Helichrysum arenarium – Die Unsterbliche Blume und das Licht, das nicht vergeht

 

Helichrysum arenarium

Im trockenen Sommerlicht, zwischen stillen Wiesen und sandigen Hügeln, blüht eine kleine gelbe Pflanze, die selbst nach dem Pflücken ihre Farbe behält. Man nennt sie heute Helichrysum arenarium oder Sand-Strohblume. Doch in den alten Klöstern wurde sie oft „das Licht der Seele“ genannt – ein stilles Geschenk des Himmels, ein Zeichen der Hoffnung, das nie vergeht.

Ich erinnere mich, wie ich diese Blume als Kind auf einem sonnenverbrannten Pfad sah. Sie stand dort aufrecht, golden, unbewegt vom Wind. Damals wusste ich nicht, warum sie mich so tief berührte. Heute weiß ich: Es war ihre stille Präsenz – voller Sinn.

Was die Mönche wirklich in der Sand-Strohblume sahen

In den stillen Gärten der mittelalterlichen Klöster wuchs die Sand-Strohblume oft unbeachtet – an trockenen Mauern, in sandiger Erde, dort, wo andere Pflanzen längst aufgegeben hatten. Doch für die Mönche war sie kein Unkraut – sie war ein Zeichen.

In ihren vergilbten Kräuterbüchern schrieben sie nicht nur von Wirkstoffen, sondern von Geistigem. Die Sand-Strohblume stand für jene Seelenstärke, die nicht nach außen schreit, sondern in der Stille überdauert. Ihre goldenen Blüten, die selbst getrocknet nicht verblassen, galten als Sinnbild für die ewige Leuchtkraft des Glaubens – unbeeindruckt von Hitze, Dürre, Verlassenheit.

In manchen Ordensgemeinschaften wurde die Blume bei der Krankensalbung auf den Tisch gelegt. Nicht nur wegen ihrer pharmakologischen Wirkung, sondern weil sie erinnerte:

„Auch im Sterben trägt das Licht weiter.“

Mönche verwendeten sie nicht nur medizinisch, sondern spirituell – als meditative Pflanze, die half, das Herz ruhig zu machen. Sie wurde verräuchert, wenn es um Abschied, Übergang und innere Reinigung ging. Ein alter Text aus einem Kloster in Südfrankreich beschreibt sie als „Wächterin der inneren Schwelle“.

Heilwirkungen – damals spirituell, heute bewiesen

Und doch war sie mehr als Symbol – sie wurde getrunken, verräuchert, aufgetragen. Ihr Wirken war nicht nur innerlich, sondern auch körperlich spürbar.
Die Heilkraft der Sand-Strohblume wurde über Jahrhunderte nicht nur beobachtet, sondern im Gebet erfühlt. Die Mönche behandelten nicht bloß Krankheiten, sondern seelische Zustände – Müdigkeit, Melancholie, Zorn, Verzweiflung.

1. Reinigung nach Fastenzeiten
Nach langen Phasen der Askese war der Körper geschwächt, das Blut zäh. Die Mönche tranken Aufgüsse aus der Sand-Strohblume, um Leber und Galle zu unterstützen – sie nannten sie „die goldene Helferin bei der Rückkehr ins Leben“.

2. Klärung von „dickem Blut und dunklen Gedanken“
So drückten sie es aus. Die Pflanze wurde bei Groll, innerem Zorn, aber auch Trauer empfohlen. Sie wirkte entwässernd, entzündungshemmend – doch für die Mönche war das nur ein Spiegel:

„Wer weint, klärt nicht nur die Augen, sondern auch das Herz.“

3. Hilfe bei innerer Schwere und Sommerträgheit
Die Hitze machte das Denken träge. Die Pflanze war für sie „ein Hauch von Wind in der stickigen Seele“. Ihr Aufguss wurde jenen gereicht, die sich verloren fühlten im Strom des Alltags.

4. Salbe für äußere und innere Verbrennungen
Ja, sie heilte die Haut. Aber ein Mönch schrieb in seinem Herbarium:

„Diese Pflanze bringt Licht auf das, was in uns verbrannt wurde – durch Schuld, durch Verlust, durch die Hitze der Welt.“

Ein Symbol für meine Seele

Für mich ist diese Pflanze ein leiser Lehrer. Sie erinnert mich daran, dass Licht nicht laut sein muss, um tief zu wirken. Manchmal genügt es, einfach da zu sein – still, einfach, aber mit Bedeutung. So wie Helichrysum arenarium: bescheiden, doch unvergesslich.


