.
Ein Aufguss morgens nüchtern getrunken, 7 Tage lang – das war die alte Empfehlung.


Rezept für eine reinigende Tinktur

Du brauchst:

  • 1 Handvoll frisches Berufkraut (Blüten, Blätter, Stängel)

  • 200 ml Weingeist (mind. 40 % Alkohol, z. B. Korn)

  • 1 kleines Schraubglas

  • Dunkle Tropfflasche zur Aufbewahrung

Zubereitung:

  1. Das frische Kraut zerkleinern und locker ins Glas füllen.

  2. Mit Alkohol bedecken, gut verschließen.

  3. 3 Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen, täglich schütteln.

  4. Abseihen und in dunkle Flasche füllen.

Anwendung:
5–10 Tropfen in etwas Wasser, 1–2x täglich – zur Verdauungsunterstützung oder bei Menstruationsunregelmäßigkeiten.


Persönlich gesagt...

Ich habe Berufkraut erst spät wahrgenommen – es stand dort, wo man es nicht suchte: am Wegrand, im Schatten größerer Pflanzen.
Aber genau dort entfaltet es seine Kraft.
Still. Unauffällig.
So wie viele heilkundige Frauen der Vergangenheit – nicht laut, aber wirkungsvoll.
Heute pflücke ich es mit Respekt und verwende es mit Dankbarkeit.


Johanniskraut im Mittelalter – Heilkraft & Klosterwissen

 

Johanniskraut

Wenn ich Johanniskraut im goldenen Licht des Sommers erblühen sehe, erkenne ich mehr als nur eine Heilpflanze – ich spüre den Hauch vergangener Zeiten, eine stille Verbindung zu altem Wissen.

Zu den Händen der heilkundigen Frauen, zu den stillen Gängen der Mönche, zu den uralten Gärten der Klöster.

1. Für die Wunden des Körpers
Im Mittelalter war Johanniskraut ein wertvoller Helfer bei äußeren Verletzungen.
Mönche sammelten die gelben Blüten am Johannistag, trockneten sie oder setzten sie in Öl an.
Dieses „Johanniskrautöl“ – tiefrot gefärbt durch das Hypericin – wurde auf Schnitte, Verbrennungen, Insektenstiche und Entzündungen aufgetragen.
Es wurde gesagt: „Es zieht den Schmerz heraus und bringt das Gewebe zur Ruhe.“

2. Für das Dunkel der Seele
Wenn Menschen im Dorf unter tiefer Traurigkeit oder Angst litten, wandten sie sich oft an Klöster oder weise Frauen.
Johanniskraut galt als Pflanze des Lichts – sie brachte Sonne ins Herz.
Getrocknete Blüten wurden zu Tee oder Tinkturen verarbeitet, um das Gemüt zu stärken, die Lebensfreude zurückzubringen und den Schlaf zu fördern.

3. Für den Schutz vor dem Bösen
In der Johannisnacht wurde Johanniskraut über Haustüren gehängt oder in das Herdfeuer geworfen, um böse Geister und dunkle Einflüsse fernzuhalten.
In manchen Regionen trugen die Menschen ein Bündel der Pflanze bei sich – als schützendes Amulett gegen Unglück und Krankheit.

4. Für die Träume der Nacht
Ein kleines Bündel Johanniskraut unter dem Kopfkissen sollte Alpträume vertreiben und friedliche Träume schenken.
Man glaubte, wer von der Blume träumt, dem wird das Herz geheilt.


Tinktur aus Johanniskraut – altes Rezept

Zutaten:

  • Frische Johanniskrautblüten (idealerweise rund um den 24. Juni gesammelt)

  • Klarer Alkohol (z. B. Wodka oder Korn, 40–50 %)

Zubereitung:

  1. Ein Schraubglas zur Hälfte mit frischen Blüten füllen.

  2. Mit Alkohol auffüllen, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind.

  3. Gut verschließen und 4–6 Wochen an einem sonnigen Ort ziehen lassen.

  4. Täglich sanft schütteln.

  5. Anschließend durch ein feines Sieb abseihen und in dunkle Fläschchen füllen.

Anwendung (traditionell):

  • 10–20 Tropfen mit etwas Wasser, bis zu 3× täglich bei Nervosität, Unruhe oder melancholischer Stimmung.
    (Hinweis: Bei innerlicher Anwendung Rücksprache mit einem Heilpraktiker oder Arzt – Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich.)

Gewöhnliches Hirtentäschel – Zartes Frauenkraut mit großer Geschichte

 

Gewöhnliches Hirtentäschel

Zart, unscheinbar – und doch so stark.
Wie könnte ich jemals diese winzigen, herzförmigen Blätter vergessen?

Sie erinnern mich an barfuß durch Wiesen laufen, an staubige Feldwege, an die Magie der Kindheit.
Und doch ist diese Pflanze nicht nur Poesie – sie ist auch Medizin.

Eine Pflanze mit Geschichte

Das Gewöhnliche Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) gehört zu den Wildkräutern, die leicht übersehen werden – dabei war sie über Jahrhunderte hinweg ein fester Bestandteil der traditionellen Heilkunde. Schon im 16. Jahrhundert erwähnte Paracelsus diese Pflanze in seinen Schriften.

Er glaubte an das, was man heute als Signaturenlehre bezeichnet: Dass die äußere Form einer Pflanze Hinweise auf ihre Wirkung im menschlichen Körper gibt. Die kleinen herzförmigen Blätter und die kapselartigen Samenstände des Hirtentäschels – wie winzige Säckchen – ließen ihn an den Uterus, an das Blut, an das Weibliche denken.

