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Augentrost (Euphrasia officinalis) – Klosterwissen für Augen, Wahrnehmung und innere Klarheit

Euphrasia officinalis


Der Augentrost (Euphrasia officinalis) trägt in seinem Namen ein Versprechen, das Jahrtausende alt ist. Seine Bezeichnung wird mit Euphrosyne in Verbindung gebracht, einer der drei Chariten der griechischen Mythologie – Sinnbild für Freude, Klarheit und seelisches Wohlbefinden. Man schrieb ihr die Fähigkeit zu, den Blick zu öffnen, nicht nur für das Auge, sondern auch für den Geist. So wurde der Augentrost zu einer Pflanze, die Klarheit schenkt – körperlich wie seelisch.

Seine zarten Blüten mit ihrer feinen Zeichnung erinnern an Augen, umrahmt von Wimpern. Diese Ähnlichkeit blieb in der Antike und im Mittelalter nicht unbeachtet und wurde im Sinne der Signaturenlehre gedeutet: Gott habe jeder Pflanze ein Zeichen ihres Wirkens mitgegeben. Was dem Auge ähnelt, diene auch dem Auge.

Bereits in der Spätantike wurde der Augentrost bei „Schwäche des Sehens“ und bei Zuständen empfohlen, in denen der Blick trüb wurde – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. In mittelalterlichen Heilkundeschriften erscheint die Pflanze häufig als Mittel gegen Augenleiden, aber auch bei geistiger Erschöpfung, Melancholie und innerer Verwirrung. In den Klöstern galt sie als Kraut, das die „Sicht des Herzens“ klärt.

Im Mittelalter fand der Augentrost vor allem Anwendung bei Augenentzündungen wie Bindehautentzündungen sowie zur Linderung von Brennen, Jucken und Reizungen durch Rauch, Staub, Zugluft oder Pollen. Mönche und Kräuterkundige empfahlen ihn auch jenen, die lange bei schwachem Licht arbeiteten oder stundenlang Manuskripte kopierten – eine frühe Form der heutigen visuellen Überlastung.

Bemerkenswert ist, dass der Augentrost nicht nur als Augenheilmittel galt. In der Volksheilkunde wurde er auch als Umstimmungsmittel geschätzt – als Pflanze, die die innere Verfassung ausgleicht. Man setzte ihn bei Kindern und Erwachsenen ein, die empfindlich waren, sich leicht erkälteten und bereits bei geringster Zugluft mit tränenden Augen und allgemeiner Schwäche reagierten. In solchen Fällen betraf die Wirkung nicht nur die Augen, sondern den gesamten Organismus.

Der Augentrost wurde sowohl äußerlich, in Form von Umschlägen oder Augenwaschungen, als auch innerlich, als Tee, angewendet. In der klösterlichen Heilkunde galt der Tee als sanfte Unterstützung für den ganzen Menschen – besonders dann, wenn die Schwäche der Augen mit Erschöpfung, häufiger Erkältung oder erhöhter Reizempfindlichkeit verbunden war.

So bleibt der Augentrost bis heute eine Pflanze der Klarheit: für die Augen, für die Wahrnehmung und für die Fähigkeit, die Dinge so zu sehen, wie sie sind – mit klarem Blick und ruhigem Geist.

Maronen – Die heilende Kraft der Edelkastanie im Klosterwissen von Hildegard von Binge

 


Hildegard von Bingen schrieb der Edelkastanie eine besondere Kraft zu: Sie helfe, das Herz zu festigen und die Melancholie zu vertreiben. Für sie war die Kastanie ein Symbol des Lichts – ein Baum, der den Menschen in dunklen Zeiten Hoffnung schenkt.

Wenn die ersten Herbstnebel kamen, sammelten die Brüder die glänzenden Früchte, trockneten oder rösteten sie und bewahrten sie sorgfältig für die kalten Monate auf. Doch hinter dieser schlichten Tätigkeit verbarg sich tiefes Wissen: die Erkenntnis, dass Nahrung auch Heilung sein kann.

Hildegard von Bingen schrieb in ihrer Physica, dass der Kastanienbaum „eine große Kraft in sich trägt, um das Gehirn zu stärken und die Melancholie zu vertreiben“. Sie empfahl, regelmäßig Maronen zu essen, um den Geist zu klären und das Herz zu festigen. Für sie war die Kastanie eine Pflanze des Lichts – eine, die den Menschen aufrichtet und ihm seelische Ruhe schenkt.

In den Klosterküchen wurden Maronen zu Mehl gemahlen und mit Honig vermischt, um Kranke und Schwache zu nähren. Geröstete Maronen galten als sanftes Mittel gegen Magenbeschwerden und körperliche Erschöpfung. Die Mönche wussten, dass die Wärme der Kastanie nicht nur den Körper stärkt, sondern auch die Seele tröstet.

Weniger bekannt ist, dass die Edelkastanie im klösterlichen Symbolismus als „Baum der Freundschaft“ galt. Ihre Frucht, verborgen unter einer stacheligen Schale, erinnerte die Mönche daran, dass das Gute im Leben oft geschützt und verborgen liegt – bis der richtige Moment kommt, es zu öffnen.

Wenn ich heute durch den Herbstwald gehe und den Duft gerösteter Maronen rieche, denke ich an diese stille Weisheit zurück. Die Kastanie war einst Nahrung, Heilmittel und Gebet in einem – ein Sinnbild dafür, dass die wahre Heilung oft in der Einfachheit beginnt.


Hier ist ein beliebtes Rezept aus der Klostertradition

Maronen mit Honig – Nahrung für Herz und Seele

In den Klöstern wurden Maronen häufig als einfache, aber nährende Speise zubereitet. Dieses Rezept wurde vor allem in den Benediktinerklöstern überliefert und galt als Stärkung für Körper und Geist – besonders im Herbst und Winter.

Zutaten:

  • 200 g Maronen (vorgekocht oder frisch geröstet)

  • 2 EL Honig (am besten Wald- oder Kastanienhonig)

  • 1 Prise Salz

  • Etwas Mandelmilch oder Wasser

Zubereitung:

  1. Maronen schälen und fein zerdrücken, bis eine cremige Masse entsteht.

  2. Honig und Salz hinzufügen.

  3. Nach und nach etwas warme Mandelmilch oder Wasser einrühren, bis die Masse weich und streichfähig wird.

  4. Lauwarm servieren, wie es einst die Mönche taten – in kleinen Tonschalen.

Diese einfache Speise wurde bei Erschöpfung, Melancholie und Genesung empfohlen.
Hildegard von Bingen schrieb, dass „die Süße des Honigs das Herz erfreut, während die Kastanie den Geist stärkt“.
Ein Löffel davon war wie eine kleine Gebetszeit – still, wohltuend und voller Dankbarkeit.


Quellen:

  • Hildegard von Bingen: Physica, Buch III

  • Lexikon der Klostermedizin, 2010

Hagebutten – Die rote Kraft der Mönche

Hagebutten 

Es war ein kühler Herbstmorgen, als ich an einem unscheinbaren Wegrand stand. Vor mir leuchteten kleine rote Früchte, wie winzige Lichter inmitten der verblassenden Natur. Ich blieb stehen und spürte, dass diese Hagebutten mehr waren als bloße Früchte. Sie erzählten mir von Stärke, von Überleben, von Hoffnung – Dinge, die auch mein Herz gerade brauchte.


Die Hagebutte im Klosterwissen

Mönche und Nonnen des Mittelalters kannten diesen stillen Schatz gut. Für sie war die Hagebutte nicht nur ein Heilmittel, sondern auch ein Symbol.
Sie lehrten: selbst wenn Blätter fallen und Blüten verschwinden, schenkt uns die Schöpfung einen letzten, stillen Vorrat an Kraft.