Mönchisches Gebet inspiriert von der Sand-Strohblume

Herr, gib mir die Kraft dieser Blume,
Um im Licht zu bleiben, auch in der Trockenheit.
Lass mich nicht welken unter der Last der Tage,
Sondern meine Seele lebendig und rein bewahren –
Wie einen kleinen, unbesiegbaren Strahl
In Deinem stillen Garten.

Pflanzen, Rituale & Heilwissen aus alten Zeiten

 


In einer Zeit, in der es noch keine Apotheken an jeder Ecke gab, in der Wissen mündlich weitergegeben und mit der Natur tief verwurzelt war, spielten Klöster eine stille, aber kraftvolle Rolle:
Sie waren nicht nur Orte des Gebets, sondern auch lebendige Heilzentren – Bibliotheken der Natur, geschützt hinter Steinmauern und stillen Gängen.

Ich erinnere mich an den Moment, in dem ich das erste Mal ein altes Kräuterbuch in der Hand hielt. Es roch nach vergilbtem Papier, nach Staub und Zeit. Und doch fühlte ich: Dieses Wissen schläft nicht – es atmet.

Pflanzen als spirituelle Begleiter

Für die Mönche und Nonnen waren Pflanzen keine „Zutaten“, sondern Geschöpfe mit Seele.
Der Salbei war nicht nur ein Mittel gegen Entzündungen – er galt als „Pflanze der Unterscheidung“, weil er Klarheit schenken sollte.
Der Lavendel beruhigte nicht nur das Herz, sondern wurde auch bei Gebeten verwendet, um den Geist zu reinigen.
Die Ringelblume öffnete Wunden – aber auch das Herz.

Die Rituale, die sie umgaben, waren nie bloß symbolisch. Sie dienten dazu, das Sichtbare mit dem Unsichtbaren zu verbinden.
Ein Tee wurde mit einem Segen zubereitet.
Ein Wickel wurde begleitet von einem Psalm.
Ein Kraut wurde geerntet mit einem Dank an die Schöpfung.

Heilen bedeutete: In Beziehung treten

Heute verstehen wir oft Heilung als etwas, das von außen kommt.
Damals war klar: Heilung beginnt in der Beziehung – zur Pflanze, zum Körper, zur Seele, zur göttlichen Ordnung.

Es wurde nicht einfach „gegen Kopfschmerzen“ gesammelt, sondern:
„für die Entlastung der Gedanken“,
„für den Frieden des Herzens“,
„für die Stärkung der Lebensflamme“.

Ich frage mich oft:
Wie würden wir heute leben, wenn wir jede Tasse Kräutertee wie ein Gebet zubereiten würden?
Wenn jedes Blatt, das wir pflücken, ein Akt der Dankbarkeit wäre?

Warum dieses Wissen heute wieder aufblüht

In einer Welt der Schnelllösungen wächst leise die Sehnsucht nach Tiefe.
Menschen kommen auf meinen Blog, weil sie spüren: Da ist mehr.
Mehr als Wirkstoffe, mehr als Rezepte. Da ist ein Ruf.
Ein Wunsch, sich wieder zu verbinden – mit der Natur, mit sich selbst, mit dem Heiligen.

Und genau darum schreibe ich: Weil ich glaube, dass Pflanzen nicht nur heilen – sondern erinnern.
An etwas, das wir nicht lernen, sondern wiederentdecken müssen.

Heilpflanzen aus alten Zeiten sind keine Relikte – sie sind Lehrer.
Wenn wir sie mit dem Herzen lesen, nicht nur mit dem Verstand,
werden sie zu Brücken –
zwischen Körper und Seele,
zwischen Mensch und Natur,
zwischen Heute und dem Heiligen Wissen von Gestern.

Die verborgene Sprache der Heilpflanzen

 



„Alles, was wir sehen, verbirgt etwas anderes; wir möchten immer sehen, was hinter dem liegt, was wir sehen.“
– René Magritte

In einer Welt, die von Schnelligkeit, Oberfläche und Funktionalität geprägt ist, scheint eine Pflanze oft nur eine Pflanze zu sein.
Doch die Klosterheilkunde, die Volksmedizin – und die leise Weisheit der Natur – erzählen etwas anderes.

