Die Pflanzen, die im Traum sprachen – Verbotenes Kräuterwissen aus Kloster und Herbarium


Über vergessenes Klosterwissen, verborgene Herbariumsseiten und das Schweigen um visionäre Pflanzen


Es hat zu allen Zeiten Pflanzen gegeben, über die man nicht auf dem Marktplatz sprach. Nicht, weil sie selten gewesen wären, sondern weil sie nur jenen bekannt waren, die das Schweigen kannten. Pflanzen, die man nicht beiläufig sammelte, nicht in alltägliche Tees mischte und nicht jedem empfahl. Sie heilten nicht nur den Körper, sondern berührten etwas Schwererfassbares – den Traum, die Schwelle zwischen den Welten, jene inneren Bilder, die erscheinen, wenn die Augen geschlossen sind, der Geist aber wach bleibt.

Im alten Europa, lange bevor Handschriften bereinigt und Sprache gezähmt wurde, gehörten diese Pflanzen zu einem stillen Wissen. Die Kräuterfrauen kannten sie, die Dorfheiler ebenso, und – was heute oft vergessen wird – auch manche Mönche. Nicht als Tore zum Rausch, sondern als Wesen von großer Kraft, die Maß, Fasten und innere Vorbereitung verlangten.

Die Alraune mit ihrer fast menschlichen Wurzel galt als Schwellenpflanze. Sie wurde selten verwendet, und wenn, dann mit Vorsicht und Respekt. Das Bilsenkraut, schwer im Geruch und eigenwillig in seiner Wirkung auf den Traum, taucht in frühen Herbariumschriften oft ohne ausführliche Erklärung auf – als hätten die Schreiber gewusst, dass nicht alles ausgesprochen werden darf. Und Artemisia, der Beifuß, die Pflanze der Übergänge und des Traumes, wurde geduldet, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Man sprach von Verdauung, von Schutz, von Frauenleiden – doch über das, was sie in langen Nächten mit dem Schlaf tat, schwieg man.

Mit der Zeit werden diese Beschreibungen dünner. Die Pflanzen verschwinden nicht aus der Natur, sondern aus der Sprache. Sie bleiben, doch ihre Bedeutung wird reduziert, ihre Tiefe verschwiegen.


Träume im Kloster – bevor sie gezähmt wurden

In der frühen monastischen Tradition war der Traum kein nebensächliches Phänomen. Die ersten Mönche wussten, dass der Traum ein verletzlicher Raum ist – aber auch ein Ort der Offenbarung. Die Heiligen Schriften waren voller Träume: warnende Träume, richtungsweisende Träume, Träume, die Schicksale veränderten. Eine feste Dogmatik existierte noch nicht. Stattdessen gab es die Kunst der Unterscheidung, das feine Gespür dafür, ob ein Traum aus Unruhe oder aus innerer Klarheit geboren war.

Einige Mönche führten Traumaufzeichnungen, nicht zur Analyse, sondern zur Selbstbeobachtung. Ein unruhiger Traum galt als Zeichen innerer Disharmonie, ein klarer Traum als Spiegel eines geordneten Seelenzustands.

In diesem Kontext waren Pflanzen, die den Schlaf beeinflussten, nichts Fremdes. Sie wurden nicht genutzt, um Visionen zu erzwingen, sondern um die innere Stille zu vertiefen. Doch genau hier verlief eine unsichtbare Grenze. Denn wo der Traum zu lebendig, zu persönlich, zu unmittelbar wird, entzieht er sich der Kontrolle. Offenbarung ohne Vermittlung wurde problematisch.

So begann die allmähliche Zähmung des Traumes. Man sprach zunehmend von Gefahr, von Täuschung, von falschen Einflüssen. Pflanzen, die diesen Raum „zu stark“ berührten, wurden nicht mehr empfohlen. Sie wurden nicht ausdrücklich verboten – aber sie verschwanden aus dem offenen Diskurs. Das Schweigen wurde zur Schutzmaßnahme. Oder zur Zensur.


Die vergessenen Pflanzen der mittelalterlichen Herbariumsseiten

Wer mittelalterliche Herbariumschriften aufmerksam liest, bemerkt etwas Eigenartiges. Manche Pflanzen werden mit außergewöhnlicher Sorgfalt beschrieben, andere erscheinen fast schemenhaft, ohne Tiefe, ohne Kontext, ohne Geschichte. Als hätten die Schreiber bewusst Lücken gelassen.

Es gibt Pflanzen, die nur einmal erwähnt werden und danach nie wieder auftauchen. Randnotizen sprechen von „starker Wirkung“, ohne Erklärung. Warnungen bleiben vage. Diese Leerstellen sind keine Zufälle. Sie sind Spuren eines Wissens, das nicht verloren ging, sondern zurückgezogen wurde.

Während Europa lernte, dem zu misstrauen, was sich nicht kontrollieren ließ, bewahrten andere Kulturen dieselbe Beziehung zu den Pflanzen – ohne Angst.


Der Amazonas und das Wissen, das nicht verstummte

Im Amazonasgebiet wurden Pflanzen mit DMT-haltiger Wirkung niemals aus ihrem Zusammenhang gerissen. Sie wurden nicht isoliert, nicht analysiert, nicht von ihrem rituellen Rahmen getrennt. Sie blieben eingebettet in Vorbereitung, Stille, Beziehung.

Dort empfand man keine Notwendigkeit, sie zu verbergen, weil sie keine zentrale Offenbarungsautorität bedrohten. Die Pflanze sprach nicht über den Schamanen hinweg, nicht gegen die Gemeinschaft – sie sprach durch sie.

Der Unterschied liegt nicht in der Substanz, sondern in der Haltung. In Europa wurde die Fähigkeit der Pflanzen, innere Tore zu öffnen, verdächtig. Im Amazonas blieb sie heilig.

Nicht DMT ist das Problem, sondern die Frage, die es stellt: Wenn die Natur direkt zum Menschen sprechen kann – was geschieht dann mit der Autorität?


Die pflanzliche Erinnerung

Die Pflanzen selbst haben nichts vergessen. Sie kennen keine Verbote, keine Dogmen, keine Epochen. Sie wachsen unverändert weiter. Verloren ging nicht die Substanz, sondern der Mut zuzuhören.

Die Klöster wählten das Schweigen. Der Amazonas wählte die Kontinuität. Asien wählte das Gleichgewicht. Die moderne Welt wählte die Analyse.

Doch irgendwo zwischen Traum und Gebet, zwischen Blatt und Manuskript, existiert noch immer ein Wissen, das nicht gelehrt, sondern erkannt wird.

Das ist die pflanzliche Erinnerung.
Und sie verlangt nicht genutzt zu werden – nur erinnert.


Das verbotene Herbarium – Pflanzen, die Wissen und Träume öffnen

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Inspiration & Quellen 

– Mittelalterliche europäische Herbariumschriften (12.–15. Jh.)
– Frühe monastische Texte über Traum und geistige Unterscheidung
– Ethnobotanische Studien aus dem Amazonasgebiet
– Überlieferungen zu sogenannten „lehrenden Pflanzen“


Amarant – die Pflanze, die nicht vergeht

 

Amarant 

Es gibt Pflanzen, die man nicht nur betrachtet oder nutzt, sondern die man in sich trägt. Pflanzen, die bleiben.
Der Amarant gehört zu ihnen – eine Pflanze, der ich mich in letzter Zeit bewusst angenähert habe.

Sein Name stammt aus dem Altgriechischen amarantos und bedeutet „der Unverwelkliche“. Schon dieses Wort deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Pflanze handelt. Der Amarant steht für Beständigkeit, für Leben, das nicht einfach vergeht, auch wenn vieles andere verschwindet.

