Holunderbeeren – Kleine Juwelen mit großer Kraft

 


Beim Streifen durch alte Wälder fallen die kleinen, tiefvioletten Holunderbeeren sofort ins Auge. Sie glitzern wie winzige Edelsteine im Sonnenlicht und wirken wie stille Zeugen vergangener Zeiten. Holunderbeeren sind mehr als bloße Früchte – sie bergen Geschichten und Heilkräfte, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden.

Ein Schatz der alten Heiler

Viele Menschen kennen Holunder nur als Sirup gegen Erkältungen. Doch im Mittelalter wussten Mönche und Kräuterkundige um ihre weitreichende Wirkung:

  • Sie stärken das Immunsystem auf sanfte Weise.

  • Sie lindern Entzündungen und unterstützen die Regeneration.

  • Sie schenken innere Balance und helfen, emotionale Spannungen zu lösen.

In alten Handschriften wird beschrieben, dass Holunderbeeren auch seelische Reinigung bewirken – sie können alte Trauer lösen und inneren Frieden fördern.

Geheimnisse der Klosterapotheken

Nur wenige wissen, dass Holunder früher als Schutzpflanze galt. Blätter oder getrocknete Beeren wurden in Kinderzimmer gelegt, um böse Energien fernzuhalten. In Salben und Balsamen halfen die Beeren bei kleinen Wunden oder gereizter Haut – eine sanfte Kraft für Körper und Seele zugleich.

Die dunkle Seite der Schönheit

Roh dürfen Holunderbeeren nie gegessen werden, da sie Spuren von Cyaniden enthalten. Richtig verarbeitet, entfalten sie jedoch ihre volle Heilkraft. Alte Apotheker kombinierten sie mit Ölen oder Butter, um Balsame für Haut und Herz herzustellen.

Ein einfacher Holunderbeeren-Balsam

Ich habe eine vereinfachte Version für zu Hause entwickelt, inspiriert von den alten Klosterapotheken. Sie ist leicht herzustellen und pflegt die Haut auf natürliche Weise.

Zutaten:

  • 20 g Mandelöl oder Jojobaöl

  • 10 g Sheabutter oder Kakaobutter

  • 5 g getrocknete Holunderbeeren, fein gemörsert oder als Extrakt

  • Optional: ein paar Tropfen Vitamin E

Zubereitung:

  1. Öl und Butter vorsichtig erwärmen, bis sie schmelzen.

  2. Holunderbeeren oder Extrakt unterrühren.

  3. Abkühlen lassen und in ein sauberes Glas füllen.

  4. Kurz bevor die Masse fest wird, Vitamin E unterrühren.

Anwendung:
Sanft auf kleine Wunden, trockene Stellen oder gereizte Haut auftragen. Der Balsam wirkt beruhigend, pflegend und unterstützt die Hautregeneration.

Hinweis: Ich habe diese vereinfachte Version selbst angepasst, damit sie jeder leicht zu Hause herstellen kann, ohne spezielle Geräte oder schwer zugängliche Zutaten.

Ein persönlicher Moment

Wenn ich Holunderbeeren sammle, achte ich auf jedes Detail: die runde Form, den tiefen Farbton, den Duft im Herbstwind. Es ist fast so, als würde ich die Geschichten der alten Heiler hören. Holunderbeeren sind Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Körper und Seele.


Klosterbalsam für Narben und seelische Wunden

                                                     Heilbalsam für Narben & Hautrisse


Manchmal hinterlassen Verletzungen nicht nur Spuren auf der Haut, sondern auch in der Seele. Schon die alten Mönche wussten: wenn die Haut sich wieder schließen soll, braucht sie nicht nur Schutz, sondern auch Zuwendung. Und genau das schenkt uns die Natur – leise, kraftvoll, unaufdringlich.

Ich erinnere mich an eine Stelle bei Hildegard von Bingen, die schrieb, dass die Haut wie ein „Fenster der Seele“ sei. Sie heilte nicht nur Wunden, sondern auch das Vertrauen, dass der Körper zurück ins Gleichgewicht findet.

Heute möchte ich mit dir ein Rezept teilen, das inspiriert ist von klösterlichem Wissen, aber so schlicht und rein ist, dass du es auch in deiner Küche herstellen kannst. Kein fettiger Salbenklumpen – sondern ein feiner, fast seidig-apriger Balsam, der die Haut aufnimmt wie Regen die Erde.