Was, wenn jedes Blatt ein Zeichen ist?
Ein stilles Flüstern aus einer Zeit, in der der Mensch noch mit der Erde sprach.
Mönche, Kräuterfrauen und Weise haben über Jahrhunderte hinweg beobachtet, dass Pflanzen mehr sind als nur Wirkstoffe – sie sind Träger von Bedeutungen, Erinnerungen und innerer Führung.

Ein Beispiel?
Die Brennnessel – sie sticht, sie schützt sich. Doch gerade in ihrer Wehrhaftigkeit liegt ihre heilende Kraft.
Oder der Salbei – der Name kommt vom lateinischen salvare – heilen, retten. Doch er klärt nicht nur den Körper, sondern auch den Geist.

In der klösterlichen Welt war jede Pflanze ein Kapitel im „Buch der Schöpfung“.
Nicht alles war sichtbar. Nicht alles sollte es sein.
Es ging um das, was hinter dem Sichtbaren liegt. Um das, was du nur entdeckst, wenn du still wirst.
Wenn du dich traust, nicht nur zu sehen – sondern zu schauen.

Vielleicht ist das der wahre Weg zur Heilung:
Nicht nur Tees, Tinkturen und Salben.
Sondern das Erkennen, dass jede Pflanze dir etwas über dich selbst erzählt.

Wenn du dich nach mehr Tiefe sehnst – wenn du hinter dem Sichtbaren spüren willst, was wirklich heilt –
dann beginnt deine Reise hier:
In der alten Sprache der Pflanzen.
Und vielleicht, ganz vielleicht,
lernst du dabei auch, dich selbst zu sehen.


Schafgarbe – Die verborgene Heilpflanze der Mönche und ihr spirituelles Geheimnis

 

Achillea millefolium

Ich möchte euch heute eine Pflanze vorstellen, die für mich etwas ganz Besonderes ist.
Sie wächst leise und bescheiden am Wegesrand, an sonnigen Waldrändern und auf wilden Sommerwiesen. Man übersieht sie leicht – und doch war sie einst ein Schatz in den Händen klösterlicher Heiler. Die Rede ist von der Schafgarbe (Achillea millefolium) – einer Pflanze, die in sich Jahrhunderte von Heilwissen, Schutz und spiritueller Kraft trägt.

Schon Hildegard von Bingen lobte die Schafgarbe als Pflanze, die „das blut reinigt, das Herz klärt und der Seele Frieden bringt“. Und auch heute spüre ich diese stille, fast unsichtbare Kraft, wenn ich mit ihr arbeite.

Wie die Mönche Schafgarbe nutzten

In den mittelalterlichen Klostergärten war die Schafgarbe eine der wichtigsten Pflanzen für die Reinigung des Blutes, für die Frauenheilkunde und für die Behandlung von inneren Verletzungen – seelisch wie körperlich.
Sie wurde in Weine eingelegt, als Wundauflage genutzt, oder in Form von Tees zur Linderung von Bauchkrämpfen und Unruhezuständen getrunken.

Die Mönche sprachen oft ein stilles Gebet, wenn sie Heilpflanzen zubereiteten. Nicht aus Aberglaube, sondern weil sie wussten: Eine Pflanze heilt tiefer, wenn sie mit Bewusstsein, Dankbarkeit und Gebet eingenommen wird.

Ein Rezept nach Hildegard von Bingen

Schafgarben-Wein gegen Unruhe und Herzbeschwerden

Zutaten:

  • 1 Liter Weißwein

  • 1 Handvoll getrocknete Schafgarbenblüten

  • 1 Prise Muskatnuss

Zubereitung:
Die Schafgarbe zusammen mit einer Prise Muskatnuss in den Wein geben und 3 Tage an einem sonnigen Ort ziehen lassen. Anschließend abseihen und kühl lagern.

Anwendung:
1 kleines Gläschen vor dem Schlafengehen trinken – am besten in Stille und mit einem Moment der inneren Einkehr.