Er wächst aufrecht, mit dichten, oft tief rot-purpurnen Blütenständen, die an stille Flammen erinnern. In alten Kulturen war diese Farbe kein bloßer Schmuck, sondern ein Zeichen von Lebenskraft und innerer Stärke.

Eine alte Pflanze mit langer Geschichte

Der botanische Gattungsname Amaranthus umfasst zahlreiche Arten. In der Antike und vor allem in den präkolumbischen Kulturen Mittel- und Südamerikas galt der Amarant als eine der wichtigsten Nutzpflanzen. Für die Azteken war er ein Grundnahrungsmittel – vergleichbar mit Mais oder Weizen – und wurde wegen seiner nährenden Samen hoch geschätzt.

In Europa hingegen geriet der Amarant im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Er wurde teils als Zierpflanze kultiviert, teils als Unkraut betrachtet. Doch wie sein Name es verspricht, blieb er dennoch erhalten – still wachsend, widerstandsfähig, unbeirrbar.

Amarant als Nahrung

Die Samen des Amarants sind klein, aber außergewöhnlich reich an Nährstoffen. Sie enthalten hochwertiges pflanzliches Eiweiß, Eisen und Kalzium und sind von Natur aus glutenfrei. In früheren Zeiten schätzte man solche Pflanzen nicht wegen Trends, sondern weil sie den Menschen Kraft gaben und das Überleben sicherten.

Auch die Blätter des Amarants sind essbar. In vielen Regionen wurden sie ähnlich wie Spinat zubereitet und galten als leicht verdaulich und stärkend.

Traditionelle medizinische Verwendung

In der Volksheilkunde war der Amarant keine spektakuläre Heilpflanze, sondern eine stille Begleiterin. Seine Blätter wurden verwendet, um den Magen-Darm-Trakt zu beruhigen, bei allgemeiner Schwäche oder in Zeiten der Erholung nach Krankheit.

Er versprach keine schnellen Wunder, sondern unterstützte den Körper sanft dabei, wieder ins Gleichgewicht zu finden.

Die symbolische Kraft des Unverwelklichen

Vielleicht liegt die tiefste Bedeutung des Amarants nicht in seiner äußeren Verwendung, sondern in seinem Symbolgehalt. Als „unverwelkliche“ Pflanze wurde er in alten Texten und Traditionen zum Sinnbild für Unvergänglichkeit, für die Seele, die bleibt, und für Wissen, das nicht verloren geht.

Auch in frühchristlichen und mittelalterlichen Zusammenhängen taucht der Amarant als Zeichen des ewigen Lebens und der Treue zum inneren Weg auf. Er erinnert daran, dass es im Menschen etwas gibt, das Zeit und Wandel überdauert.

Für Herz, Seele und gelebte Praxis

Der Amarant vereint, was altes Pflanzenwissen ausmacht: Er nährt den Körper, spricht die Seele an und lässt sich mit den Händen erfahren – durch Ernten, Zubereiten, Bewahren.

Er ist eine Pflanze, die wenig fordert und viel schenkt. Eine Pflanze der stillen Stärke. Vielleicht passt er deshalb so gut zu einer Sammlung kleiner Fragmente alten Wissens. Denn wahres Wissen ist nicht laut. Es vergeht nicht. Es bleibt.


Inspiration und Quellen:
– altgriechische Wortherkunft amarantos
– traditionelle Nutzung in präkolumbischen Kulturen
– europäische Volksheilkunde
– mittelalterlicher Pflanzensymbolismus

Misteln – Die Pflanze zwischen den Welten

 


Die Mistel war schon immer eine Pflanze, die Respekt einflößte. Sie wächst nicht im Boden, folgt nicht den üblichen Regeln der Pflanzenwelt und scheint zwischen Himmel und Erde zu schweben. Deshalb galt sie schon in der Antike als Pflanze der Geheimnisse, des Schutzes und der spirituellen Heilung.

Nur wenige wissen jedoch, wie streng die eigentliche Erntepraxis war und welche Geheimnisse diese Pflanze umgaben.

Spannend ist, dass ich beim Durchblättern eines alten Buches in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien eine seltene Information fand — etwas, worüber heute kaum jemand spricht:
Man glaubte, dass selbst der Schatten der Mistel kein Eisen berühren durfte, sonst würde ihre heilige Energie schwächer werden. Eisen galt als zu dichtes, „irdisches“ Metall, das die feine Verbindung der Mistel zu den höheren Ebenen unterbrach.


Das heilige Ernteritual

Für Druiden und manche mittelalterlichen Heiler war das Sammeln der Mistel ein heiliger Akt, fast ein religiöses Ritual. Alles geschah nach genauen Regeln:

  • Sie wurde nur mit einer goldenen Sichel geschnitten, einem Metall, das mit Sonnenlicht, Reinheit und göttlichem Schutz verbunden ist. Gold durfte die Energie der Pflanze nicht „verunreinigen“.

  • Die Mistel wurde in ein weißes Tuch gelegt, damit kein Blatt den Boden berührt — sonst würde ihre magische Kraft verloren gehen.

  • Der Sammler durfte kein Eisen bei sich tragen.

  • Die Mistel wurde in Holz- oder Keramikgefäßen aufbewahrt — niemals in Metallgefäßen.

  • Die Ernte erfolgte meist zur Wintersonnenwende, wenn die „Tore zwischen den Welten“ als besonders offen galten.

Diese strenge Sorgfalt resultierte aus dem Glauben, dass die Mistel nicht vollständig zur irdischen Welt gehört. Sie ist eine „intermediäre“ Pflanze, ein Bogen zwischen den Energien: Sie ernährt sich nicht aus dem Boden, wächst nicht im Himmel, sondern lebt an der Grenze.


Mistel und ihre verborgenen Rituale

In den europäischen Traditionen galt die Mistel als eine der mächtigsten magischen Pflanzen. Hier einige weniger bekannte Anwendungen:

1. Das Ritual der drei Stille-Momente

Ein wenig bekanntes Ritual besagte, dass der Heiler drei Momente der Stille bewahren musste:

  • vor dem Schneiden der Pflanze

  • beim Platzieren in das weiße Tuch

  • und beim Ablegen an dem Ort, an dem sie getrocknet werden sollte

Diese Stille diente dazu, die Energie der Pflanze „einzuschließen“.

2. Prophetische Träume

Ein Mistelblatt unter dem Kissen in der Nacht der Sonnenwende sollte einen klaren Traum ermöglichen — sei es über Gesundheit oder den Lebensweg. Man glaubte, die Mistel, als Pflanze zwischen den Welten, „übersetze“ Botschaften, die der Mensch bewusst nicht wahrnehmen konnte.

3. Schutz vor destruktiven Energien

Manche mittelalterlichen Mönche hängten kleine Mistelzweige in Bibliotheken oder an Orte, wo Manuskripte aufbewahrt wurden, um sie vor Neid, Missgunst oder störenden Energien zu schützen. Diese Praxis ist wenig bekannt, taucht aber in einigen klösterlichen Chroniken auf.

4. Rituale der Versöhnung

In der nordischen Volksüberlieferung standen zwei zerstrittene Personen unter einem Mistelzweig, um Frieden zu schließen. Er symbolisierte die „Brücke zwischen den Welten“ und zugleich die Brücke zwischen Menschen.


Mistel zur Sonnenwende – Öffnung eines neuen Zyklus

Die Wintersonnenwende war der heiligste Moment für die Mistel. Man glaubte, dass sie:

  • das Haus vor den „Schatten des vergangenen Jahres“ schützt

  • Ruhe in die Familie bringt

  • den Geist klärt

  • und alles fernhält, was „dunkel oder disharmonisch“ ist

Deshalb wurden Mistelzweige an Türen, Fenstern oder im Gebetsraum der Häuser angebracht.