Rezept: Heilbalsam für Narben & Hautrisse

Fette Phase

  • 15 g Mandelöl (oder Jojobaöl, dem Hautsebum sehr ähnlich)

  • 10 g Ringelblumen-Mazerat (in Oliven- oder Sonnenblumenöl)

  • 5 g Sheabutter oder Kakaobutter

  • 6 g Cera Bellina oder Emulsan (natürliche Emulgatoren)

Wässrige Phase

  • 50 g destilliertes Wasser (oder Kamillentee, gut gefiltert)

  • 5 g Aloe-Vera-Gel

Zum Abschluss

  • 5 Tr. Vitamin E (Antioxidans, schützt die Öle)

  • 8–10 Tr. ätherisches Öl von Lavendel oder Weihrauch

  • Optional: ein paar Tropfen natürlicher Konservierer (z. B. Cosgard) – sonst bitte im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von 2 Wochen verbrauchen.


 Zubereitung wie ein Ritual

  1. Die fette Phase im Wasserbad langsam schmelzen.

  2. In einem zweiten Gefäß die wässrige Phase leicht erwärmen.

  3. Unter stetigem Rühren beide Phasen zusammenführen, bis eine feine Creme entsteht.

  4. Vitamin E, ätherische Öle und ggf. Konservierer erst zum Schluss einrühren.

  5. In ein dunkles Glas füllen – fertig ist dein Klosterbalsam.

Anwendung

Dieser Balsam zieht schnell ein, ist weder zu fettig noch zu schwer, und fühlt sich an, als würde die Haut ein Stück Frieden trinken. Verwende ihn für kleine Narben, trockene Stellen oder Risse – immer dann, wenn die Haut nach Heilung ruft.

Für mich ist jedes Auftragen mehr als Hautpflege. Es ist ein stilles Gebet: „Heile, was verwundet ist.“

Hanf in der mittelalterlichen Medizin

 

Cannabis sativa

Pflanzen im Klostergarten

Im Mittelalter waren Klostergärten lebendige Apotheken. Der Hanf (Cannabis sativa) hatte dort seinen festen Platz – nicht nur wegen seiner Fasern und nahrhaften Samen, sondern auch wegen seiner heilenden Kräfte. Mönche pflegten ihn mit Sorgfalt, verwendeten Blätter, Samen und manchmal auch Blüten für Aufgüsse, Salben und Umschläge gegen Schmerzen und Entzündungen. Jede Pflanze wurde mit Respekt behandelt, als Teil einer göttlichen Ordnung.

Islamische Heilkunst

Auch die islamische Medizin des Mittelalters kannte die Heilkraft des Hanfs. Heilkundige beschrieben seine harntreibende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung. Er fand Anwendung bei Migräne, Gelenkbeschwerden, Verdauungsproblemen und nervösen Leiden. Öl aus den Samen wurde äußerlich aufgetragen, während Abkochungen mit Bedacht dosiert wurden. Dieses Wissen gelangte später nach Europa und prägte auch die Klostermedizin.

Volksheilkunde und Maßhaltung

In der Volksmedizin nutzte man Hanf vielseitig: Samenbrei zur Stärkung, frische Blätter auf Wunden, Öl gegen Ohrenschmerzen. Die Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb, Hanfsamen nährten den Körper und beruhigten den Geist, mahnte jedoch zur Mäßigung. 

Überall galt: Hanf ist ein Geschenk der Natur – doch jedes Geschenk verlangt Respekt.


Aus dem Tagebuch eines Klostermönchs, 13. Jahrhundert:
„Der Hanf wächst neben Minze und Schachtelhalm. Junge Blätter, in wenig Wein gekocht, lindern die Gelenke der Alten. Samenbrei stärkt jene, die keine Kraft mehr haben. Doch wer das Maß verliert, verliert auch die Ordnung.”


Meine persönliche Note:
Wenn ich heute über Hanf schreibe, spüre ich eine gewisse Ehrfurcht. Zwischen all den hitzigen Debatten unserer Zeit wird oft vergessen, dass diese Pflanze über Jahrhunderte hinweg den Menschen Heilung, Nahrung und Wärme geschenkt hat. Die Mönche und Heiler vergangener Zeiten kannten sein Potenzial, aber auch seine Grenzen. Vielleicht ist genau das ihre wichtigste Botschaft an uns: Im Gleichgewicht liegt die wahre Kraft.

Altbewährte Hustensirupe aus der Klostertradition – Salbei, Thymian & Co


Wenn der Husten tief sitzt, greife ich nicht zu chemischen Säften, sondern bereite mir mit Bedacht einen eigenen Sirup zu – so, wie es früher in den Klosterküchen geschah. Jedes Rezept ist ein kleines Ritual, das mich der Pflanze näherbringt – und dem Menschen, den ich pflege.