Die heilige Hildegard von Bingen empfahl Hagebutten bei Schwäche, für Lunge und Magen. Für sie waren sie „eingefangenes Licht“ – eine stille Sonne, die den Körper wärmt und stärkt, wenn die Tage dunkel werden.


Heilende Kraft und Botschaft

Heute bestätigt die Wissenschaft, was die Klöster schon wussten:

  • Hagebutten sind reich an Vitamin C und stärken die Abwehrkräfte.

  • Als Tee getrunken, bringen sie Wärme und Linderung bei Erkältungen.

  • Ihr Pulver hilft gegen Gelenkschmerzen und Entzündungen.

  • Marmelade oder Mus aus Hagebutten nährt nicht nur den Körper, sondern schenkt auch Trost und Kindheitserinnerungen.

Doch ihre wahre Botschaft liegt vielleicht darin, wann sie erscheinen: genau dann, wenn das Leben sich zurückzieht, wenn die Natur still wird. Gerade dann beginnen sie zu leuchten.


Eine stille Lehre fürs Herz

Die Hagebutte lehrt uns Geduld. Sie zeigt, dass selbst im Rückzug eine Kraft in uns wächst, die wir oft erst in dunklen Zeiten entdecken.
So wie die Mönche ihre roten Früchte sammelten und sorgfältig für den Winter aufbewahrten, so können auch wir lernen, unsere inneren Kräfte zu bewahren – um daraus zu schöpfen, wenn das Leben kalt und schwer wird.


Schlusswort

Wenn ich heute an einem Busch voller Hagebutten vorbeigehe, spüre ich, wie stilles Vertrauen mein Herz erfüllt. Sie sagen leise:
„Halte durch. Auch in deinem Winter glüht ein rotes Licht in dir.“

Vielleicht ist das das größte Geschenk dieser kleinen Früchte: nicht nur Heilung für den Körper, sondern Trost für die Seele.

Klette – Die vergessene Klosterpflanze zwischen Wurzelkraft und Blütenpracht

Arctium lappa

Vor einigen Tagen stieß ich auf ein altes Zeugnis eines Mönchs, der mit großer Ehrfurcht über die Klettwurzel sprach. Er nannte sie „die Wurzel, die das Blut reinigt und die Haut erhellt“. Diese Worte berührten mich, und ich dachte: Diese Geschichte möchte ich auch mit euch teilen.

Wir alle kennen die Klette – ihre großen Blätter und die stacheligen Köpfchen, die sich an unsere Kleidung heften. Im Erdreich verbirgt sich ihre Wurzel, kräftig, heilend und voller stiller Energie.

Doch wenn ich ehrlich bin, hat mich immer auch die oberirdische Gestalt dieser Pflanze tief beeindruckt. Die Klette erhebt sich hoch, dominant, fast herrschaftlich. Ihre stacheligen Blütenköpfe wirken wie kleine Kronen, stark und solide – und zugleich tragen sie eine Schönheit, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Zwischen den groben Blättern und den purpurfarbenen Blüten zeigt sie eine Wucht, die man nicht übersehen kann.

Die Mönche sammelten die Wurzeln im Herbst, wenn die Pflanze ihre gesamte Kraft in die Erde zurückzieht. Daraus bereiteten sie bittere Abkochungen für Leber und Nieren, Tees zur Blutreinigung und Heilmittel für die Haut. Manche sagten sogar: „Die Haut ist der Spiegel der Seele“ – und deshalb sei die innere Reinigung ebenso wichtig wie die äußere.

Am meisten faszinierte mich jedoch die Symbolik, die sie dieser Pflanze zuschrieben. Die tief verankerte Klettenwurzel erinnerte sie daran, dass auch der Mensch fest verwurzelt sein muss: im Glauben, in gesunden Gewohnheiten, im Rhythmus der Natur. Ohne starke Wurzeln, so sagten sie, könne die Seele nicht wachsen.

Und so zeigt uns die Klette zwei Gesichter: unten verborgen die stille, heilende Kraft – oben sichtbar die stolze, dominante Schönheit ihrer Blüten. Beides zusammen macht sie zu einem wahren Geschenk der Natur.

Wenn ich an Feldern vorbeigehe, wo die Klette wächst, erinnere ich mich an diesen Mönch und seine Worte. Und dann sehe ich kein Unkraut mehr, sondern eine Pflanze voller Stärke und Schönheit – bereit, uns zu lehren, was Verwurzelung und Aufrichtung bedeuten.

Hanf in der mittelalterlichen Medizin

 

Cannabis sativa

Pflanzen im Klostergarten

Im Mittelalter waren Klostergärten lebendige Apotheken. Der Hanf (Cannabis sativa) hatte dort seinen festen Platz – nicht nur wegen seiner Fasern und nahrhaften Samen, sondern auch wegen seiner heilenden Kräfte. Mönche pflegten ihn mit Sorgfalt, verwendeten Blätter, Samen und manchmal auch Blüten für Aufgüsse, Salben und Umschläge gegen Schmerzen und Entzündungen. Jede Pflanze wurde mit Respekt behandelt, als Teil einer göttlichen Ordnung.

Islamische Heilkunst

Auch die islamische Medizin des Mittelalters kannte die Heilkraft des Hanfs. Heilkundige beschrieben seine harntreibende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung. Er fand Anwendung bei Migräne, Gelenkbeschwerden, Verdauungsproblemen und nervösen Leiden. Öl aus den Samen wurde äußerlich aufgetragen, während Abkochungen mit Bedacht dosiert wurden. Dieses Wissen gelangte später nach Europa und prägte auch die Klostermedizin.

Volksheilkunde und Maßhaltung

In der Volksmedizin nutzte man Hanf vielseitig: Samenbrei zur Stärkung, frische Blätter auf Wunden, Öl gegen Ohrenschmerzen. Die Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb, Hanfsamen nährten den Körper und beruhigten den Geist, mahnte jedoch zur Mäßigung. 

Überall galt: Hanf ist ein Geschenk der Natur – doch jedes Geschenk verlangt Respekt.


Aus dem Tagebuch eines Klostermönchs, 13. Jahrhundert:
„Der Hanf wächst neben Minze und Schachtelhalm. Junge Blätter, in wenig Wein gekocht, lindern die Gelenke der Alten. Samenbrei stärkt jene, die keine Kraft mehr haben. Doch wer das Maß verliert, verliert auch die Ordnung.”


Meine persönliche Note:
Wenn ich heute über Hanf schreibe, spüre ich eine gewisse Ehrfurcht. Zwischen all den hitzigen Debatten unserer Zeit wird oft vergessen, dass diese Pflanze über Jahrhunderte hinweg den Menschen Heilung, Nahrung und Wärme geschenkt hat. Die Mönche und Heiler vergangener Zeiten kannten sein Potenzial, aber auch seine Grenzen. Vielleicht ist genau das ihre wichtigste Botschaft an uns: Im Gleichgewicht liegt die wahre Kraft.

Schafgarbe – Die verborgene Heilpflanze der Mönche und ihr spirituelles Geheimnis

 

Achillea millefolium

Ich möchte euch heute eine Pflanze vorstellen, die für mich etwas ganz Besonderes ist.
Sie wächst leise und bescheiden am Wegesrand, an sonnigen Waldrändern und auf wilden Sommerwiesen. Man übersieht sie leicht – und doch war sie einst ein Schatz in den Händen klösterlicher Heiler. Die Rede ist von der Schafgarbe (Achillea millefolium) – einer Pflanze, die in sich Jahrhunderte von Heilwissen, Schutz und spiritueller Kraft trägt.

Schon Hildegard von Bingen lobte die Schafgarbe als Pflanze, die „das blut reinigt, das Herz klärt und der Seele Frieden bringt“. Und auch heute spüre ich diese stille, fast unsichtbare Kraft, wenn ich mit ihr arbeite.