Kein Wunder also, dass das Hirtentäschel seitdem als blutstillendes Kraut eingesetzt wurde – bei starken Monatsblutungen, nach Geburten oder bei offenen Wunden.

Heilpflanze der Frauen

Besonders in der Volksmedizin wurde Hirtentäschel zur Stärkung des weiblichen Körpers eingesetzt – sanft, aber wirkungsvoll. Noch heute kennt man es in der Phytotherapie als Mittel zur Regulierung des Zyklus, zur Linderung bei Wechseljahresbeschwerden und zur Förderung der Durchblutung.

Auch in den alten Kräuterbüchern findet sich diese kleine Pflanze. So beschrieb bereits Dioscurides – der berühmte griechische Arzt des 1. Jahrhunderts – in seinem Werk De Materia Medica ein Kraut mit ähnlicher Wirkung, das sehr wahrscheinlich das Hirtentäschel gewesen sein könnte. Er empfahl es bei inneren Blutungen und zur Förderung der Wundheilung.

Im Mittelalter griff auch Hildegard von Bingen in ihrer Naturheilkunde auf ein Kraut zurück, das dem Hirtentäschel stark ähnelt. Obwohl sie es nicht namentlich wie wir heute bezeichnete, legte sie besonderen Wert auf Pflanzen, die „vom Weiblichen sprechen“ – und deren Form oder Wuchs auf ihre Kraft im Bereich der Frauenheilkunde hinweist.

Ich finde es faszinierend, dass eine so kleine, zarte Pflanze so viel Kraft in sich trägt. Und dass ihr „unscheinbares“ Dasein sie nicht weniger wertvoll macht – im Gegenteil.

Eine Kindheitserinnerung

Vielleicht ist es genau das, was mich heute so berührt hat.
Dass ich sie fast übersehen hätte.
Dass sie „nur“ eine Wiesenpflanze ist – und doch so viel Bedeutung trägt.
Dass ich als Kind neben ihr saß, ohne zu wissen, dass sie einmal in meine Arbeit als Pflanzenfrau, als Sammlerin alter Weisheiten, zurückkehren würde.


Und du? Gibt es eine Pflanze, die dich an deine Kindheit erinnert?
Schreib sie mir gern in die Kommentare – ich liebe es, eure Geschichten zu lesen.

Heilpflanzen für Frauenbeschwerden in De Materia Medica

Frauenbeschwerden wie Menstruationskrämpfe, unregelmäßige Zyklen, Wechseljahresbeschwerden oder Unfruchtbarkeit wurden bereits in der Antike mit pflanzlichen Mitteln behandelt. Pedanios Dioskurides beschreibt in seinem berühmten Werk De Materia Medica zahlreiche Heilpflanzen, die speziell für die Gesundheit von Frauen eingesetzt wurden – viele davon sind bis heute relevant.

Heilpflanzen für den weiblichen Zyklus

Eisenkraut (Verbena officinalis)

Eisenkraut wurde laut Dioskurides zur Förderung der Menstruation (als Emmenagogum) genutzt. Es galt als stärkend für die Gebärmutter und wurde häufig als Tee oder Aufguss verwendet. Auch bei Menstruationsschmerzen kam es zum Einsatz.

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)

Zwar erwähnt Dioskurides den Frauenmantel nicht explizit unter diesem Namen, aber ähnliche Pflanzen wurden für „Gebärmutterleiden“ und zur Stärkung nach der Geburt verwendet. In der späteren Klostermedizin wurde Frauenmantel ein unverzichtbares Frauenheilmittel.

Pflanzen zur Geburtserleichterung und Nachsorge

Myrrhe (Commiphora myrrha)

Dioskurides empfiehlt Myrrhe zur Reinigung der Gebärmutter nach der Geburt und zur Unterstützung der Rückbildung. Die harzige Substanz wirkt desinfizierend und krampflösend.

Diptam (Dictamnus albus)

Diese Pflanze wurde eingesetzt, um die Geburt zu erleichtern und Wehen zu fördern. Dioskurides beschreibt ihre Wirkung auf die „Kräfte der Gebärmutter“ und zur Unterstützung bei schwierigen Geburten.

Heilpflanzen bei Wechseljahresbeschwerden

Schafgarbe (Achillea millefolium)

Auch wenn Dioskurides Schafgarbe vor allem bei Wunden und Verdauungsbeschwerden nennt, wurde sie später auch bei Hitzewallungen und hormonellen Dysbalancen eingesetzt. Ihre krampflösende Wirkung ist besonders hilfreich bei Wechseljahrsbeschwerden.

Salbei (Salvia officinalis)

Salbei galt als schweißhemmend und beruhigend – Eigenschaften, die bei nächtlichen Schweißausbrüchen in den Wechseljahren sehr hilfreich sind.

Fazit

De Materia Medica zeigt eindrucksvoll, wie weit das Wissen über Heilpflanzen in der Antike bereits war. Dioskurides legte mit seinen Beschreibungen den Grundstein für die Klosterheilkunde, die Frauenleiden mit der Kraft der Natur begegnete. Viele der erwähnten Pflanzen finden sich auch heute in Teemischungen oder Tinkturen wieder – ein Zeichen für die zeitlose Wirksamkeit pflanzlicher Heilmittel.

🔜 Vorschau auf Teil 7 der Serie:

Im nächsten Artikel der Serie geht es um Heilpflanzen für das Herz und den Kreislauf, basierend auf den Schriften von Dioskurides in De Materia Medica.

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