Ein altes Gebet, das beim Trinken gesprochen wurde:

„Heilige Schöpferkraft in jeder Pflanze,
durchströme mich mit deinem Licht.
Schafgarbe, du zarte Kriegerin des Lebens,
heile, was in mir verborgen blutet.
Stärke mein Herz und meine Grenzen –
im Namen des göttlichen Ursprungs.“


Schafgarbe ist nicht nur eine Pflanze der alten Zeit – sie ist aktueller denn je. In einer Welt voller Reize, Reizbarkeit und Unsicherheit brauchen wir die Qualität dieser Pflanze: Grenzen setzen, innere Verletzungen erkennen und sanft heilen.

Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, wo wir uns erinnern dürfen:
Nicht jede Heilung kommt aus der Apotheke.
Manche beginnt mit einem Kraut, einem Gebet – und einem Moment echter Achtsamkeit.

Weiterführende Inhalte & PDF-Heft
Wenn du tiefer in das klösterliche Pflanzenwissen eintauchen möchtest, findest du in meinem PDF-Heft „Heilpflanzen gegen Stress – Klosterwissen für Körper und Seele“ weitere Gebete, Anwendungen und Rituale:
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„Die Grüne Fee“ zwischen Rausch, Kunst und Klosterkräutern

 


Ein bitteres Wiedersehen

Ich habe bereits früher über Wermut geschrieben – über seine Rolle als Aperitif, als Cocktail-Zutat, als stilvolles Getränk mit einer gewissen Bitterkeit. Doch dieses Mal möchte ich tiefer gehen. Ich will nicht über den Geschmack sprechen, sondern über die Geschichte der Pflanze, über ihre mythische Aura, ihre medizinische, erotische und künstlerische Reise durch die Jahrhunderte.

Denn Wermut ist mehr als eine Zutat in einem Glas Martini. Er ist ein kulturelles Symbol, ein Spiegel von Lust, Kontrolle, Wahnsinn und Inspiration. Vom mittelalterlichen Klostergarten bis zu den verrauchten Pariser Cafés, von Nonnen zu Nihilisten, von Hildegard von Bingen bis Oscar Wilde – diese Pflanze hat Welten bewegt.

In diesem Artikel lade ich euch ein, gemeinsam mit mir der Spur der „Grünen Fee“ zu folgen: bitter, betörend, berauschend.

1. Wer hat den Wermut verlobt? – Eine kurze Geschichte der Bitterkeit

Wermut – vom althochdeutschen wermuota („der Gesunde Mut“) – ist mehr als ein bitterer Aperitif. Er ist ein Symbol, eine kulturelle Chiffre, eine Droge der Dichter und Denker, der Nonnen und Nächte. Seine Ursprünge reichen bis in die Antike zurück: Als Heilwein mit Beigaben wie Beifuß, Anis, Fenchel und vor allem Artemisia absinthium – dem sagenumwobenen Wermutkraut.

Im 18. Jahrhundert wird in der Westschweiz der erste „moderne“ Absinthe destilliert – später perfektioniert in Frankreich und Italien. Doch mehr als nur eine Spirituose, wurde Wermut bald ein Lebensgefühl – eine Art geheimnisvolle Verlobung zwischen Natur, Kunst und Dekadenz.


2. Hildegard von Bingen und die sedierende Kraft der Kräuter

Bereits im Mittelalter erkannte Hildegard von Bingen – Benediktinerin, Mystikerin und Universalgelehrte – die Wirkung des Wermutkrauts. In ihren medizinischen Schriften beschrieb sie die Pflanze als heiß, bitter, reinigend – doch auch gefährlich. Wermut sollte das „überschüssige Blut“ kühlen, das mit sexueller Begierde in Verbindung gebracht wurde.

In den Klöstern wurde der Wermut daher oft als „sexuelles Sedativ“ eingesetzt – eine Art pflanzliche Kontrolle über das Begehren. Nicht zufällig wurde er Frauen, insbesondere Nonnen, verabreicht, um die „fleischliche Versuchung“ zu zähmen. Der bitter-heilige Beigeschmack blieb dem Getränk bis heute erhalten.


3. Die Grüne Fee – Wermut und Absinthe als Droge der Bohème

Im 19. Jahrhundert feiert der Absinthe seinen triumphalen – und fatalen – Aufstieg in den Salons, Ateliers und Cafés von Paris, Zürich und Wien. „La Fée Verte“, die grüne Fee, wurde zur Muse der Moderne. Mit ihrer leuchtenden Farbe, ihrer geheimnisvollen Zubereitung und ihren halluzinogenen Effekten wurde sie zur Droge der Künstler, Rebellen und Visionäre.