Wie die Mönche Schafgarbe nutzten

In den mittelalterlichen Klostergärten war die Schafgarbe eine der wichtigsten Pflanzen für die Reinigung des Blutes, für die Frauenheilkunde und für die Behandlung von inneren Verletzungen – seelisch wie körperlich.
Sie wurde in Weine eingelegt, als Wundauflage genutzt, oder in Form von Tees zur Linderung von Bauchkrämpfen und Unruhezuständen getrunken.

Die Mönche sprachen oft ein stilles Gebet, wenn sie Heilpflanzen zubereiteten. Nicht aus Aberglaube, sondern weil sie wussten: Eine Pflanze heilt tiefer, wenn sie mit Bewusstsein, Dankbarkeit und Gebet eingenommen wird.

Ein Rezept nach Hildegard von Bingen

Schafgarben-Wein gegen Unruhe und Herzbeschwerden

Zutaten:

  • 1 Liter Weißwein

  • 1 Handvoll getrocknete Schafgarbenblüten

  • 1 Prise Muskatnuss

Zubereitung:
Die Schafgarbe zusammen mit einer Prise Muskatnuss in den Wein geben und 3 Tage an einem sonnigen Ort ziehen lassen. Anschließend abseihen und kühl lagern.

Anwendung:
1 kleines Gläschen vor dem Schlafengehen trinken – am besten in Stille und mit einem Moment der inneren Einkehr.


Ein altes Gebet, das beim Trinken gesprochen wurde:

„Heilige Schöpferkraft in jeder Pflanze,
durchströme mich mit deinem Licht.
Schafgarbe, du zarte Kriegerin des Lebens,
heile, was in mir verborgen blutet.
Stärke mein Herz und meine Grenzen –
im Namen des göttlichen Ursprungs.“


Schafgarbe ist nicht nur eine Pflanze der alten Zeit – sie ist aktueller denn je. In einer Welt voller Reize, Reizbarkeit und Unsicherheit brauchen wir die Qualität dieser Pflanze: Grenzen setzen, innere Verletzungen erkennen und sanft heilen.

Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, wo wir uns erinnern dürfen:
Nicht jede Heilung kommt aus der Apotheke.
Manche beginnt mit einem Kraut, einem Gebet – und einem Moment echter Achtsamkeit.

Weiterführende Inhalte & PDF-Heft
Wenn du tiefer in das klösterliche Pflanzenwissen eintauchen möchtest, findest du in meinem PDF-Heft „Heilpflanzen gegen Stress – Klosterwissen für Körper und Seele“ weitere Gebete, Anwendungen und Rituale:
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„Die Grüne Fee“ zwischen Rausch, Kunst und Klosterkräutern

 


Ein bitteres Wiedersehen

Ich habe bereits früher über Wermut geschrieben – über seine Rolle als Aperitif, als Cocktail-Zutat, als stilvolles Getränk mit einer gewissen Bitterkeit. Doch dieses Mal möchte ich tiefer gehen. Ich will nicht über den Geschmack sprechen, sondern über die Geschichte der Pflanze, über ihre mythische Aura, ihre medizinische, erotische und künstlerische Reise durch die Jahrhunderte.

Denn Wermut ist mehr als eine Zutat in einem Glas Martini. Er ist ein kulturelles Symbol, ein Spiegel von Lust, Kontrolle, Wahnsinn und Inspiration. Vom mittelalterlichen Klostergarten bis zu den verrauchten Pariser Cafés, von Nonnen zu Nihilisten, von Hildegard von Bingen bis Oscar Wilde – diese Pflanze hat Welten bewegt.

In diesem Artikel lade ich euch ein, gemeinsam mit mir der Spur der „Grünen Fee“ zu folgen: bitter, betörend, berauschend.

1. Wer hat den Wermut verlobt? – Eine kurze Geschichte der Bitterkeit

Wermut – vom althochdeutschen wermuota („der Gesunde Mut“) – ist mehr als ein bitterer Aperitif. Er ist ein Symbol, eine kulturelle Chiffre, eine Droge der Dichter und Denker, der Nonnen und Nächte. Seine Ursprünge reichen bis in die Antike zurück: Als Heilwein mit Beigaben wie Beifuß, Anis, Fenchel und vor allem Artemisia absinthium – dem sagenumwobenen Wermutkraut.

Im 18. Jahrhundert wird in der Westschweiz der erste „moderne“ Absinthe destilliert – später perfektioniert in Frankreich und Italien. Doch mehr als nur eine Spirituose, wurde Wermut bald ein Lebensgefühl – eine Art geheimnisvolle Verlobung zwischen Natur, Kunst und Dekadenz.


2. Hildegard von Bingen und die sedierende Kraft der Kräuter

Bereits im Mittelalter erkannte Hildegard von Bingen – Benediktinerin, Mystikerin und Universalgelehrte – die Wirkung des Wermutkrauts. In ihren medizinischen Schriften beschrieb sie die Pflanze als heiß, bitter, reinigend – doch auch gefährlich. Wermut sollte das „überschüssige Blut“ kühlen, das mit sexueller Begierde in Verbindung gebracht wurde.

In den Klöstern wurde der Wermut daher oft als „sexuelles Sedativ“ eingesetzt – eine Art pflanzliche Kontrolle über das Begehren. Nicht zufällig wurde er Frauen, insbesondere Nonnen, verabreicht, um die „fleischliche Versuchung“ zu zähmen. Der bitter-heilige Beigeschmack blieb dem Getränk bis heute erhalten.


3. Die Grüne Fee – Wermut und Absinthe als Droge der Bohème

Im 19. Jahrhundert feiert der Absinthe seinen triumphalen – und fatalen – Aufstieg in den Salons, Ateliers und Cafés von Paris, Zürich und Wien. „La Fée Verte“, die grüne Fee, wurde zur Muse der Moderne. Mit ihrer leuchtenden Farbe, ihrer geheimnisvollen Zubereitung und ihren halluzinogenen Effekten wurde sie zur Droge der Künstler, Rebellen und Visionäre.

Berühmte Absinth-Trinker:

  • Charles Baudelaire – suchte im Absinth den „künstlichen Himmel“

  • Arthur Rimbaud & Paul Verlaine – Liebende und Getriebene im Dunst der grünen Fee

  • Vincent van Gogh – soll unter Absinth-Einfluss sein Ohr abgeschnitten haben

  • Oscar Wilde – sprach von „Engeln, die in grünem Licht tanzen“

Absinthe war kein gewöhnliches Getränk. Es war eine Substanz, ein Ritual, ein ästhetischer Akt. Es erlaubte das Träumen mit offenen Augen – und das Zerfallen der Grenzen zwischen Realität und Fantasie.


4. Die „Grüne Stunde“ – wenn Paris grün wurde

Zwischen 17:00 und 19:00 Uhr begann in den Cafés Montmartres die berühmte „Grüne Stunde“ (l’heure verte). Dann strömten Poeten, Maler, Huren, Dandys und Müßiggänger zusammen, um das Ritual zu zelebrieren:

  1. Ein Schuss Absinthe ins Glas

  2. Eine spezielle Löffelauflage mit einem Zuckerwürfel

  3. Kaltes Wasser tröpfelte langsam darüber

  4. Der klare Absinthe verwandelte sich in eine milchig-grüne „Louche“ – fast wie Nebel oder Opium im Glas

In dieser Stunde entstanden Gedichte, Affären, Wahnsinn und Meisterwerke.


5. Dämonisierung, Verbot – und Wiedergeburt

Um 1915 wurde Absinthe in Frankreich, der Schweiz und den USA verboten – angeblich verantwortlich für Wahnsinn, Gewalt und körperlichen Verfall. Die Grüne Fee wurde zur Dämonin erklärt, eine Muse, die zu viel gab – und zu viel nahm.