1. Thymiansirup (klassisch, bei festsitzendem Husten)

Wirkung: schleimlösend, antimikrobiell, auswurffördernd

Zutaten (für ca. 150 ml):

  • 25 g getrockneter Thymian (Thymus vulgaris)

  • 250 ml Wasser

  • 125 g Rohrohrzucker

Zubereitung:
Thymian mit Wasser 10 Minuten sanft köcheln lassen. Abseihen. Den Sud mit dem Zucker bei schwacher Hitze rühren, bis der Zucker sich vollständig löst. In sterile Braunglasflasche füllen.

Dosierung:
Erwachsene: 3 x täglich 1 TL
Kinder ab 3 Jahren: 3 x täglich 1/2 TL
Im Kühlschrank 2 Wochen haltbar.


2. Salbeisirup (reizlindernd bei Halsschmerzen und trockenem Husten)

Wirkung: adstringierend, antibakteriell, entzündungshemmend

Zutaten (für ca. 100 ml):

  • 10 g getrocknete Salbeiblätter (Salvia officinalis)

  • 200 ml Wasser

  • 100 g Zucker (alternativ: 80 g Honig, nicht über 40°C erhitzen!)

Zubereitung:
Salbei mit Wasser aufkochen, 15 Minuten bei geringer Hitze ziehen lassen. Abseihen, Flüssigkeit mit Zucker langsam erhitzen, bis ein dickflüssiger Sirup entsteht. In sterile Flasche füllen.

Dosierung:
Erwachsene: 3 x täglich 1 TL
Nicht für Kinder unter 12 Jahren oder in der Schwangerschaft empfohlen.
Haltbarkeit: 10–14 Tage gekühlt.


3. Spitzwegerichsirup (ideal bei Reizhusten)

Wirkung: reizlindernd, wundheilend, schleimhautberuhigend

Zutaten (für ca. 200 ml):

  • 50 g frische Spitzwegerichblätter (Plantago lanceolata)

  • 250 ml Wasser

  • 150 g Honig (nicht erhitzen!)

Zubereitung:
Blätter grob zerschneiden, mit Wasser 20 Minuten sanft köcheln. Abseihen. Sud abkühlen lassen, Honig einrühren (unter 40°C!). In sterile Flasche abfüllen.

Dosierung:
Kinder ab 2 Jahren: 3 x täglich 1/2 TL
Erwachsene: 3–5 x täglich 1 TL
Im Kühlschrank max. 10 Tage haltbar.


4. Eibischsirup (sanft und beruhigend für empfindliche Schleimhäute)

Wirkung: schleimhautschützend, reizlindernd, mild bei trockenem Husten

Zutaten (für 150 ml):

  • 10 g Eibischwurzel (Althaea officinalis)

  • 200 ml kaltes Wasser

  • 100 g Zucker

Zubereitung:
Die Wurzel wird kalt ausgezogen: in kaltem Wasser 6–8 Stunden ziehen lassen, gelegentlich umrühren. Danach abseihen, Sud leicht erhitzen (nicht kochen!), Zucker einrühren bis zur Sirupkonsistenz. In sterile Flasche abfüllen.

Dosierung:
Kleinkinder ab 1 Jahr (nach Rücksprache): 1/2 TL
Erwachsene: 1 TL bis zu 5 x täglich
Haltbarkeit: im Kühlschrank max. 7 Tage


Schlusswort

Diese Sirupe sind für mich mehr als Rezepte – sie sind eine Rückverbindung mit dem, was heilsam ist: Nähe, Sorgfalt und das stille Vertrauen in die Pflanzen, die uns seit Jahrhunderten begleiten. Jeder Löffel ist ein Zeichen von Zuwendung – ganz im Sinne der klösterlichen Heilkunst.

Quellen

  • Kommission E Monographien, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Deutschland

  • Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen, Springer Verlag

  • Mayer, Johannes Gottfried; Uehleke, B.; Melchart, D.: Klostermedizin – Die Wiederentdeckung der heilenden Kräuter, C.H. Beck Verlag

  • Wichtl, Max (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

  • Madaus, Gerhard: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel (historisches Werk, digitalisiert verfügbar)


Liebe Leserinnen und Leser,
vielen Dank, dass ihr meinen Beitrag über selbstgemachten Sirup gelesen habt! 🌿🍯
Ich habe ein kleines PDF mit Rezepten für Sirupe vorbereitet, damit ihr sie speichern und jederzeit nachmachen könnt.

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Die Pflanze hinter dem Bier, die unsere Nerven versteht

Humulus Lupulus Ich bin keine Biertrinkerin. Das war ich nie, aber wenn es draußen sehr heiß ist, trinke ich gern ein kleines Bier auf ex. ....