Berühmte Absinth-Trinker:

  • Charles Baudelaire – suchte im Absinth den „künstlichen Himmel“

  • Arthur Rimbaud & Paul Verlaine – Liebende und Getriebene im Dunst der grünen Fee

  • Vincent van Gogh – soll unter Absinth-Einfluss sein Ohr abgeschnitten haben

  • Oscar Wilde – sprach von „Engeln, die in grünem Licht tanzen“

Absinthe war kein gewöhnliches Getränk. Es war eine Substanz, ein Ritual, ein ästhetischer Akt. Es erlaubte das Träumen mit offenen Augen – und das Zerfallen der Grenzen zwischen Realität und Fantasie.


4. Die „Grüne Stunde“ – wenn Paris grün wurde

Zwischen 17:00 und 19:00 Uhr begann in den Cafés Montmartres die berühmte „Grüne Stunde“ (l’heure verte). Dann strömten Poeten, Maler, Huren, Dandys und Müßiggänger zusammen, um das Ritual zu zelebrieren:

  1. Ein Schuss Absinthe ins Glas

  2. Eine spezielle Löffelauflage mit einem Zuckerwürfel

  3. Kaltes Wasser tröpfelte langsam darüber

  4. Der klare Absinthe verwandelte sich in eine milchig-grüne „Louche“ – fast wie Nebel oder Opium im Glas

In dieser Stunde entstanden Gedichte, Affären, Wahnsinn und Meisterwerke.


5. Dämonisierung, Verbot – und Wiedergeburt

Um 1915 wurde Absinthe in Frankreich, der Schweiz und den USA verboten – angeblich verantwortlich für Wahnsinn, Gewalt und körperlichen Verfall. Die Grüne Fee wurde zur Dämonin erklärt, eine Muse, die zu viel gab – und zu viel nahm.

Doch seit den 2000er Jahren erlebt sie eine Renaissance. Neue Abfüllungen, legale Rezepturen und ein Hauch nostalgischer Romantik machen Wermut und Absinthe wieder modern – diesmal mit Respekt vor der Vergangenheit.


Fazit: Zwischen Kloster und Kabarett

Wermut – ob als heiliger Trank der Nonnen oder sündige Droge der Bohème – ist ein Symbol der Ambivalenz: bitter und süß, heilend und zerstörerisch, göttlich und gefährlich. Die Grüne Fee tanzt weiter – zwischen den Zeilen der Lyrik, in den Schatten der Nacht und in jedem Glas, das mehr als nur betrunken macht.

Vollmond und Pflanzenkraft – Klösterliche Sichtweise

 

Vollmond 

In alten Klöstern lebten Mönche und Nonnen im Rhythmus der Natur – und vor allem im Rhythmus des Himmels. Der Vollmond war für sie kein bloßes astronomisches Ereignis, sondern ein heiliger Moment.

Man glaubte, dass sein Licht das Verborgene sichtbar machen kann – auch in der Pflanzenwelt. In diesen Nächten wurde die Natur als besonders durchlässig empfunden. Die Kraft, die durch die Pflanzen floss, war stärker, lebendiger, aufgeladen mit einer stillen Energie, die man nicht erklären, aber spüren konnte.

Ich erinnere mich, wie ich selbst an manchen Vollmondnächten nicht schlafen kann – nicht aus Unruhe, sondern weil die Welt draußen so wach und weit scheint. Es ist, als würde der Mond ein Fenster öffnen, das sonst verschlossen bleibt.

Am Donnerstag, den 10. Juli 2025, um genau 22:36:53 Uhr MESZ, erreicht der Vollmond seinen Höhepunkt. In der alten Volksmedizin und klösterlichen Kräuterkunde gilt dieser Moment als besonders günstig, um bestimmte Pflanzen zu sammeln – nicht nur wegen der energetischen Wirkung, sondern auch wegen der Tiefe der Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Warum bei Vollmond sammeln?

In der monastischen Tradition galt die Nacht des Vollmonds als eine Zeit der Offenbarung. Man glaubte, dass die Pflanzen in diesem Licht ihre innersten Kräfte preisgeben – so wie eine Seele, die sich nur im Vertrauen zeigt.