Mistel – zwischen Magie und Medizin

Neben ihrer rituellen und schützenden Rolle wurde die Mistel bereits im Mittelalter auch als Heilpflanze genutzt. Mönche und Heiler verwendeten sie, um den Blutdruck zu regulieren, das Nervensystem zu beruhigen oder das energetische Gleichgewicht des Körpers zu unterstützen. Meist wurden Blätter und Zweige getrocknet und als Aufguss oder Dekokt zubereitet, jedoch immer mit großer Vorsicht, da die Pflanze bei unsachgemäßer Anwendung giftig sein kann.

Heute werden Mistelpräparate nur in kontrollierten Dosen verwendet, und für den inneren Gebrauch wird immer eine fachliche Beratung empfohlen. In den klösterlichen Ritualen wurden Misteln eher für sanfte Aufgüsse oder Räucherungen genutzt, um Räume zu reinigen und Energien auszugleichen – eine Kombination von medizinischer Kraft und spiritueller Wirkung.


Warum fasziniert sie noch heute?

Die Mistel erzählt von Balance.
Sie gehört weder vollständig zur Erde noch zum Himmel.
Sie ist keine gewöhnliche Pflanze, kein klassisches Parasit, sondern etwas dazwischen — eine Brücke, ein Vermittler.

Vielleicht deshalb wird sie seit jeher mit Schutz, Heilung der Seele, Versöhnung und Klarheit des Geistes verbunden.

Wie die Druiden ihre Pflanzen sammelten – Zeiten, Rituale und verlorenes Wissen


Es gibt Wissen, das nicht in Büchern steht. Wissen, das man nur findet, wenn man frühmorgens über feuchte Wiesen geht, wenn der Nebel noch tief hängt und die Pflanzen aussehen, als würden sie atmen. Die Druiden kannten dieses Wissen. Für sie waren Pflanzen keine „Rohstoffe“, sondern Verbündete – Wesen, die man nur dann um Hilfe bitten durfte, wenn man die Regeln der Natur respektierte.

Alles, was wir heute über ihre Praktiken wissen, stammt jedoch aus den Schriften anderer – mittelalterlicher Mönche, antiker Autoren wie Plinius und Caesar, und aus mündlichen Überlieferungen, die über Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurden. Die Druiden selbst hinterließen keine eigenen Texte; ihr Wissen lebte in Ritualen, Worten und Gesten, die nur innerhalb ihres Kreises geteilt wurden.

In diesem Artikel möchte ich dir einen Einblick in die alten Sammelregeln geben: wann, wie und unter welchen Bedingungen Pflanzen geerntet wurden, um ihre volle Kraft zu entfalten.
Ein Teil dieses Wissens ist heute fast verloren – aber nicht vollständig.

Heilpflanzen zur Erdung – wenn du dich nicht zu Hause in dieser Welt fühlst


Es gibt Zeiten im Leben, in denen man durch den Tag geht und spürt, dass man eigentlich an einem anderen Ort sein müsste. Ein leiser Abstand zwischen dir und der Welt, die dich umgibt. Worte erreichen dich nicht vollständig, Geräusche wirken zu laut, Erwartungen zu schwer. Und irgendwo tief in dir entsteht dieser Gedanke: Ich bin hier, aber ich gehöre nicht wirklich dazu.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl gut. Dieses leichte Schwanken, körperlich oder seelisch. Dieses innere Ziehen, das nicht ganz Angst ist, sondern eher eine Müdigkeit der Seele.
Die Welt fühlt sich fremd an, zu schnell, zu laut oder zu eng. Und während alle anderen ihren Weg zu kennen scheinen, suchst du nach einem Ort in dir selbst, der sicher ist.

In alten Klöstern wurde dieses Gefühl seit Jahrhunderten beschrieben. Die Mönche nannten es das „Schweben des Geistes“ – ein Zustand, in dem Herz und Körper nicht mehr im gleichen Rhythmus gehen. Für diese Menschen gab es Pflanzen, die nicht nur beruhigten, sondern den Geist wieder an den Körper banden. Pflanzen, die erden.

Im Folgenden findest du vier solcher Pflanzen. Jede von ihnen ist wie eine kleine Brücke zurück zu dir selbst.


Baldrian – die Wurzel, die dich wieder in den Körper holt

Baldrian ist keine zarte Pflanze. Sie arbeitet tief. Die Wurzel trägt eine schwere, erdige Kraft, die den zerstreuten Geist zurück ins Innere zieht.
Für Menschen, die sich „neben sich“ fühlen, kann Baldrian ein erster Anker sein. Ein Baldriantee am Abend oder ein Bad für die Füße mit Baldrianwurzel schafft ein Gefühl von Rückkehr: Der Körper wird ruhiger, der Boden stabiler.


Melisse – der stille Begleiter für ein überreiztes Herz

Melisse ist für diejenigen, die zu viel wahrnehmen, zu schnell reagieren, zu stark fühlen.
Sie beruhigt nicht nur, sie ordnet. Die Mönche nannten sie „Herzensfrieden“, weil sie jene innere Unruhe löst, die dich aus der Welt drängt.
Mit Melisse findet der Atem einen ruhigeren Rhythmus, und das Gefühl der Fremdheit wird schwächer.


Alantwurzel – die Wurzel, die Wärme und Mut zurückbringt

Alant ist die Pflanze der inneren Stärke. Sie wurde genutzt, wenn Menschen das Gefühl hatten, ihre Mitte verloren zu haben.
Die Wurzel bringt Wärme in den Bauchraum – genau dort, wo Angst, Stress und Verunsicherung sich oft sammeln.
Alant gibt Stabilität, Kraft und ein Gefühl innerer Aufrichtung.
Für viele ist sie wie ein stilles „Ich bin wieder da“.


Weihrauch – der Atem der Klarheit

Weihrauch ist harzig, klar und alt. Trotz seiner himmlischen Note erdet er tiefer als viele Wurzeln.
Der Duft holt den Geist aus Gedanken und Sorgen zurück ins Jetzt.
Er klärt den Raum und den inneren Zustand.
Für Menschen, die sich fremd in ihrem eigenen Leben fühlen, kann eine kleine Weihrauchschale am Abend wie eine Rückkehr in die Stille sein.


Warum diese Pflanzen helfen

Nicht weil sie „magisch“ sind. Sondern weil der Körper oft vor dem Geist erkennt, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Erdende Pflanzen wirken dort, wo Gedanken nicht mehr helfen: im unteren Körper, im Atem, im Herzschlag.
Sie verlangsamen, verdichten, wärmen und holen dich zurück in deinen eigenen Rhythmus.

Wenn der Körper zur Ruhe kommt, findet die Seele den Weg nach Hause.


Manchmal schreibe ich solche Texte, weil ich selbst das Gefühl habe, nirgends richtig dazuzugehören.Weil mir die Welt zu laut wird, zu schnell, zu hart — und ich dann nach einem Ort suche, an dem ich wieder atmen kann. Nicht draußen, sondern in mir.

Heilpflanzen zur Erdung sind für mich keine Magie und kein „Sofort-Heilmittel“.
Aber sie sind kleine Wegweiser.
Sie erinnern mich daran, dass mein Körper ein Zuhause ist, das ich immer wieder betreten darf.
Dass ich zurückkehren kann — zu meinem Rhythmus, zu meinem Boden, zu mir.

