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| Amarant |
Es gibt Pflanzen, die man nicht nur betrachtet oder nutzt, sondern die man in sich trägt. Pflanzen, die bleiben.
Der Amarant gehört zu ihnen – eine Pflanze, der ich mich in letzter Zeit bewusst angenähert habe.
Sein Name stammt aus dem Altgriechischen amarantos und bedeutet „der Unverwelkliche“. Schon dieses Wort deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Pflanze handelt. Der Amarant steht für Beständigkeit, für Leben, das nicht einfach vergeht, auch wenn vieles andere verschwindet.
Er wächst aufrecht, mit dichten, oft tief rot-purpurnen Blütenständen, die an stille Flammen erinnern. In alten Kulturen war diese Farbe kein bloßer Schmuck, sondern ein Zeichen von Lebenskraft und innerer Stärke.
Eine alte Pflanze mit langer Geschichte
Der botanische Gattungsname Amaranthus umfasst zahlreiche Arten. In der Antike und vor allem in den präkolumbischen Kulturen Mittel- und Südamerikas galt der Amarant als eine der wichtigsten Nutzpflanzen. Für die Azteken war er ein Grundnahrungsmittel – vergleichbar mit Mais oder Weizen – und wurde wegen seiner nährenden Samen hoch geschätzt.
In Europa hingegen geriet der Amarant im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Er wurde teils als Zierpflanze kultiviert, teils als Unkraut betrachtet. Doch wie sein Name es verspricht, blieb er dennoch erhalten – still wachsend, widerstandsfähig, unbeirrbar.
Amarant als Nahrung
Die Samen des Amarants sind klein, aber außergewöhnlich reich an Nährstoffen. Sie enthalten hochwertiges pflanzliches Eiweiß, Eisen und Kalzium und sind von Natur aus glutenfrei. In früheren Zeiten schätzte man solche Pflanzen nicht wegen Trends, sondern weil sie den Menschen Kraft gaben und das Überleben sicherten.
Auch die Blätter des Amarants sind essbar. In vielen Regionen wurden sie ähnlich wie Spinat zubereitet und galten als leicht verdaulich und stärkend.
Traditionelle medizinische Verwendung
In der Volksheilkunde war der Amarant keine spektakuläre Heilpflanze, sondern eine stille Begleiterin. Seine Blätter wurden verwendet, um den Magen-Darm-Trakt zu beruhigen, bei allgemeiner Schwäche oder in Zeiten der Erholung nach Krankheit.
Er versprach keine schnellen Wunder, sondern unterstützte den Körper sanft dabei, wieder ins Gleichgewicht zu finden.
Die symbolische Kraft des Unverwelklichen
Vielleicht liegt die tiefste Bedeutung des Amarants nicht in seiner äußeren Verwendung, sondern in seinem Symbolgehalt. Als „unverwelkliche“ Pflanze wurde er in alten Texten und Traditionen zum Sinnbild für Unvergänglichkeit, für die Seele, die bleibt, und für Wissen, das nicht verloren geht.
Auch in frühchristlichen und mittelalterlichen Zusammenhängen taucht der Amarant als Zeichen des ewigen Lebens und der Treue zum inneren Weg auf. Er erinnert daran, dass es im Menschen etwas gibt, das Zeit und Wandel überdauert.
Für Herz, Seele und gelebte Praxis
Der Amarant vereint, was altes Pflanzenwissen ausmacht: Er nährt den Körper, spricht die Seele an und lässt sich mit den Händen erfahren – durch Ernten, Zubereiten, Bewahren.
Er ist eine Pflanze, die wenig fordert und viel schenkt. Eine Pflanze der stillen Stärke. Vielleicht passt er deshalb so gut zu einer Sammlung kleiner Fragmente alten Wissens. Denn wahres Wissen ist nicht laut. Es vergeht nicht. Es bleibt.
Inspiration und Quellen:
– altgriechische Wortherkunft amarantos
– traditionelle Nutzung in präkolumbischen Kulturen
– europäische Volksheilkunde
– mittelalterlicher Pflanzensymbolismus
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