Die Säfte der Pflanzen steigen in dieser Phase besonders intensiv in Blätter und Blüten. Es ist die Zeit, in der die Pflanze ihre ganze Lebenskraft ausstrahlt. Die alten Heilkundigen – von Hildegard von Bingen bis zu unbekannten Klostergärtnern – nutzten dieses Wissen sorgfältig und respektvoll.

Welche Pflanzen wurden zu Vollmond gesammelt?

Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Als Lichtträgerin wurde sie nicht nur zur Sommersonnenwende, sondern auch bei Vollmond geerntet. Sie hilft bei seelischen Wunden, Melancholie und wird traditionell zur Herstellung von Rotöl verwendet.

Beifuß (Artemisia vulgaris)
Ein altes Ritualkraut, das in Klöstern getrocknet und verräuchert wurde. Es galt als schützend, klärend und hilfreich für Träume und Übergänge.

Eisenkraut (Verbena officinalis)
Als „heiliges Kraut“ wurde es zu Zeiten besonderer Himmelskonstellationen gesammelt, vor allem bei Vollmond. Es wurde zur geistigen Reinigung und zur Unterstützung der Konzentration genutzt.

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
In benediktinischen Klöstern wurde sie für ihre herzberuhigende Wirkung geschätzt. Bei Vollmond geerntet, galt sie als besonders wirksam für inneren Frieden.

Quendel / Wilder Thymian (Thymus serpyllum)
Ein zartes, aber kraftvolles Kraut, das Mut stärkt und reinigend wirkt. Vollmondnächte galten als ideale Zeit für seine Sammlung.

Lavendel (Lavandula angustifolia)
Wurde oft zur Herstellung von Ölen und Kräuterkissen verwendet. Bei Vollmond gesammelter Lavendel galt als besonders wohltuend für den Schlaf und den inneren Rückzug.

Minze und Schafgarbe
Auch diese Pflanzen wurden bei Vollmond geerntet, um ihre klärende, heilende Kraft voll auszuschöpfen.

Wer lebte dieses Wissen?

Hildegard von Bingen sah in der „Viriditas“ – der grünen Lebenskraft – eine göttliche Verbindung zwischen Licht, Leben und Gesundheit.

Die Gärten der Klöster folgten oft einem eigenen Rhythmus, in dem Mondphasen, Gebetszeiten und die Beobachtung der Natur zusammenspielten. Die Pflanzen wurden nicht nur botanisch betrachtet, sondern auch spirituell verstanden – als Geschöpfe mit einem eigenen Wesen und einer besonderen Aufgabe.

In der Volksmedizin lebte dieses Wissen weiter – bei Kräuterfrauen, Hebammen und einfachen Menschen, die spürten, dass die Natur spricht, wenn man ihr zuhört.


The Monastic Herbarium versteht sich als Brücke zu diesen alten Wegen – nicht aus Nostalgie, sondern aus Ehrfurcht. Wer heute bei Vollmond Pflanzen sammelt, betritt einen alten Pfad, der noch immer lebendig ist.

„Die Schöpfung heilt, wenn der Mensch in Einklang mit ihr lebt.“
Und der Vollmond – so sagten die Weisen – sei wie ein Leuchtturm am Himmel,
der uns daran erinnert, wann es Zeit ist, mit dem Herzen zu ernten.

Pflanzlicher Festtagsbraten mit Wildkräutern – Traditionelles Klosterrezept aus der Natur


Ein Festtagsgericht, das ganz ohne Fleisch auskommt und doch so reichhaltig, würdevoll und aromatisch schmeckt wie ein klösterliches Festmahl. Dieser vegetarische Braten verbindet die Kraft der Natur in Nüssen, Wurzeln und wilden Kräutern, gebacken zu einem herzhaften Genuss – perfekt für Feiertage oder festliche Zusammenkünfte, bei denen bewusst und naturverbunden gegessen wird.

Ursprünglich wurde dieses Gericht in Klöstern zu besonderen Anlässen und oft während der Fastenzeit zubereitet. Kräuterkundige Frauen wussten um die heilende Kraft der Pflanzen, die sie liebevoll in ihren Speisen verwoben, um Körper und Seele zu stärken.