Doch seit den 2000er Jahren erlebt sie eine Renaissance. Neue Abfüllungen, legale Rezepturen und ein Hauch nostalgischer Romantik machen Wermut und Absinthe wieder modern – diesmal mit Respekt vor der Vergangenheit.


Fazit: Zwischen Kloster und Kabarett

Wermut – ob als heiliger Trank der Nonnen oder sündige Droge der Bohème – ist ein Symbol der Ambivalenz: bitter und süß, heilend und zerstörerisch, göttlich und gefährlich. Die Grüne Fee tanzt weiter – zwischen den Zeilen der Lyrik, in den Schatten der Nacht und in jedem Glas, das mehr als nur betrunken macht.

Vollmond und Pflanzenkraft – Klösterliche Sichtweise

 

Vollmond 

In alten Klöstern lebten Mönche und Nonnen im Rhythmus der Natur – und vor allem im Rhythmus des Himmels. Der Vollmond war für sie kein bloßes astronomisches Ereignis, sondern ein heiliger Moment.

Man glaubte, dass sein Licht das Verborgene sichtbar machen kann – auch in der Pflanzenwelt. In diesen Nächten wurde die Natur als besonders durchlässig empfunden. Die Kraft, die durch die Pflanzen floss, war stärker, lebendiger, aufgeladen mit einer stillen Energie, die man nicht erklären, aber spüren konnte.

Ich erinnere mich, wie ich selbst an manchen Vollmondnächten nicht schlafen kann – nicht aus Unruhe, sondern weil die Welt draußen so wach und weit scheint. Es ist, als würde der Mond ein Fenster öffnen, das sonst verschlossen bleibt.

Am Donnerstag, den 10. Juli 2025, um genau 22:36:53 Uhr MESZ, erreicht der Vollmond seinen Höhepunkt. In der alten Volksmedizin und klösterlichen Kräuterkunde gilt dieser Moment als besonders günstig, um bestimmte Pflanzen zu sammeln – nicht nur wegen der energetischen Wirkung, sondern auch wegen der Tiefe der Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Warum bei Vollmond sammeln?

In der monastischen Tradition galt die Nacht des Vollmonds als eine Zeit der Offenbarung. Man glaubte, dass die Pflanzen in diesem Licht ihre innersten Kräfte preisgeben – so wie eine Seele, die sich nur im Vertrauen zeigt.

Die Säfte der Pflanzen steigen in dieser Phase besonders intensiv in Blätter und Blüten. Es ist die Zeit, in der die Pflanze ihre ganze Lebenskraft ausstrahlt. Die alten Heilkundigen – von Hildegard von Bingen bis zu unbekannten Klostergärtnern – nutzten dieses Wissen sorgfältig und respektvoll.

Welche Pflanzen wurden zu Vollmond gesammelt?

Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Als Lichtträgerin wurde sie nicht nur zur Sommersonnenwende, sondern auch bei Vollmond geerntet. Sie hilft bei seelischen Wunden, Melancholie und wird traditionell zur Herstellung von Rotöl verwendet.

Beifuß (Artemisia vulgaris)
Ein altes Ritualkraut, das in Klöstern getrocknet und verräuchert wurde. Es galt als schützend, klärend und hilfreich für Träume und Übergänge.

Eisenkraut (Verbena officinalis)
Als „heiliges Kraut“ wurde es zu Zeiten besonderer Himmelskonstellationen gesammelt, vor allem bei Vollmond. Es wurde zur geistigen Reinigung und zur Unterstützung der Konzentration genutzt.

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
In benediktinischen Klöstern wurde sie für ihre herzberuhigende Wirkung geschätzt. Bei Vollmond geerntet, galt sie als besonders wirksam für inneren Frieden.

Quendel / Wilder Thymian (Thymus serpyllum)
Ein zartes, aber kraftvolles Kraut, das Mut stärkt und reinigend wirkt. Vollmondnächte galten als ideale Zeit für seine Sammlung.

Lavendel (Lavandula angustifolia)
Wurde oft zur Herstellung von Ölen und Kräuterkissen verwendet. Bei Vollmond gesammelter Lavendel galt als besonders wohltuend für den Schlaf und den inneren Rückzug.

Minze und Schafgarbe
Auch diese Pflanzen wurden bei Vollmond geerntet, um ihre klärende, heilende Kraft voll auszuschöpfen.

Wer lebte dieses Wissen?

Hildegard von Bingen sah in der „Viriditas“ – der grünen Lebenskraft – eine göttliche Verbindung zwischen Licht, Leben und Gesundheit.

Die Gärten der Klöster folgten oft einem eigenen Rhythmus, in dem Mondphasen, Gebetszeiten und die Beobachtung der Natur zusammenspielten. Die Pflanzen wurden nicht nur botanisch betrachtet, sondern auch spirituell verstanden – als Geschöpfe mit einem eigenen Wesen und einer besonderen Aufgabe.

In der Volksmedizin lebte dieses Wissen weiter – bei Kräuterfrauen, Hebammen und einfachen Menschen, die spürten, dass die Natur spricht, wenn man ihr zuhört.


The Monastic Herbarium versteht sich als Brücke zu diesen alten Wegen – nicht aus Nostalgie, sondern aus Ehrfurcht. Wer heute bei Vollmond Pflanzen sammelt, betritt einen alten Pfad, der noch immer lebendig ist.

„Die Schöpfung heilt, wenn der Mensch in Einklang mit ihr lebt.“
Und der Vollmond – so sagten die Weisen – sei wie ein Leuchtturm am Himmel,
der uns daran erinnert, wann es Zeit ist, mit dem Herzen zu ernten.

Distel – Die unbeugsame Heilerin

 

Carduus

Man kann sie nicht übersehen.
Mitten im Sommerlicht steht sie da – nicht wie ein zartes Kräutlein, sondern wie eine Wächterin.
Ihre Blätter stechen, ihre Haltung warnt – und doch zieht sie mich magisch an.
Sie wirkt nicht einladend, aber echt. Und das allein macht sie mir sympathisch.

Die Distel – genauer gesagt, Carduus – gehört zu den ältesten Heilpflanzen Europas.
Schon die Griechen schätzten sie: Dioskurides schrieb im ersten Jahrhundert über ihre Kraft, die Galle zu reinigen und den Körper von „dicken Säften“ zu befreien.
In der Antike galt sie als Meisterin der Reinigung – sowohl innerlich als auch symbolisch.
Sie wurde bei Leberleiden, Verdauungsproblemen, ja sogar gegen Melancholie eingesetzt.

Im Mittelalter taucht sie immer wieder in Klostergärten auf – als starke, bittere Pflanze, die Mut, Kraft und Widerstand schenkt.
Man kochte aus ihren jungen Blättern einen Lebertrank oder legte sie in Essig ein, um den Körper nach dem Winter „durchzulüften“.
Und manchmal – so erzählt man – wurde sie bei Flüchen verbrannt, weil man glaubte, sie könne böse Einflüsse vertreiben.

Was mich an ihr fasziniert:
Sie verlangt nichts.
Sie wächst, wo andere längst aufgegeben haben.
Und sie erinnert mich daran, dass Heilkraft nicht immer lieblich schmecken muss – manchmal ist sie scharf, stachelig und unbequem.
Aber genau das wirkt.

Berufkraut war einst eine treue Begleiterin in Klostergärten und Frauenheilkunst

Berufskraut


Wenn ich heute durch Waldwege oder verwilderte Gärten streife, springt mir zwischen Gräsern und Brennnesseln oft ein unscheinbares Pflänzchen ins Auge – das Berufkraut.

Kein Star unter den Heilpflanzen, und doch war es einst eine treue Begleiterin in der Klostermedizin.
Sie wächst dort, wo sie niemand gepflanzt hat – als hätte sie beschlossen, von sich aus zu helfen.