Kraftvolle Heilpflanzen gegen Krebs, Parasiten und zur Stärkung des Körper

 


Manchmal, wenn ich die alten Manuskripte der Mönche lese oder die Geschichten aus der klösterlichen Medizin studiere, habe ich das Gefühl, dass der Mensch sich kaum verändert hat. Wir haben dieselben Ängste – Krankheit, Schwäche, das Unbekannte, das in uns wachsen kann, ohne dass wir es merken. Pflanzen waren niemals Magie, sondern vielmehr eine Sprache der Natur. Sie sind Unterstützung, keine Wunderlösung.

In diesem Artikel habe ich Heilpflanzen für dich zusammengestellt, die wissenschaftlich belegte Wirkungen auf den Körper haben: einige tragen zum Zellschutz bei, andere unterstützen die Immunbalance, und wieder andere haben antiparasitäre Eigenschaften.

Lokale und kombinierte Heilpflanzen mit realen Effekten

  • Schafgarbe (Achillea millefolium) + Klette (Arctium lappa)
    – Unterstützen die Leber, reinigen das Blut und schützen die Zellen vor oxidativem Stress.
    – Traditionell verwendet zur Reinigung des Körpers und Stärkung des Immunsystems.

  • Majoran (Origanum majorana) + Thymian (Thymus vulgaris) + Knoblauch (Allium sativum)
    – Antiparasitär, antibakteriell, unterstützt die Verdauung und den natürlichen Schutz des Körpers.
    – Von alten Mönchen genutzt zur „Reinigung“ des Körpers von negativen Energien und Toxinen.

  • Wermut (Artemisia absinthium) + Nelken (Syzygium aromaticum) + Oregano (Origanum vulgare)
    – Bekämpfen Darmparasiten und Bakterien, unterstützen die Verdauung und das Immunsystem.
    – Traditionell als „grüner Schutzschild“ gegen äußere Einflüsse angesehen.

  • Johanniskraut (Hypericum perforatum) + Schachtelhalm (Equisetum arvense) + Kurkuma (Curcuma longa)
    – Unterstützen Leber, Entgiftung, emotionale Balance und Zellschutz.
    – In klösterlichen Traditionen für mentale Klarheit und Vitalität genutzt.

  • Spirulina + Minze + Zitrone + Ingwer
    – Moderne Kombination: entgiftend, energetisierend, antioxidativ und immunstärkend.
    – Ritual: bewusst trinken und sich vorstellen, wie die Kraft der Pflanzen den Körper reinigt und vitalisiert.

Nicht alle Heilpflanzen wirken wie Zaubertränke, aber richtig eingesetzt können sie zu echten Verbündeten werden. Wenn wir sie mit Absicht und Gebet begleiten, spüren wir ihre Kraft auch im Seelenleben.

Ich habe für dich eine spezielle Liste mit Heilpflanzen und Zubereitungsarten vorbereitet, in der beschrieben wird, für welche Beschwerden sie eingesetzt werden können, wie man sie richtig anwendet, um ihre Kraft zu aktivieren, begleitet von Ritualen und Gebeten, inspiriert von der monastischen Weisheit und den Druiden-Traditionen, damit Körper und Seele im Einklang mit der Natur gestärkt werden. 

Hier findest du meine ausführliche Kräuterliste mit Ritualen und Zubereitungen:
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Engelwurz – Die himmlische Wurzel des Winters



Wenn die Tage still werden und die Kälte die Erde bedeckt, spüre ich jedes Jahr aufs Neue, wie sehr der Winter nach innerer Stärke verlangt. In dieser Zeit greife ich gern zu den alten Kräutern der Klöster – zu jenen Pflanzen, die nicht nur den Körper nähren, sondern auch die Seele erinnern. Eine dieser Pflanzen ist die Engelwurz – Angelica archangelica.

Sie trägt etwas Erhabenes in sich, etwas, das über die reine Heilwirkung hinausgeht. Schon ihr Name klingt wie ein Gebet. „Engelwurz“ – als hätte ein himmlischer Bote selbst ihre Wurzeln in die Erde gelegt, um uns durch die dunkle Jahreszeit zu führen.

Ein göttliches Zeichen in Zeiten der Krankheit

Laut alten Überlieferungen erschien die Engelwurz während einer Pestepidemie im 14. Jahrhundert in den Träumen eines frommen Mönchs. Der Erzengel Michael soll ihm gezeigt haben, dass die Wurzel der Pflanze vor Krankheit und bösen Einflüssen schützt. So erhielt sie ihren Namen – Angelica archangelica, die „Engelspflanze des Erzengels“.

Auch Hildegard von Bingen schrieb über die Pflanze in ihren medizinischen Schriften:

„Die Engelwurz ist warm und hilfreich gegen die Fäulnis im Menschen. Sie stärkt das Herz und vertreibt die schädlichen Geister.“

In den Klöstern wurde sie sowohl körperlich als auch geistig angewendet. Mönche trugen kleine Stücke der getrockneten Wurzel in ihren Taschen, um sich vor Pest, bösem Blick und seelischer Schwäche zu schützen.


Wie die Engelwurz verwendet wurde

Innerlich:
Die Wurzel wurde in Wein eingelegt, um daraus einen heilenden Trank zu bereiten, der Magen, Lunge und Blut reinigte. Besonders im Winter galt dieser Trunk als Stärkung für Körper und Geist.
Auch in Kräuterpulvern gegen Erkältungen, Fieber und Schwäche spielte Engelwurz eine Hauptrolle.

Äußerlich:
Aus den Blättern und der Wurzel wurden Salben hergestellt, die gegen Rheuma, kalte Glieder und Brustbeschwerden halfen.

Rituell:
In manchen Klöstern wurde Engelwurz während der Wintersonnenwende verräuchert – als Symbol des Lichts, das das Dunkel vertreibt. Die Mönche glaubten, dass ihr Duft die Luft reinigte und die Seele beruhigte.

Natürliche Vitamin C Quellen für den Winter – Strahlende Haut aus der Natur

Vitamin C Serum


Der Winter kann unsere Haut besonders beanspruchen: Kälte, trockene Heizungsluft und kurze Tage verlangen nach einer extra Portion Pflege. Eine natürliche Unterstützung liefert Vitamin C, das die Haut stärkt, schützt und zum Strahlen bringt.

Wichtige Pflanzen für die Winterzeit

  • Hagebutten: Klein, aber reich an Vitamin C, stärken die Abwehrkräfte und fördern die Hautregeneration.

  • Acerola: Eine tropische Kirsche mit extrem hohem Vitamin C-Gehalt, ideal für die kalte Jahreszeit.

  • Camu Camu: Ein Naturwunder aus Südamerika, das hilft, die Haut widerstandsfähig zu halten.

  • Sanddorn: Bekannt für seine antioxidative Kraft, unterstützt die Haut gegen Umweltstress.

Wir bei The Monastic Herbarium extrahieren Vitamin C aus diesen Pflanzen in höchster Qualität, mit größter Sorgfalt, damit die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben – natürlich, handgemacht und pflanzlich.

Tägliche Pflegeroutine mit Vitamin C Serum

  1. Reinigung: Sanftes Waschen von Gesicht, Hals und Dekolleté.

  2. Serum: 2–3 Tropfen des 3-in-1 Vitamin C Bio-Serums auf die noch feuchte Haut auftragen.

  3. Massage: Leicht einmassieren, bis das Serum vollständig eingezogen ist.

  4. Feuchtigkeit: Optional eine Tages- oder Nachtcreme auftragen, um die Pflege abzurunden.

Diese Routine stärkt die Haut, sorgt für Strahlkraft und Vitalität, selbst in der kalten Jahreszeit.