Die duftenden Wildblätter – nicht als Kruste, sondern als Herzstück

Da die Blätter wie Meerrettich, Klette oder Weinrebe oft schwer zu bekommen sind oder sich nicht immer als Kruste eignen, habe ich das Rezept leicht angepasst. Statt sie außen aufzulegen, mischen wir die fein gehackten, blanchierten Wildblätter direkt in die Füllung. So entfalten sie ihr volles Aroma und ihre Heilkraft, ohne den Braten in seiner Form zu beeinflussen.

Zutaten für 4 Portionen

Für die Füllung:

  • 150 g Nüsse (Mandeln, Walnüsse oder Haselnüsse), eingeweicht

  • 1 große Zwiebel, gehackt

  • 2 Zehen wilder Knoblauch (oder normaler Knoblauch)

  • 100 g geriebene Pastinakenwurzel

  • 1 große Karotte, gerieben

  • 50 g getrocknete Pilze (eingeweicht und gehackt)

  • 1 TL wilder Thymian (ca. 1 g)

  • 10 g gehackte Spitzwegerichblätter

  • 10 g blanchierte und gehackte Brennnesselblätter

  • 15–30 g blanchierte und fein gehackte Wildblätter (z. B. Meerrettich, Klette, Weinrebe oder andere essbare Wildkräuter)

  • 2 Eier (oder eingeweichte Leinsamen als vegane Alternative)

  • 2 EL Hafer- oder Buchweizenmehl

  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung

  1. Zwiebel und Knoblauch in etwas Öl goldgelb dünsten.

  2. Karotten, Pastinaken, Pilze sowie alle Wildkräuter und die fein gehackten Wildblätter hinzufügen und 5–6 Minuten mitdünsten, damit sich die Aromen gut verbinden.

  3. Die Mischung grob mit den eingeweichten Nüssen pürieren.

  4. Eier, Mehl und Gewürze (Salz, Pfeffer, Muskatnuss) untermischen und alles gut verrühren.

  5. Die Füllung etwa 20 Minuten kühl ruhen lassen, damit sie fest wird und sich die Aromen entfalten.

  6. Eine Kastenform leicht einfetten, die Masse hineinfüllen und glattstreichen.

  7. Mit etwas Öl bestreichen und nach Belieben mit Sesam- oder Mohnsamen bestreuen.

  8. Im vorgeheizten Backofen bei 180 °C ca. 45–50 Minuten backen, bis der Braten eine schöne goldbraune Kruste hat.

  9. Kurz abkühlen lassen, dann in Scheiben schneiden und servieren.

Serviervorschläge & Geschichte

Dieses Gericht wird traditionell warm serviert, begleitet von einer aromatischen Waldpilzsoße, die den erdigen Charakter des Bratens wunderbar ergänzt. Im Sommer kann man ihn auch kalt genießen, bei einem zeremoniellen Picknick im Klostergarten – eine perfekte Verbindung von Natur, Genuss und Gemeinschaft.

Das Rezept trägt die Weisheit vergangener Zeiten in sich, als in Klöstern und Kräutergärten die Heilkraft der Pflanzen hochgeschätzt wurde. Wer heute diesen Braten zubereitet, verbindet sich mit dieser Tradition und ehrt die Natur, die uns nährt und heilt.

Distel – Die unbeugsame Heilerin

 

Carduus

Man kann sie nicht übersehen.
Mitten im Sommerlicht steht sie da – nicht wie ein zartes Kräutlein, sondern wie eine Wächterin.
Ihre Blätter stechen, ihre Haltung warnt – und doch zieht sie mich magisch an.
Sie wirkt nicht einladend, aber echt. Und das allein macht sie mir sympathisch.

Die Distel – genauer gesagt, Carduus – gehört zu den ältesten Heilpflanzen Europas.
Schon die Griechen schätzten sie: Dioskurides schrieb im ersten Jahrhundert über ihre Kraft, die Galle zu reinigen und den Körper von „dicken Säften“ zu befreien.
In der Antike galt sie als Meisterin der Reinigung – sowohl innerlich als auch symbolisch.
Sie wurde bei Leberleiden, Verdauungsproblemen, ja sogar gegen Melancholie eingesetzt.