In früheren Jahrhunderten war sie weit mehr als „Beikraut“. Für Mönche, heilkundige Frauen und Hebammen war sie eine Pflanze mit feinem Gespür – für Entzündungen, für Frauenleiden, für Unruhe und Reinigung.

Wie wurde Berufkraut im Mittelalter verwendet?

1. Bei Frauenleiden

Berufkraut galt als sanfte Helferin bei Menstruationsbeschwerden, zu starker oder unregelmäßiger Blutung.
Die Heilerinnen nutzten einen Aufguss oder eine Tinktur, um den Unterleib zu entspannen und Krämpfe zu lösen.
Es hieß: „Es bringt Ordnung in den Fluss des Lebens.“

2. Zur Wundheilung

Die antiseptischen Eigenschaften machten sie zu einem beliebten Mittel bei äußeren Verletzungen.
Die Blätter wurden zerdrückt und als Breiumschlag verwendet.
In Klöstern stellte man ein einfaches Öl her: frisches Kraut in Olivenöl ausgezogen – ideal bei Insektenstichen und kleinen Wunden.

3. Für Magen und Darm

Ein Tee aus Berufkraut wurde bei Durchfall, Blähungen und leichten Magenentzündungen verabreicht.
Er wirkte beruhigend und antibakteriell. Besonders beliebt war er in Kombination mit Kamille.

4. Als „Reinigungspflanze“

Früher sprach man vom „inneren Reinigen“. Berufkraut wurde zum Ausleiten von „schlechten Säften“ verwendet.
Oft als Frühjahrskur oder nach Krankheiten.
Ein Aufguss morgens nüchtern getrunken, 7 Tage lang – das war die alte Empfehlung.


Rezept für eine reinigende Tinktur

Du brauchst:

  • 1 Handvoll frisches Berufkraut (Blüten, Blätter, Stängel)

  • 200 ml Weingeist (mind. 40 % Alkohol, z. B. Korn)

  • 1 kleines Schraubglas

  • Dunkle Tropfflasche zur Aufbewahrung

Zubereitung:

  1. Das frische Kraut zerkleinern und locker ins Glas füllen.

  2. Mit Alkohol bedecken, gut verschließen.

  3. 3 Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen, täglich schütteln.

  4. Abseihen und in dunkle Flasche füllen.

Anwendung:
5–10 Tropfen in etwas Wasser, 1–2x täglich – zur Verdauungsunterstützung oder bei Menstruationsunregelmäßigkeiten.


Persönlich gesagt...

Ich habe Berufkraut erst spät wahrgenommen – es stand dort, wo man es nicht suchte: am Wegrand, im Schatten größerer Pflanzen.
Aber genau dort entfaltet es seine Kraft.
Still. Unauffällig.
So wie viele heilkundige Frauen der Vergangenheit – nicht laut, aber wirkungsvoll.
Heute pflücke ich es mit Respekt und verwende es mit Dankbarkeit.


Johanniskraut im Mittelalter – Heilkraft & Klosterwissen

 

Johanniskraut

Wenn ich Johanniskraut im goldenen Licht des Sommers erblühen sehe, erkenne ich mehr als nur eine Heilpflanze – ich spüre den Hauch vergangener Zeiten, eine stille Verbindung zu altem Wissen.

Zu den Händen der heilkundigen Frauen, zu den stillen Gängen der Mönche, zu den uralten Gärten der Klöster.

1. Für die Wunden des Körpers
Im Mittelalter war Johanniskraut ein wertvoller Helfer bei äußeren Verletzungen.
Mönche sammelten die gelben Blüten am Johannistag, trockneten sie oder setzten sie in Öl an.
Dieses „Johanniskrautöl“ – tiefrot gefärbt durch das Hypericin – wurde auf Schnitte, Verbrennungen, Insektenstiche und Entzündungen aufgetragen.
Es wurde gesagt: „Es zieht den Schmerz heraus und bringt das Gewebe zur Ruhe.“

2. Für das Dunkel der Seele
Wenn Menschen im Dorf unter tiefer Traurigkeit oder Angst litten, wandten sie sich oft an Klöster oder weise Frauen.
Johanniskraut galt als Pflanze des Lichts – sie brachte Sonne ins Herz.
Getrocknete Blüten wurden zu Tee oder Tinkturen verarbeitet, um das Gemüt zu stärken, die Lebensfreude zurückzubringen und den Schlaf zu fördern.

3. Für den Schutz vor dem Bösen
In der Johannisnacht wurde Johanniskraut über Haustüren gehängt oder in das Herdfeuer geworfen, um böse Geister und dunkle Einflüsse fernzuhalten.
In manchen Regionen trugen die Menschen ein Bündel der Pflanze bei sich – als schützendes Amulett gegen Unglück und Krankheit.

4. Für die Träume der Nacht
Ein kleines Bündel Johanniskraut unter dem Kopfkissen sollte Alpträume vertreiben und friedliche Träume schenken.
Man glaubte, wer von der Blume träumt, dem wird das Herz geheilt.


Tinktur aus Johanniskraut – altes Rezept

Zutaten:

  • Frische Johanniskrautblüten (idealerweise rund um den 24. Juni gesammelt)

  • Klarer Alkohol (z. B. Wodka oder Korn, 40–50 %)

Zubereitung:

  1. Ein Schraubglas zur Hälfte mit frischen Blüten füllen.

  2. Mit Alkohol auffüllen, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind.

  3. Gut verschließen und 4–6 Wochen an einem sonnigen Ort ziehen lassen.

  4. Täglich sanft schütteln.

  5. Anschließend durch ein feines Sieb abseihen und in dunkle Fläschchen füllen.

Anwendung (traditionell):

  • 10–20 Tropfen mit etwas Wasser, bis zu 3× täglich bei Nervosität, Unruhe oder melancholischer Stimmung.
    (Hinweis: Bei innerlicher Anwendung Rücksprache mit einem Heilpraktiker oder Arzt – Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich.)

Sumpfschachtelhalm – Der gefährliche Doppelgänger aus dem Moor

 



Im Mittelalter war Wissen über Heilpflanzen nicht nur ein Privileg – es war überlebenswichtig. Doch selbst die erfahrensten Kräuterkundigen wussten: Nicht jede Pflanze, die auf den ersten Blick heilend scheint, ist auch heilsam. Ein gutes Beispiel dafür ist der Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre) – eine Pflanze, die leicht mit dem heilenden Ackerschachtelhalm verwechselt werden kann, aber ganz andere Eigenschaften besitzt.

7Äußere Merkmale und Verwechslungsgefahr

Der Sumpfschachtelhalm sieht dem Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) zum Verwechseln ähnlich. Beide haben den typischen "Schachtelhalm-Look": grüne, hohle Stängel, quirlförmig angeordnete Seitentriebe. Doch der Teufel steckt im Detail:

  • Sumpfschachtelhalm wächst bevorzugt auf feuchten, moorigen Wiesen und an Bachufern.

  • Er hat dickere, dunklere Triebe.

  • Seine Sprossen sind weniger biegsam und oft giftig – besonders für Tiere.

⚠️ Giftig und dennoch genutzt

Schon im Mittelalter war bekannt: Der Sumpfschachtelhalm ist leicht giftig, besonders für Pferde und Kühe. Der Verzehr kann zu Koordinationsstörungen, Durchfall und sogar Krämpfen führen. Menschen sollten ebenfalls vorsichtig sein. Dennoch wurde er in kleinsten Dosen und nur äußerlich in seltenen Fällen genutzt – etwa für Umschläge bei Rheuma oder entzündlichen Hauterkrankungen.

 Inhaltsstoffe

Auch wenn er nicht als klassische Heilpflanze gilt, enthält der Sumpfschachtelhalm:

  • Kieselsäure (Silicium) – wichtig für Bindegewebe und Knochen

  • Alkaloide wie Palustrin – toxisch, daher nur mit großer Vorsicht zu behandeln

  • Gerbstoffe, Flavonoide

Im Gegensatz zum Ackerschachtelhalm, der reichlich therapeutisch genutzt wird, bleibt der Sumpfschachtelhalm eher ein warnendes Beispiel: Nicht alles Grüne heilt.