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Maronen – Die heilende Kraft der Edelkastanie im Klosterwissen von Hildegard von Binge

 


Hildegard von Bingen schrieb der Edelkastanie eine besondere Kraft zu: Sie helfe, das Herz zu festigen und die Melancholie zu vertreiben. Für sie war die Kastanie ein Symbol des Lichts – ein Baum, der den Menschen in dunklen Zeiten Hoffnung schenkt.

Wenn die ersten Herbstnebel kamen, sammelten die Brüder die glänzenden Früchte, trockneten oder rösteten sie und bewahrten sie sorgfältig für die kalten Monate auf. Doch hinter dieser schlichten Tätigkeit verbarg sich tiefes Wissen: die Erkenntnis, dass Nahrung auch Heilung sein kann.

Hildegard von Bingen schrieb in ihrer Physica, dass der Kastanienbaum „eine große Kraft in sich trägt, um das Gehirn zu stärken und die Melancholie zu vertreiben“. Sie empfahl, regelmäßig Maronen zu essen, um den Geist zu klären und das Herz zu festigen. Für sie war die Kastanie eine Pflanze des Lichts – eine, die den Menschen aufrichtet und ihm seelische Ruhe schenkt.

In den Klosterküchen wurden Maronen zu Mehl gemahlen und mit Honig vermischt, um Kranke und Schwache zu nähren. Geröstete Maronen galten als sanftes Mittel gegen Magenbeschwerden und körperliche Erschöpfung. Die Mönche wussten, dass die Wärme der Kastanie nicht nur den Körper stärkt, sondern auch die Seele tröstet.

Weniger bekannt ist, dass die Edelkastanie im klösterlichen Symbolismus als „Baum der Freundschaft“ galt. Ihre Frucht, verborgen unter einer stacheligen Schale, erinnerte die Mönche daran, dass das Gute im Leben oft geschützt und verborgen liegt – bis der richtige Moment kommt, es zu öffnen.

Wenn ich heute durch den Herbstwald gehe und den Duft gerösteter Maronen rieche, denke ich an diese stille Weisheit zurück. Die Kastanie war einst Nahrung, Heilmittel und Gebet in einem – ein Sinnbild dafür, dass die wahre Heilung oft in der Einfachheit beginnt.


Hier ist ein beliebtes Rezept aus der Klostertradition

Maronen mit Honig – Nahrung für Herz und Seele

In den Klöstern wurden Maronen häufig als einfache, aber nährende Speise zubereitet. Dieses Rezept wurde vor allem in den Benediktinerklöstern überliefert und galt als Stärkung für Körper und Geist – besonders im Herbst und Winter.

Zutaten:

  • 200 g Maronen (vorgekocht oder frisch geröstet)

  • 2 EL Honig (am besten Wald- oder Kastanienhonig)

  • 1 Prise Salz

  • Etwas Mandelmilch oder Wasser

Zubereitung:

  1. Maronen schälen und fein zerdrücken, bis eine cremige Masse entsteht.

  2. Honig und Salz hinzufügen.

  3. Nach und nach etwas warme Mandelmilch oder Wasser einrühren, bis die Masse weich und streichfähig wird.

  4. Lauwarm servieren, wie es einst die Mönche taten – in kleinen Tonschalen.

Diese einfache Speise wurde bei Erschöpfung, Melancholie und Genesung empfohlen.
Hildegard von Bingen schrieb, dass „die Süße des Honigs das Herz erfreut, während die Kastanie den Geist stärkt“.
Ein Löffel davon war wie eine kleine Gebetszeit – still, wohltuend und voller Dankbarkeit.


Quellen:

  • Hildegard von Bingen: Physica, Buch III

  • Lexikon der Klostermedizin, 2010

Hagebutten – Die rote Kraft der Mönche

Hagebutten 

Es war ein kühler Herbstmorgen, als ich an einem unscheinbaren Wegrand stand. Vor mir leuchteten kleine rote Früchte, wie winzige Lichter inmitten der verblassenden Natur. Ich blieb stehen und spürte, dass diese Hagebutten mehr waren als bloße Früchte. Sie erzählten mir von Stärke, von Überleben, von Hoffnung – Dinge, die auch mein Herz gerade brauchte.


Die Hagebutte im Klosterwissen

Mönche und Nonnen des Mittelalters kannten diesen stillen Schatz gut. Für sie war die Hagebutte nicht nur ein Heilmittel, sondern auch ein Symbol.
Sie lehrten: selbst wenn Blätter fallen und Blüten verschwinden, schenkt uns die Schöpfung einen letzten, stillen Vorrat an Kraft.

Die heilige Hildegard von Bingen empfahl Hagebutten bei Schwäche, für Lunge und Magen. Für sie waren sie „eingefangenes Licht“ – eine stille Sonne, die den Körper wärmt und stärkt, wenn die Tage dunkel werden.


Heilende Kraft und Botschaft

Heute bestätigt die Wissenschaft, was die Klöster schon wussten:

  • Hagebutten sind reich an Vitamin C und stärken die Abwehrkräfte.

  • Als Tee getrunken, bringen sie Wärme und Linderung bei Erkältungen.

  • Ihr Pulver hilft gegen Gelenkschmerzen und Entzündungen.

  • Marmelade oder Mus aus Hagebutten nährt nicht nur den Körper, sondern schenkt auch Trost und Kindheitserinnerungen.

Doch ihre wahre Botschaft liegt vielleicht darin, wann sie erscheinen: genau dann, wenn das Leben sich zurückzieht, wenn die Natur still wird. Gerade dann beginnen sie zu leuchten.


Eine stille Lehre fürs Herz

Die Hagebutte lehrt uns Geduld. Sie zeigt, dass selbst im Rückzug eine Kraft in uns wächst, die wir oft erst in dunklen Zeiten entdecken.
So wie die Mönche ihre roten Früchte sammelten und sorgfältig für den Winter aufbewahrten, so können auch wir lernen, unsere inneren Kräfte zu bewahren – um daraus zu schöpfen, wenn das Leben kalt und schwer wird.


Schlusswort

Wenn ich heute an einem Busch voller Hagebutten vorbeigehe, spüre ich, wie stilles Vertrauen mein Herz erfüllt. Sie sagen leise:
„Halte durch. Auch in deinem Winter glüht ein rotes Licht in dir.“

Vielleicht ist das das größte Geschenk dieser kleinen Früchte: nicht nur Heilung für den Körper, sondern Trost für die Seele.

Bärlapp (Lycopodium clavatum) – die Pflanze der Befreiung von Süchten und zur Heilung der Leber

 

Bärlapp  (Lycopodium clavatum)

Ich traf einmal einen Mönch, der mir mit ruhiger Stimme gestand, er sei 30 Jahre lang Alkoholiker gewesen. Ein schwerer, langer Kampf, mit vielen Rückfällen und wenigen Siegen. Doch eines Tages begegnete ihm eine kleine, unscheinbare Pflanze, immergrün, einem winzigen Tannenbaum ähnlich: der Bärlapp (Lycopodium clavatum).

„Diese Pflanze“, sagte er, „half mir, meine Süchte loszulassen. Vom Alkohol, vom Tabak, ja sogar von der endlosen Zeit vor den Bildschirmen und der Abhängigkeit von Spielen … Bärlapp schenkt dir nicht nur Kraft für den Körper, sondern auch für den Willen.“

Seine Worte machten mich neugierig. Ich begann zu forschen, in alten Handschriften und im Volkswissen zu suchen. Und das habe ich herausgefunden …


Bärlapp – das grüne Geheimnis der Berge

Bärlapp wächst in Nadelwäldern und auf steinigen Berghängen. Seine langen, kriechenden Stängel sind von kleinen, schuppenartigen Blättern bedeckt. An den Enden erscheinen gelbliche Sporenähren, die feines, goldenes Pulver tragen – fast wie ein Hauch von Zauber.

