Man sagt, im Menschen gebe es ein stilles Wasser, nicht das Blut, das läuft, pocht und drängt, sondern jenes andere Wasser, das sich dazwischen bewegt, unscheinbar und leise, das sammelt, was nicht mehr lebendig ist, und geduldig darauf wartet, weitergetragen zu werden. Wenn der Mensch viel geht, wenn er schwitzt, wenn er weint oder atmet, beginnt dieses Wasser von selbst zu fließen, als hätte es sich nur kurz verirrt. Doch wenn der Mensch zu lange müde ist, wenn er Lasten trägt, die nie ausgesprochen wurden, wenn Gefühle im Inneren festgehalten werden wie eingeschlossene Luft, dann bleibt das Wasser stehen, und mit ihm kommen die Schwere im Körper, die Schwellung, die namenlose Erschöpfung, die sich nicht erklären lässt. Die Alten sagten nicht, dass die Lymphe schmutzig sei oder gereinigt werden müsse, sie sagten nur leise und ohne Urteil: Dein Wasser hat den Weg vergessen.
In einem alten Dorf am Rand des Waldes lebte eine Frau, die nicht mit Kraft heilte. Sie reinigte nicht. Sie öffnete. Wenn jemand mit schwerem Körper und müder Seele zu ihr kam, führte sie ihn früh am Morgen nach draußen.
„Geh“, sagte sie. „Auch wenn du keine Lust hast. Das Wasser in dir bewegt sich nur, wenn du dich bewegst.“
Dann gab sie ihm drei Pflanzen.
Die erste war die Klette – ihre Wurzel. „Sie weiß, wie man aus der Tiefe zieht“, sagte die Frau. „Nicht schnell. Aber wahrhaftig.“ Sie kochte sie langsam und gab sie am Abend, wenn der Körper still wird.
Die zweite war der Löwenzahn. Nicht die Blüte, sondern das bittere Blatt und die schmale Wurzel. „Er zeigt dem Wasser den Ausgang“, sagte sie. Man trank ihn am Morgen, als Anfang.
Die dritte war das Kletten-Labkraut (Galium aparine). Die Pflanze, die an der Kleidung hängen bleibt, wenn man durch die Wiese geht. „So hält sie auch das stehende Wasser fest“, sagte die Frau. Sie kochte sie nicht. Sie ließ sie über Nacht in kaltem Wasser ziehen. Dieses Wasser wurde mittags getrunken, wenn die Sonne hoch stand.
Doch die Pflanzen waren nicht alles. Morgens gehörte auch der Körper dazu, cu pielea trezită printr-un periaj uscat, făcut încet, fără presiune, ca o mișcare care aduce atenția înapoi spre inimă. Era nevoie de puțină căldură, de transpirație ușoară, de mers, de foc sau de o baie caldă, lucruri simple, care lăsau apa din interior să se miște fără să fie forțată. Și uneori era nevoie doar de oprire, de stat, de respirație, pentru că apa aceea tăcută se blochează adesea acolo unde omul nu mai are loc să simtă.
Nach drei Wochen hörte die Frau auf. Das Wasser hatte seinen Weg wiedergefunden, und die Menschen folgten ihm still. Manche gingen leichter hinaus in die Welt, andere blieben noch eine Weile im Wald, bis auch ihr Inneres den Rhythmus wiedergefunden hatte.
So arbeiteten die Alten, ohne den Körper zu zwingen, ohne eine totale Reinigung zu versprechen; sie begleiteten das Wasser nur sanft, erinnerten es an seine eigene Bewegung, sodass es wieder frei fließen konnte.
Manches Wissen endet nicht hier.
Manches beginnt erst, wenn man aufhört zu lesen und anfängt zu gehen.
Aus diesem Text ist ein stilles Pflanzenritual entstanden.
Für jene, die das Wasser im Inneren nicht nur verstehen, sondern bewegen wollen.
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