🧙‍♀️ Wissen, das schützt

Heutige Kräuterkundige sollten sich – wie einst die Mönche und weisen Frauen – auf genaue Pflanzenkenntnis verlassen. Die richtige Bestimmung ist der erste Schritt zur wirksamen und sicheren Anwendung. Der Sumpfschachtelhalm mahnt uns zur Demut vor der Natur – und zur Achtung vor dem alten Wissen.

Schachtelhalm – Die stille Pflanze, die Wunden heilt

 

Schachtelhalm (Equisetum arvense)

Schachtelhalm – Die stille Pflanze, die Wunden heilt

Ein Streifzug durch die Klostermedizin und das alte Wissen des Dioskurides

Es gibt Pflanzen, die laut schreien – mit Farben, Düften und prunkvollen Blüten. Und es gibt Pflanzen wie den Schachtelhalm (Equisetum arvense) – unscheinbar, fast vergesslich, aber mit einer Kraft, die durch Jahrtausende getragen wurde.

Als ich zum ersten Mal über Schachtelhalm las, war ich überrascht: So eine einfache Pflanze – und doch war sie einst Teil der medizinischen Grundausstattung römischer Feldärzte und späterer Klostergärten.

Und der erste, der sie in Worte fasste, war kein geringerer als Dioskurides.

Dioskurides – der erste Pflanzenchronist

Im ersten Jahrhundert nach Christus reiste Pedanios Dioskurides, ein griechischer Arzt im Dienst der römischen Armee, durch weite Teile des Mittelmeerraums. Überall sammelte er Wissen über Heilpflanzen – nicht aus Neugier, sondern aus Notwendigkeit. In seinem Werk „De Materia Medica“, das später in den Klöstern kopiert, übersetzt und weitergegeben wurde, beschreibt er auch den Schachtelhalm.

Er nannte ihn „Hippuris“ – Pferdeschwanz – und setzte ihn bei:

  • blutenden Wunden,

  • schwierigen Harnlassen,

  • Entzündungen und Geschwüren ein.

Er empfahl, die Pflanze zu trocknen, zu pulverisieren und äußerlich auf Wunden zu streuen. In seinen Augen war sie ein Mittel, das still heilt – ohne Aufsehen, aber mit Wirkung.

Im Mittelalter – eine Pflanze der Armen, aber voller Macht

In der Klostermedizin war Schachtelhalm keine „edle“ Pflanze. Er wurde nicht wie Rose oder Salbei verehrt. Und doch: Die Nonnen und Mönche kannten seinen Wert.

Hildegard von Bingen erwähnte ihn nicht direkt, aber in den Klosterhandschriften taucht er immer wieder auf – als Zutat in Wundsalben, in Heilbädern für erschöpfte Körper, als Diuretikum bei Wassereinlagerungen und sogar zur Stärkung des Bindegewebes.

Er war da – in der Stille. Verlässlich.

Warum ich ihn heute schätze

Wenn ich heute durch den Wald gehe und am Bachufer Schachtelhalm entdecke, sehe ich keine „Unkrautpflanze“.
Ich sehe eine uralte Verbindung – zu Mönchen und Nonnen, zu weisen Frauen, zu Dioskurides.
Ich sehe Hände, die heilten. Geduld, die pflegte. Hoffnung, die wartete.

Schachtelhalm wächst dort, wo Wasser fließt – wie das Wissen, das durch die Zeiten rinnt.
Still, hartnäckig, heilend.
Ein grüner Faden zwischen dem Gestern und dem Heute.

Ich trockne ihn, mische ihn in Bäder bei Rückenschmerzen, nutze ihn für Haarspülungen bei Haarausfall oder trinke einen leichten Aufguss bei Blasenbeschwerden.

Er erinnert mich daran: Heilung ist oft leise. Und Pflanzen wie der Schachtelhalm sind ihre treuen Begleiter.


Quelleninspiration:

  • De Materia Medica, Dioskurides

  • Klosterhandschriften, Übersetzungen aus dem 12. Jh.

  • Eigene Beobachtungen und Anwendungen


Weinraute – Die starke Pflanze mit zarter Seele

Weinraute (Ruta graveolens)

Es gibt Pflanzen, die einem schon beim ersten Kontakt das Gefühl geben, dass sie mehr sind als nur Kräuter im Garten. Für mich ist die Weinraute (Ruta graveolens) genau so eine Pflanze. Stark im Duft, fast schroff im Wesen – und doch eine alte Heilerin mit einer tiefen, schützenden Energie.

Schon in der Antike wurde sie von Dioskurides beschrieben – als eine Pflanze mit großem Heilpotenzial. Ihr bitterer Geschmack und ihr intensives Aroma täuschen nicht: Diese Pflanze will nicht jedem gefallen. Aber wer sich auf sie einlässt, spürt schnell ihre Wirkung.

 Wofür wurde Weinraute früher verwendet?

In De Materia Medica schreibt Dioskurides, dass Weinraute vielseitig einsetzbar ist:

  • Sie stärkt das Herz und beruhigt die Nerven

  • Fördert die Verdauung

  • Hilft bei Menstruationsbeschwerden

  • Gilt als Gegengift bei Schlangenbissen

  • Wurde sogar zur Stärkung der Sehkraft empfohlen

Auch in Klostergärten war sie beliebt – nicht zuletzt, weil man glaubte, sie könne negative Einflüsse fernhalten. Manche trugen sie als Schutz-Amulett.

Persönliche Verbindung

Ich habe die Weinraute vor Jahren in einem alten Garten entdeckt. Ihr Geruch war mir erst fremd – fast unangenehm. Doch ich habe gelernt, dass genau darin ihre Kraft liegt: Sie zeigt klar ihre Grenzen und wirkt doch heilend, wenn man sie mit Respekt behandelt. Eine Pflanze für Menschen, die lernen, ihre eigene Stärke zu achten.

Ein Hauch Magie

In der Volksmagie galt die Weinraute als schützende Pflanze – gegen den „bösen Blick“ und andere energetische Störungen. Vielleicht liegt ihre Wirkung weniger im Physischen und mehr im Seelischen?

 Fazit

Die Weinraute ist keine Pflanze für jedermann. Aber für jene, die bereit sind, ihr zuzuhören, kann sie eine tiefgreifende Begleiterin sein. Eine Grenzgängerin zwischen Heilung und Schutz – genau wie viele Frauen in der Pflanzenheilkunde früherer Zeiten.

Avicenna (Ibn Sina) – Die Weisheit des Ostens in Europas Klostermedizin

 

Avicenna (Ibn Sina)

Heilpflanzen im Licht des „Kanon der Medizin“

Im Schatten der mittelalterlichen Klostermauern Europas flüsterten nicht nur lateinische Manuskripte – auch die Weisheit des Orients fand ihren Weg in die Heilkunst. Einer ihrer größten Übermittler war Avicenna, bekannt auch als Ibn Sina, ein persischer Arzt, Philosoph und Universalgelehrter des 11. Jahrhunderts.

Der „Kanon der Medizin“ – Ein Brückenschlag zwischen Welten

Avicennas Hauptwerk, der „Kanon der Medizin“ (al-Qānūn fī aṭ-Ṭibb), wurde im 12. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt und avancierte zum Standardwerk der europäischen Medizinuniversitäten – sogar bis ins 17. Jahrhundert.

Doch was ihn so besonders macht, ist nicht nur das medizinische Wissen, sondern die Verbindung von griechischer, römischer, arabischer und persischer Heilkunde, durchdrungen von einer tiefen spirituellen Dimension.