In der Kloster- und Volksmedizin galt diese Pflanze seit jeher als Helfer für Leber, Nieren und für Menschen, die an Süchten leiden.

  • Für Alkoholkranke – stark verdünnte Tees aus Bärlapp wurden zur Unterstützung der Leber eingesetzt.

  • Für Raucher – Bärlapp unterstützt die Entgiftung der Atemwege und lindert die Folgen des Tabakkonsums.

  • Für moderne Süchte – alte Mönchsschriften berichten, dass Bärlapp den Willen stärkt und den Menschen aus der „Knechtschaft der Begierden“ befreit – sei es Alkohol, Nikotin oder die Abhängigkeit von Spielen und Bildschirmen.


Klösterliche Überlieferung

In mittelalterlichen Kräuterbüchern wird Bärlapp als „Pflanze der Befreiung“ beschrieben. Die Mönche nutzten ihn in Verbindung mit Gebet und Fasten und sahen darin ein Geschenk, das den Menschen zu einem reinen, maßvollen Leben führt.

Auch im Volksglauben spielte er eine wichtige Rolle:

  • Bärlapp wurde gegen Rheuma, Koliken, Gallen- und Verdauungsbeschwerden verwendet.

  • Die goldenen Sporen dienten als heilendes Pulver bei Wunden und Hautreizungen, da sie antiseptisch und stark aufsaugend wirken.


Kuriositäten

  • Die Sporen des Bärlapps sind extrem leicht entzündlich. Früher wurden sie als Blitzpulver für Theater, Feuerwerke und frühe Fotografie verwendet.

  • In der Volksmagie galt Bärlapp als Schutzpflanze, die nur mit Ritualen gesammelt werden durfte.

  • Seine Form, einem kleinen Tannenbaum gleich, wurde als Symbol für Widerstandskraft und Erneuerung gedeutet.


Vorsicht

Bärlapp ist eine giftige Pflanze, wenn er falsch verwendet wird.

  • Die grünen Pflanzenteile dürfen niemals ohne Fachwissen innerlich angewendet werden.

  • Die Sporen sind ungiftig, können jedoch bei zu großer Menge die Atemwege reizen.

  • Eigenbehandlung ist nicht ratsam – der Rat eines Phytotherapeuten oder Arztes ist unerlässlich.


Ein Gebet mit Bärlapp

„Herr, schenke mir die Kraft,
mich von allem zu lösen,
was meine Seele bindet.
So wie der Bärlapp standhaft im Schatten wächst,
lass auch meinen Willen stark sein im Licht deiner Gnade.“


Der Bärlapp bleibt ein Paradox der Natur: klein, aber mächtig; heilend und zugleich gefährlich; ein Freund des Suchenden, doch eine Prüfung für den Unachtsamen.

Die Worte des Mönchs hallen in mir nach:
„Nicht die Pflanze selbst hat mich geheilt, sondern der Wille, den sie in mir erweckt hat. Der Bärlapp ist nur ein Zeichen dafür, dass Gott selbst in den verborgensten Winkeln des Waldes Heilmittel für Körper und Seele hinterlassen hat.“

Rohrkolben – der verborgene Schatz der Stillgewässer in den Augen der Mönche

Typha latifolia

So oft ich am Ufer eines stillen Sees entlanggehe, wird mein Blick von den hohen Halmen angezogen, die an ihrer Spitze ein braunes „Würstchen“ tragen. Es ist der Rohrkolben (Typha latifolia), eine Pflanze, die unscheinbar wirkt, aber eine Fülle von Bedeutungen und Gaben in sich trägt. Im Mittelalter sahen die Mönche in seiner Präsenz ein Zeichen des verborgenen Überflusses in den demütigsten Orten – dort, wo das Wasser das Leben im Stillen nährt.

Praktische und alltägliche Verwendung

Unsere Vorfahren wussten, dass der Rohrkolben weit mehr ist als eine einfache Sumpfpflanze:

  • Die langen, widerstandsfähigen Blätter wurden getrocknet und zu Matten, Körben und sogar Dachabdeckungen verflochten.

  • Der braune, wattige Fruchtstand diente als Isoliermaterial, als Kissenfüllung oder als natürlicher Zunder zum Feuermachen.

  • Die Stängel konnten als leichte Baumaterialien in den Werkstätten der Klöster verwendet werden.

So galt der Rohrkolben als „Ressource der Armen“ – eine Pflanze, die dem einfachen Leben alles schenkte, was nötig war.

Der Rohrkolben in den Augen der mittelalterlichen Mönche

In alten Schriften wird erzählt, dass die Mönche im Rohrkolben ein Symbol der Demut sahen: eine Pflanze, die nichts verlangt, still am Wasser lebt und doch Nahrung, Wärme und Schutz schenkt. Für die Mönche, die in abgeschiedenen Klöstern nahe bei Seen und Sümpfen lebten, war der Rohrkolben eine Lektion über die göttliche Einfachheit der Natur.

Ein monastisches Manuskript erwähnt: „Gott legte in das Moor eine verborgene Speise und eine Hülle für den Bedürftigen.“ Darin erkannten die Mönche einen stillen Segen – den Reichtum, der nicht im Gold liegt, sondern in den verborgenen Gaben der Erde.

Essbare Teile des Rohrkolbens

Nur wenige wissen, dass der Rohrkolben auch essbar ist:

  • Die Rhizome (dicken Wurzeln) können gekocht, gebacken oder getrocknet und zu Mehl vermahlen werden. In Hungerzeiten nutzten die Mönche sie als Brot-Ersatz.

  • Die jungen Triebe, roh oder gekocht, schmecken ähnlich wie Gurken.

  • Der gelbe Blütenstaub wurde gesammelt, über Speisen gestreut oder mit Mehl vermischt – eine natürliche Bereicherung für das Brot.

So war der Rohrkolben eine einfache, reine Fastenspeise – ein Geschenk des Wassers, das von den Mönchen als Segen empfangen wurde.

Schlussgedanke

Heute gehen wir oft achtlos am Rohrkolben vorbei. Doch für die Menschen früherer Zeiten war er ein wahrer Schatz der Stillgewässer – ein Symbol der Demut, eine Quelle von Nahrung und Geborgenheit. Vielleicht lohnt es sich, ihn wieder mit dankbarem Blick zu betrachten, so wie die mittelalterlichen Mönche es taten: als eine Gabe Gottes, verborgen in der Stille des Wassers.

Klette – Die vergessene Klosterpflanze zwischen Wurzelkraft und Blütenpracht

Arctium lappa

Vor einigen Tagen stieß ich auf ein altes Zeugnis eines Mönchs, der mit großer Ehrfurcht über die Klettwurzel sprach. Er nannte sie „die Wurzel, die das Blut reinigt und die Haut erhellt“. Diese Worte berührten mich, und ich dachte: Diese Geschichte möchte ich auch mit euch teilen.

Wir alle kennen die Klette – ihre großen Blätter und die stacheligen Köpfchen, die sich an unsere Kleidung heften. Im Erdreich verbirgt sich ihre Wurzel, kräftig, heilend und voller stiller Energie.

Doch wenn ich ehrlich bin, hat mich immer auch die oberirdische Gestalt dieser Pflanze tief beeindruckt. Die Klette erhebt sich hoch, dominant, fast herrschaftlich. Ihre stacheligen Blütenköpfe wirken wie kleine Kronen, stark und solide – und zugleich tragen sie eine Schönheit, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Zwischen den groben Blättern und den purpurfarbenen Blüten zeigt sie eine Wucht, die man nicht übersehen kann.