Im Mittelalter taucht sie immer wieder in Klostergärten auf – als starke, bittere Pflanze, die Mut, Kraft und Widerstand schenkt.
Man kochte aus ihren jungen Blättern einen Lebertrank oder legte sie in Essig ein, um den Körper nach dem Winter „durchzulüften“.
Und manchmal – so erzählt man – wurde sie bei Flüchen verbrannt, weil man glaubte, sie könne böse Einflüsse vertreiben.

Was mich an ihr fasziniert:
Sie verlangt nichts.
Sie wächst, wo andere längst aufgegeben haben.
Und sie erinnert mich daran, dass Heilkraft nicht immer lieblich schmecken muss – manchmal ist sie scharf, stachelig und unbequem.
Aber genau das wirkt.

Berufkraut war einst eine treue Begleiterin in Klostergärten und Frauenheilkunst

Berufskraut


Wenn ich heute durch Waldwege oder verwilderte Gärten streife, springt mir zwischen Gräsern und Brennnesseln oft ein unscheinbares Pflänzchen ins Auge – das Berufkraut.

Kein Star unter den Heilpflanzen, und doch war es einst eine treue Begleiterin in der Klostermedizin.
Sie wächst dort, wo sie niemand gepflanzt hat – als hätte sie beschlossen, von sich aus zu helfen.

In früheren Jahrhunderten war sie weit mehr als „Beikraut“. Für Mönche, heilkundige Frauen und Hebammen war sie eine Pflanze mit feinem Gespür – für Entzündungen, für Frauenleiden, für Unruhe und Reinigung.

Wie wurde Berufkraut im Mittelalter verwendet?

1. Bei Frauenleiden

Berufkraut galt als sanfte Helferin bei Menstruationsbeschwerden, zu starker oder unregelmäßiger Blutung.
Die Heilerinnen nutzten einen Aufguss oder eine Tinktur, um den Unterleib zu entspannen und Krämpfe zu lösen.
Es hieß: „Es bringt Ordnung in den Fluss des Lebens.“

2. Zur Wundheilung

Die antiseptischen Eigenschaften machten sie zu einem beliebten Mittel bei äußeren Verletzungen.
Die Blätter wurden zerdrückt und als Breiumschlag verwendet.
In Klöstern stellte man ein einfaches Öl her: frisches Kraut in Olivenöl ausgezogen – ideal bei Insektenstichen und kleinen Wunden.

3. Für Magen und Darm

Ein Tee aus Berufkraut wurde bei Durchfall, Blähungen und leichten Magenentzündungen verabreicht.
Er wirkte beruhigend und antibakteriell. Besonders beliebt war er in Kombination mit Kamille.

4. Als „Reinigungspflanze“

Früher sprach man vom „inneren Reinigen“. Berufkraut wurde zum Ausleiten von „schlechten Säften“ verwendet.
Oft als Frühjahrskur oder nach Krankheiten.
Ein Aufguss morgens nüchtern getrunken, 7 Tage lang – das war die alte Empfehlung.


Rezept für eine reinigende Tinktur

Du brauchst:

  • 1 Handvoll frisches Berufkraut (Blüten, Blätter, Stängel)

  • 200 ml Weingeist (mind. 40 % Alkohol, z. B. Korn)

  • 1 kleines Schraubglas

  • Dunkle Tropfflasche zur Aufbewahrung

Zubereitung:

  1. Das frische Kraut zerkleinern und locker ins Glas füllen.

  2. Mit Alkohol bedecken, gut verschließen.

  3. 3 Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen, täglich schütteln.

  4. Abseihen und in dunkle Flasche füllen.

Anwendung:
5–10 Tropfen in etwas Wasser, 1–2x täglich – zur Verdauungsunterstützung oder bei Menstruationsunregelmäßigkeiten.


Persönlich gesagt...

Ich habe Berufkraut erst spät wahrgenommen – es stand dort, wo man es nicht suchte: am Wegrand, im Schatten größerer Pflanzen.
Aber genau dort entfaltet es seine Kraft.
Still. Unauffällig.
So wie viele heilkundige Frauen der Vergangenheit – nicht laut, aber wirkungsvoll.
Heute pflücke ich es mit Respekt und verwende es mit Dankbarkeit.


Die Pflanze hinter dem Bier, die unsere Nerven versteht

Humulus Lupulus Ich bin keine Biertrinkerin. Das war ich nie, aber wenn es draußen sehr heiß ist, trinke ich gern ein kleines Bier auf ex. ....