Pflanzen als Mittler zwischen Körper und Seele

In Avicennas Sicht waren Pflanzen nicht nur stoffliche Heilmittel, sondern Ausdruck einer kosmischen Ordnung. Jede Pflanze hatte einen Platz, eine Aufgabe – und eine innere Qualität. Besonders geschätzt wurden:

  • Rosenblüten (Rosa damascena) – für Herz, Nerven und das Gemüt

  • Myrrhe (Commiphora myrrha) – als Reinigungsmittel für Wunden und Seele

  • Süßholz (Glycyrrhiza glabra) – zur Linderung innerer Hitze und seelischer Spannungen

  • Kümmel und Schwarzkümmel – zur Stärkung des „inneren Feuers“ (Verdauung & Lebensgeist)

🜂 Die Elemente & die Pflanzennatur

Wie auch Hildegard von Bingen unterschied Avicenna zwischen Temperamenten und Elementen (Feuer, Wasser, Luft, Erde). Jede Pflanze hatte eine Qualität – warm, kalt, trocken oder feucht – und wurde entsprechend zur Harmonisierung der Körpersäfte eingesetzt.

Erbe für die Klostergärten

Obwohl Avicenna aus dem islamischen Raum stammte, war sein Einfluss in christlichen Klöstern tiefgreifend. Mönche und Nonnen studierten seine Werke, kopierten seine Erkenntnisse, und viele seiner Empfehlungen fanden Eingang in die klösterlichen Herbarien und Gärten.

Eine Brücke der Heilung

Avicenna steht heute für eine Medizin, die weit über Symptome hinausblickt – sie sucht Gleichgewicht, Sinn und Ganzheit. Seine Heilkunde verbindet Himmel und Erde, Wissenschaft und Mystik, Blatt und Gebet.

Eberraute (Artemisia abrotanum) – Ein Hauch von Sommerweisheit

An einem stillen Sommertag im Kräutergarten eines alten Klosters bewegt sich eine zarte Pflanze im Wind. Die Eberraute – heute fast vergessen – war einst ein treuer Begleiter der klösterlichen Heilkunst. Ihr lateinischer Name, Artemisia abrotanum, klingt nach antiker Weisheit und erinnert an Zeiten, in denen Pflanzen nicht nur zur Heilung, sondern auch zur geistigen Klärung dienten.

Eine Pflanze mit Wurzeln in der Antike

Bereits die alten Griechen kannten sie unter dem Namen Abrotonon. Die Römer verwendeten sie bei Reinigungsritualen und als Mittel gegen Melancholie. Im Mittelalter wurde sie Teil der klösterlichen Heilkunde. Hildegard von Bingen empfahl sie zur Stärkung des Körpers und zur Reinigung des Geistes. In vielen Kräuterbüchern jener Zeit wird sie als Pflanze beschrieben, die sowohl auf den Körper als auch auf die Seele wirkt.

Symbolik der Eberraute

  • Sie galt als Schutzpflanze gegen böse Geister, schlechte Träume und seelische Unruhe.
  • In ihrer bitteren Note sah man ein Symbol für Selbstdisziplin und Mäßigung.
  • Ihre Klarheit und Stärke standen für geistige Entschlossenheit, besonders im männlichen Prinzip.
  • Als Sommerpflanze symbolisierte sie Reife, Vollendung und das innere Erblühen.

Anwendung in der Klostermedizin

Getrocknete Eberraute wurde in kleinen Säckchen mitgeführt, um negative Einflüsse fernzuhalten. Ihr Duft wurde genutzt, um Räume zu reinigen – sowohl physisch als auch energetisch. Die Pflanze fand Anwendung bei Verdauungsproblemen, zur Stärkung des Immunsystems und zur Beruhigung des Gemüts.

Eine fast vergessene Begleiterin

Heute findet man die Eberraute nur noch selten in Gärten. Doch in jedem ihrer feinen, gefiederten Blätter lebt ein Stück vergangener Zeit. Wer sie wiederentdeckt, findet nicht nur ein Heilkraut, sondern einen stillen Begleiter – eine Gnade des alten Sommers.

Quellen

Gefleckter Schierling – Die tödliche Schönheit der Antike

 

Gefleckter Schierling-Conium maculatum


Lateinischer Name: Conium maculatum
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

Manche Pflanzen erzählen Geschichten, die einen schaudern lassen – und der Gefleckte Schierling ist eine davon. Schon beim Namen spüre ich Ehrfurcht: Diese Pflanze steht für eine dunkle Seite der Natur, eine stille, giftige Kraft, die im Verborgenen wächst.

Was ist Gefleckter Schierling?

Der Gefleckte Schierling ist eine wildwachsende Pflanze, die an Wegrändern, Böschungen oder auf Brachflächen gedeiht. Ihre Stängel sind violett gefleckt – ein Merkmal, das ihr den Namen gab. Sie verströmt einen auffallend unangenehmen, petersilienähnlichen Geruch, der erfahrene Sammler sofort aufhorchen lässt. Ihre Blätter erinnern auf erschreckende Weise an Petersilie oder Kerbel – genau das hat in der Vergangenheit zu gefährlichen Verwechslungen geführt.

Ursprünglich stammt die Pflanze aus Europa, Nordafrika und Westasien. Heute findet man sie auch in vielen anderen Regionen – meist unbeachtet, doch nicht ungefährlich.

Warum ist sie so gefährlich?

Der Schierling enthält starke Alkaloide, allen voran Coniin und γ-Conicein. Diese Stoffe greifen das zentrale Nervensystem an und können schon in kleinsten Mengen zu schwerwiegenden Vergiftungen führen. Erste Symptome wie Schwindel, Kribbeln und Muskelschwäche treten oft innerhalb von 30 bis 60 Minuten auf. Ohne rasche medizinische Hilfe kann es zu Lähmungen und schließlich zu Atemstillstand kommen.

Ein Blick in die Geschichte

Der bekannteste Fall einer Schierling-Vergiftung ist der Tod des griechischen Philosophen Sokrates. Ihm wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. ein Trank aus Schierling als Hinrichtung verabreicht – ein „milder“ Tod, wie es damals hieß.

Im Mittelalter war die Pflanze vor allem gefürchtet. Zwar wurde sie in einigen medizinischen Handschriften erwähnt, doch nur äußerst selten verwendet – zu groß war das Risiko. In der Volksmagie dagegen galt sie als Pflanze des Saturns, oft mit düsteren Schutzritualen verbunden. Das zeigt, wie tief der Respekt (und die Angst) vor dieser Pflanze saß.

Was sagt die moderne Wissenschaft?

Heute wird der Gefleckte Schierling in der Pflanzenheilkunde nicht mehr genutzt. Er ist zu giftig, seine Risiken zu hoch. In der pharmazeutischen Forschung allerdings wird untersucht, ob sich bestimmte Wirkstoffe – in synthetisierter, kontrollierter Form – eventuell in der Krebstherapie einsetzen lassen könnten. Diese Studien finden jedoch ausschließlich unter strengsten Bedingungen statt.

Wichtiger Hinweis zur Verwechslungsgefahr

Ein besonders heikles Thema ist die Ähnlichkeit des Schierlings mit essbaren Wildkräutern. Gerade junge Pflanzen können leicht mit Petersilie, Wiesen-Kerbel oder Wiesen-Kümmel verwechselt werden. Das kann tragisch enden – deshalb gilt: Nur sammeln, was du absolut sicher erkennst. Im Zweifel lieber verzichten.

Fazit

Der Gefleckte Schierling ist für mich ein Beispiel für die Kraft – und die Grenzen – der Naturheilkunde. Er zeigt, wie wichtig Wissen, Erfahrung und Vorsicht im Umgang mit Wildpflanzen sind.

Seine Geschichte erinnert uns daran, dass nicht jede Pflanze, die unscheinbar am Wegesrand wächst, harmlos ist. Und dass Heilung immer auch mit Verantwortung beginnt.