Die Mönche sammelten die Wurzeln im Herbst, wenn die Pflanze ihre gesamte Kraft in die Erde zurückzieht. Daraus bereiteten sie bittere Abkochungen für Leber und Nieren, Tees zur Blutreinigung und Heilmittel für die Haut. Manche sagten sogar: „Die Haut ist der Spiegel der Seele“ – und deshalb sei die innere Reinigung ebenso wichtig wie die äußere.

Am meisten faszinierte mich jedoch die Symbolik, die sie dieser Pflanze zuschrieben. Die tief verankerte Klettenwurzel erinnerte sie daran, dass auch der Mensch fest verwurzelt sein muss: im Glauben, in gesunden Gewohnheiten, im Rhythmus der Natur. Ohne starke Wurzeln, so sagten sie, könne die Seele nicht wachsen.

Und so zeigt uns die Klette zwei Gesichter: unten verborgen die stille, heilende Kraft – oben sichtbar die stolze, dominante Schönheit ihrer Blüten. Beides zusammen macht sie zu einem wahren Geschenk der Natur.

Wenn ich an Feldern vorbeigehe, wo die Klette wächst, erinnere ich mich an diesen Mönch und seine Worte. Und dann sehe ich kein Unkraut mehr, sondern eine Pflanze voller Stärke und Schönheit – bereit, uns zu lehren, was Verwurzelung und Aufrichtung bedeuten.

Holunderbeeren – Kleine Juwelen mit großer Kraft

 


Beim Streifen durch alte Wälder fallen die kleinen, tiefvioletten Holunderbeeren sofort ins Auge. Sie glitzern wie winzige Edelsteine im Sonnenlicht und wirken wie stille Zeugen vergangener Zeiten. Holunderbeeren sind mehr als bloße Früchte – sie bergen Geschichten und Heilkräfte, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden.

Ein Schatz der alten Heiler

Viele Menschen kennen Holunder nur als Sirup gegen Erkältungen. Doch im Mittelalter wussten Mönche und Kräuterkundige um ihre weitreichende Wirkung:

  • Sie stärken das Immunsystem auf sanfte Weise.

  • Sie lindern Entzündungen und unterstützen die Regeneration.

  • Sie schenken innere Balance und helfen, emotionale Spannungen zu lösen.

In alten Handschriften wird beschrieben, dass Holunderbeeren auch seelische Reinigung bewirken – sie können alte Trauer lösen und inneren Frieden fördern.

Geheimnisse der Klosterapotheken

Nur wenige wissen, dass Holunder früher als Schutzpflanze galt. Blätter oder getrocknete Beeren wurden in Kinderzimmer gelegt, um böse Energien fernzuhalten. In Salben und Balsamen halfen die Beeren bei kleinen Wunden oder gereizter Haut – eine sanfte Kraft für Körper und Seele zugleich.

Die dunkle Seite der Schönheit

Roh dürfen Holunderbeeren nie gegessen werden, da sie Spuren von Cyaniden enthalten. Richtig verarbeitet, entfalten sie jedoch ihre volle Heilkraft. Alte Apotheker kombinierten sie mit Ölen oder Butter, um Balsame für Haut und Herz herzustellen.

Ein einfacher Holunderbeeren-Balsam

Ich habe eine vereinfachte Version für zu Hause entwickelt, inspiriert von den alten Klosterapotheken. Sie ist leicht herzustellen und pflegt die Haut auf natürliche Weise.

Zutaten:

  • 20 g Mandelöl oder Jojobaöl

  • 10 g Sheabutter oder Kakaobutter

  • 5 g getrocknete Holunderbeeren, fein gemörsert oder als Extrakt

  • Optional: ein paar Tropfen Vitamin E

Zubereitung:

  1. Öl und Butter vorsichtig erwärmen, bis sie schmelzen.

  2. Holunderbeeren oder Extrakt unterrühren.

  3. Abkühlen lassen und in ein sauberes Glas füllen.

  4. Kurz bevor die Masse fest wird, Vitamin E unterrühren.

Anwendung:
Sanft auf kleine Wunden, trockene Stellen oder gereizte Haut auftragen. Der Balsam wirkt beruhigend, pflegend und unterstützt die Hautregeneration.

Hinweis: Ich habe diese vereinfachte Version selbst angepasst, damit sie jeder leicht zu Hause herstellen kann, ohne spezielle Geräte oder schwer zugängliche Zutaten.

Ein persönlicher Moment

Wenn ich Holunderbeeren sammle, achte ich auf jedes Detail: die runde Form, den tiefen Farbton, den Duft im Herbstwind. Es ist fast so, als würde ich die Geschichten der alten Heiler hören. Holunderbeeren sind Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Körper und Seele.


Klosterbalsam für Narben und seelische Wunden

                                                     Heilbalsam für Narben & Hautrisse


Manchmal hinterlassen Verletzungen nicht nur Spuren auf der Haut, sondern auch in der Seele. Schon die alten Mönche wussten: wenn die Haut sich wieder schließen soll, braucht sie nicht nur Schutz, sondern auch Zuwendung. Und genau das schenkt uns die Natur – leise, kraftvoll, unaufdringlich.

Ich erinnere mich an eine Stelle bei Hildegard von Bingen, die schrieb, dass die Haut wie ein „Fenster der Seele“ sei. Sie heilte nicht nur Wunden, sondern auch das Vertrauen, dass der Körper zurück ins Gleichgewicht findet.

Heute möchte ich mit dir ein Rezept teilen, das inspiriert ist von klösterlichem Wissen, aber so schlicht und rein ist, dass du es auch in deiner Küche herstellen kannst. Kein fettiger Salbenklumpen – sondern ein feiner, fast seidig-apriger Balsam, der die Haut aufnimmt wie Regen die Erde.


Rezept: Heilbalsam für Narben & Hautrisse

Fette Phase

  • 15 g Mandelöl (oder Jojobaöl, dem Hautsebum sehr ähnlich)

  • 10 g Ringelblumen-Mazerat (in Oliven- oder Sonnenblumenöl)

  • 5 g Sheabutter oder Kakaobutter

  • 6 g Cera Bellina oder Emulsan (natürliche Emulgatoren)

Wässrige Phase

  • 50 g destilliertes Wasser (oder Kamillentee, gut gefiltert)

  • 5 g Aloe-Vera-Gel

Zum Abschluss

  • 5 Tr. Vitamin E (Antioxidans, schützt die Öle)

  • 8–10 Tr. ätherisches Öl von Lavendel oder Weihrauch

  • Optional: ein paar Tropfen natürlicher Konservierer (z. B. Cosgard) – sonst bitte im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von 2 Wochen verbrauchen.


 Zubereitung wie ein Ritual

  1. Die fette Phase im Wasserbad langsam schmelzen.

  2. In einem zweiten Gefäß die wässrige Phase leicht erwärmen.

  3. Unter stetigem Rühren beide Phasen zusammenführen, bis eine feine Creme entsteht.

  4. Vitamin E, ätherische Öle und ggf. Konservierer erst zum Schluss einrühren.

  5. In ein dunkles Glas füllen – fertig ist dein Klosterbalsam.

Anwendung

Dieser Balsam zieht schnell ein, ist weder zu fettig noch zu schwer, und fühlt sich an, als würde die Haut ein Stück Frieden trinken. Verwende ihn für kleine Narben, trockene Stellen oder Risse – immer dann, wenn die Haut nach Heilung ruft.