Myrrhe, das heilige Harz


Ein Schatz aus der Wüste, getragen durch die Jahrhunderte

Myrrhe ist mehr als nur ein duftendes Harz. Für mich ist sie wie ein altes, stilles Geheimnis der Erde – ein Geschenk, das uns Menschen seit Jahrtausenden begleitet. Bereits in der Antike galt sie als kostbar, wurde in Tempeln geopfert, in Salbungen verwendet und als Medizin verehrt. Und im Mittelalter, hinter den dicken Mauern der Klöster, fand sie ihren festen Platz in der Heilkunde der Mönche und Nonnen.

Was genau ist Myrrhe?

Myrrhe stammt von den Bäumen der Gattung Commiphora, die vor allem in trockenen Regionen wie Somalia oder dem Jemen wachsen. Wenn man die Rinde vorsichtig einritzt, tritt ein dicker, milchiger Saft aus, der an der Luft zu einem goldbraunen, manchmal rötlichen Harz erstarrt. Der Duft ist würzig, balsamisch, fast mystisch – wie ein Hauch von Wüste, Geschichte und heiliger Stille.

Wie wirkte Myrrhe – und warum?

Die Menschen damals wussten nicht, was ein „antibakteriell“ oder „antimykotisch“ bedeutet – aber sie beobachteten genau. Wenn sie das Harz auf entzündete Wunden auftrugen, heilten diese schneller. Bei Mundgeschwüren wirkte eine Spülung mit Myrrhetinktur beruhigend und schmerzlindernd. Bei Pilzinfektionen zeigte sich, dass sie das Wachstum hemmte. Und wer in ihrer Nähe räucherte, fühlte sich oft ruhiger, gesammelt, fast wie gereinigt.

Die heilenden Eigenschaften der Myrrhe entfalteten sich auf vielen Ebenen – äußerlich auf Haut und Schleimhäuten, innerlich auf den Verdauungstrakt, und geistig durch ihre aromatische Tiefe.

Myrrhe im Mittelalter

In der Welt der Klostermedizin war Myrrhe ein fester Bestandteil der Heilmittel. Mönche wie Hildegard von Bingen schätzten ihre Wirkung gegen Entzündungen und Hautkrankheiten.

Sie stellten Tinkturen her, mit denen man entzündetes Zahnfleisch oder Aphthen behandeln konnte.
Salben mit Myrrhe wurden bei Ekzemen, Hämorrhoiden oder Pilzerkrankungen wie Nagelpilz verwendet.
Auch als Räucherwerk hatte sie ihren Platz – sie reinigte nicht nur Räume, sondern auch die Gedanken.

Für viele war sie nicht nur ein Heilmittel, sondern auch ein spiritueller Schutz.

Und heute?

Auch heute noch ist Myrrhe ein wertvoller Bestandteil der Naturheilkunde. In Reformhäusern und Apotheken findet man sie in verschiedenen Formen:

  • Als ätherisches Öl für die Duftlampe oder zur Hautpflege

  • Als Tinktur zur Mundspülung oder äußerlichen Anwendung

  • Als Bestandteil von Salben bei Hautproblemen

  • In Kapselform zur Unterstützung bei Darmentzündungen

Ein paar Hinweise zur Anwendung

Wichtig ist: Ätherisches Myrrheöl sollte nie unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden.
In der Schwangerschaft sollte man auf Myrrhe verzichten oder sie nur nach Rücksprache mit einem Arzt verwenden.
Auch bei innerlicher Anwendung ist Vorsicht geboten – hier empfiehlt sich immer eine fachliche Beratung.

Fazit

Myrrhe ist für mich wie ein leiser Begleiter durch die Zeiten. Ein Geschenk der Erde, das uns daran erinnert, wie viel Weisheit in der Natur liegt. Ob im Kloster des Mittelalters oder im modernen Alltag – sie heilt, beruhigt und verbindet uns mit einer tieferen Ebene des Seins.

Mittelalterliche Hildegard-Tinktur und Pilzpulver gegen Nagelpilz

Pear-Tree Mushroom


Im Mittelalter galt Nagelpilz (Onychomykose) als hartnäckiges Leiden. Hildegard von Bingen beschrieb einen ungewöhnlichen, aber wirkungsvollen Klostertrank: eine Kombination aus Birkenrinden-Tinktur und einem Pilz, der auf Birnenbäumen wuchs („Pear-Tree Mushroom“). In diesem Artikel stellen wir dir das originale Rezept vor und erläutern die Zubereitung und Anwendung beider Heilmittel.

Zutaten und ihre Wirkung

  1. Birkenrinde (Betula pendula)

    • Wirkstoffe: Betulin, Betulinsäure – wirken entzündungshemmend und pilzhemmend.

    • Mittelalterlicher Gebrauch: Sammeln junger Rindenstücke im Frühling.

  2. Ox-Galle (Bovis fel)

    • Traditionelle Rolle: Förderte die Durchfeuchtung der Pilzzubereitung und half, die Wirkstoffe zu aktivieren.

  3. „Pear-Tree Mushroom”

    • Ein holzbewohnender Pilz, der an abgestorbenen Birnenbaumzweigen wuchs.

    • Anwendung: Trocknen und zerkleinern zu Pulver; in Ox-Galle getränkt, zur lokalen Nagelbehandlung.

Birkenrinden-Tinktur

Zutaten

  • 50 g getrocknete Birkenrinde (klein geschnitten)

  • 250 ml Weingeist (mind. 60 % Alkohol)

Zubereitung

  1. Die Rindenstücke in ein Glasgefäß geben.

  2. Mit Weingeist bedecken und verschließen.

  3. 4–6 Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen, täglich leicht schütteln.

  4. Durch ein feines Sieb oder Tuch abseihen und in einer dunklen Flasche aufbewahren.

Anwendung

  • Täglich 2 × mit einem Wattestäbchen sparsam auf die gereinigte Nageloberfläche auftragen.

  • Auch als Fußbad (30 ml Tinktur auf 1 l warmes Wasser) für 15 Minuten geeignet.

Hildegards Pilz-„Elixier”

Zutaten

  • Ein Pilzstück („Pear-Tree Mushroom”) so breit wie der betroffene Nagel

  • 1 TL Ox-Galle

Zubereitung & Anwendung

  1. Pilzstück in Ox-Galle einweichen, bis es gut durchfeuchtet ist.

  2. Auf den gereinigten Nagel auflegen und mit einem Pflaster fixieren.

  3. Nach 24 Stunden abnehmen, Pilz erneut in Galle tauchen und nochmals auflegen.

  4. Wiederhole den Vorgang 2–3 Tage hintereinander.

Historischer Hintergrund

Hildegard von Bingen (1098–1179) erfasste in ihren Schriften das Wissen um Kräuter und Pilze. Sie empfahl speziell die Kombination aus galleraktiviertem Pilz und Birkenrinde gegen hartnäckige Pilzinfektionen. Klöster wurden so zu wichtigen Zentren der Kräuterheilkunde und legten Grundsteine für die spätere Phytotherapie.

Fazit

Die mittelalterlichen Klostermediziner kannten erstaunlich wirkungsvolle Rezepte gegen Nagelpilz. Mit der Birkenrinden-Tinktur und dem Pear-Tree Mushroom-Pulver kannst du heute noch auf diese jahrhundertealte Tradition zurückgreifen. Probiere die Tinktur als Fußbad und die Pilz-Anwendung direkt auf dem Nagel – und erlebe die Kraft der Klostergärten!


Die Pflanze hinter dem Bier, die unsere Nerven versteht

Humulus Lupulus Ich bin keine Biertrinkerin. Das war ich nie, aber wenn es draußen sehr heiß ist, trinke ich gern ein kleines Bier auf ex. ....