Für mich ist jedes Auftragen mehr als Hautpflege. Es ist ein stilles Gebet: „Heile, was verwundet ist.“

Hanf in der mittelalterlichen Medizin

 

Cannabis sativa

Pflanzen im Klostergarten

Im Mittelalter waren Klostergärten lebendige Apotheken. Der Hanf (Cannabis sativa) hatte dort seinen festen Platz – nicht nur wegen seiner Fasern und nahrhaften Samen, sondern auch wegen seiner heilenden Kräfte. Mönche pflegten ihn mit Sorgfalt, verwendeten Blätter, Samen und manchmal auch Blüten für Aufgüsse, Salben und Umschläge gegen Schmerzen und Entzündungen. Jede Pflanze wurde mit Respekt behandelt, als Teil einer göttlichen Ordnung.

Islamische Heilkunst

Auch die islamische Medizin des Mittelalters kannte die Heilkraft des Hanfs. Heilkundige beschrieben seine harntreibende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung. Er fand Anwendung bei Migräne, Gelenkbeschwerden, Verdauungsproblemen und nervösen Leiden. Öl aus den Samen wurde äußerlich aufgetragen, während Abkochungen mit Bedacht dosiert wurden. Dieses Wissen gelangte später nach Europa und prägte auch die Klostermedizin.

Volksheilkunde und Maßhaltung

In der Volksmedizin nutzte man Hanf vielseitig: Samenbrei zur Stärkung, frische Blätter auf Wunden, Öl gegen Ohrenschmerzen. Die Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb, Hanfsamen nährten den Körper und beruhigten den Geist, mahnte jedoch zur Mäßigung. 

Überall galt: Hanf ist ein Geschenk der Natur – doch jedes Geschenk verlangt Respekt.


Aus dem Tagebuch eines Klostermönchs, 13. Jahrhundert:
„Der Hanf wächst neben Minze und Schachtelhalm. Junge Blätter, in wenig Wein gekocht, lindern die Gelenke der Alten. Samenbrei stärkt jene, die keine Kraft mehr haben. Doch wer das Maß verliert, verliert auch die Ordnung.”


Meine persönliche Note:
Wenn ich heute über Hanf schreibe, spüre ich eine gewisse Ehrfurcht. Zwischen all den hitzigen Debatten unserer Zeit wird oft vergessen, dass diese Pflanze über Jahrhunderte hinweg den Menschen Heilung, Nahrung und Wärme geschenkt hat. Die Mönche und Heiler vergangener Zeiten kannten sein Potenzial, aber auch seine Grenzen. Vielleicht ist genau das ihre wichtigste Botschaft an uns: Im Gleichgewicht liegt die wahre Kraft.

Altbewährte Hustensirupe aus der Klostertradition – Salbei, Thymian & Co


Wenn der Husten tief sitzt, greife ich nicht zu chemischen Säften, sondern bereite mir mit Bedacht einen eigenen Sirup zu – so, wie es früher in den Klosterküchen geschah. Jedes Rezept ist ein kleines Ritual, das mich der Pflanze näherbringt – und dem Menschen, den ich pflege.

1. Thymiansirup (klassisch, bei festsitzendem Husten)

Wirkung: schleimlösend, antimikrobiell, auswurffördernd

Zutaten (für ca. 150 ml):

  • 25 g getrockneter Thymian (Thymus vulgaris)

  • 250 ml Wasser

  • 125 g Rohrohrzucker

Zubereitung:
Thymian mit Wasser 10 Minuten sanft köcheln lassen. Abseihen. Den Sud mit dem Zucker bei schwacher Hitze rühren, bis der Zucker sich vollständig löst. In sterile Braunglasflasche füllen.

Dosierung:
Erwachsene: 3 x täglich 1 TL
Kinder ab 3 Jahren: 3 x täglich 1/2 TL
Im Kühlschrank 2 Wochen haltbar.


2. Salbeisirup (reizlindernd bei Halsschmerzen und trockenem Husten)

Wirkung: adstringierend, antibakteriell, entzündungshemmend

Zutaten (für ca. 100 ml):

  • 10 g getrocknete Salbeiblätter (Salvia officinalis)

  • 200 ml Wasser

  • 100 g Zucker (alternativ: 80 g Honig, nicht über 40°C erhitzen!)

Zubereitung:
Salbei mit Wasser aufkochen, 15 Minuten bei geringer Hitze ziehen lassen. Abseihen, Flüssigkeit mit Zucker langsam erhitzen, bis ein dickflüssiger Sirup entsteht. In sterile Flasche füllen.

Dosierung:
Erwachsene: 3 x täglich 1 TL
Nicht für Kinder unter 12 Jahren oder in der Schwangerschaft empfohlen.
Haltbarkeit: 10–14 Tage gekühlt.


3. Spitzwegerichsirup (ideal bei Reizhusten)

Wirkung: reizlindernd, wundheilend, schleimhautberuhigend

Zutaten (für ca. 200 ml):

  • 50 g frische Spitzwegerichblätter (Plantago lanceolata)

  • 250 ml Wasser

  • 150 g Honig (nicht erhitzen!)

Zubereitung:
Blätter grob zerschneiden, mit Wasser 20 Minuten sanft köcheln. Abseihen. Sud abkühlen lassen, Honig einrühren (unter 40°C!). In sterile Flasche abfüllen.

Dosierung:
Kinder ab 2 Jahren: 3 x täglich 1/2 TL
Erwachsene: 3–5 x täglich 1 TL
Im Kühlschrank max. 10 Tage haltbar.


4. Eibischsirup (sanft und beruhigend für empfindliche Schleimhäute)

Wirkung: schleimhautschützend, reizlindernd, mild bei trockenem Husten

Zutaten (für 150 ml):

  • 10 g Eibischwurzel (Althaea officinalis)

  • 200 ml kaltes Wasser

  • 100 g Zucker

Zubereitung:
Die Wurzel wird kalt ausgezogen: in kaltem Wasser 6–8 Stunden ziehen lassen, gelegentlich umrühren. Danach abseihen, Sud leicht erhitzen (nicht kochen!), Zucker einrühren bis zur Sirupkonsistenz. In sterile Flasche abfüllen.

Dosierung:
Kleinkinder ab 1 Jahr (nach Rücksprache): 1/2 TL
Erwachsene: 1 TL bis zu 5 x täglich
Haltbarkeit: im Kühlschrank max. 7 Tage


Schlusswort

Diese Sirupe sind für mich mehr als Rezepte – sie sind eine Rückverbindung mit dem, was heilsam ist: Nähe, Sorgfalt und das stille Vertrauen in die Pflanzen, die uns seit Jahrhunderten begleiten. Jeder Löffel ist ein Zeichen von Zuwendung – ganz im Sinne der klösterlichen Heilkunst.

Quellen

  • Kommission E Monographien, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Deutschland

  • Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen, Springer Verlag

  • Mayer, Johannes Gottfried; Uehleke, B.; Melchart, D.: Klostermedizin – Die Wiederentdeckung der heilenden Kräuter, C.H. Beck Verlag

  • Wichtl, Max (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

  • Madaus, Gerhard: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel (historisches Werk, digitalisiert verfügbar)


Liebe Leserinnen und Leser,
vielen Dank, dass ihr meinen Beitrag über selbstgemachten Sirup gelesen habt! 🌿🍯
Ich habe ein kleines PDF mit Rezepten für Sirupe vorbereitet, damit ihr sie speichern und jederzeit nachmachen könnt.

Wenn euch meine Arbeit gefällt und ihr mich unterstützen möchtet, freue ich mich sehr über eine kleine Unterstützung auf Ko-fi: https://ko-fi.com/s/e7cb369f45

Danke von Herzen für eure Unterstützung! 💚🙏

Die Pflanze hinter dem Bier, die unsere Nerven versteht

Humulus Lupulus Ich bin keine Biertrinkerin. Das war ich nie, aber wenn es draußen sehr heiß ist, trinke ich gern ein kleines Bier auf ex. ....